Ein Umdenken bewirken

Umweltpreis Kaufbeuren geht an zwei inspirierende Projekte

Preisträger des Umweltschutzpreises in Kaufbeuren
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Mit ihrer Initiative und neuen Impulsen konnten die diesjährigen Träger des Umweltpreises überzeugen: Für ihren Einsatz in Sachen Umweltschutz wurde das Team des Repair-Cafés und des Unverpackt-Ladens „Frohnatur“ im Kaufbeurer Stadtsaal ausgezeichnet.

Kaufbeuren – Sie weisen nicht nur auf Missstände hin, sondern werden aktiv, um Veränderungen zu bewirken: Außergewöhnliches Engagement haben die diesjährigen Träger des Umweltpreises Kaufbeuren bewiesen, die sich für den Umweltschutz stark gemacht und klare Statements gegen den Plastikwahnsinn und die Wegwerfgesellschaft gesetzt haben.

Zeichen gegen Wegwerfmentalität

Warum Dinge wegwerfen, wenn man sie reparieren und ihnen ein neues Leben schenken kann? Das dachten sich die Initiatoren des Repair-Cafés. Seit 2018 helfen die ehrenamtlichen Tüftler dabei, defekte Geräte, in Mitleidenschaft gezogene Kleidung und mehr vor dem Wegschmeißen zu bewahren. Fast 800 Reparaturen wurden bisher durchgeführt. Und ihr Tatendrang macht auch vor der Coronakrise keinen Halt, denn das Team ist bei Anliegen weiter über die Website erreichbar und via Mailkontakt um die Problemlösung bemüht. Über die Begeisterung, in der Gemeinschaft an etwas zu arbeiten, alten Dingen neues Leben einzuhauchen, sprach Angelika Lausser im Rahmen der Preisverleihung am Donnerstagabend. Auch von der ein oder anderen skurrilen Begebenheit konnte Lausser dabei erzählen. Ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro erhielt das Team des Repair-Cafés für den Einsatz darum, „der Wegwerfmentalität unserer Wirtschaft etwas entgegenzusetzen“, so Juror Karl Schindele als Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten.

Ein Gemeinschaftsprojekt

Als zweite Preisträger des mit 2.000 Euro dotierten Preises gingen die Gründer des Unverpackt-Ladens „Frohnatur“ hervor: Zehn Kaufbeurer Bürgerinnen und Bürger gingen mit ihrer Idee an den Start, einen Laden zu eröffnen, der komplett auf Plastik verzichtet – und verwirklichten ihre Vision im Frühjahr nach einer Crowdfunding-Kampagne, die in der Stadtbevölkerung auf ein großes Echo stieß. Die Eröffnung erfolgte mitten in Coronazeiten. Dass die Initiatoren damit ein „unternehmerisches Risiko eingegangen sind“, hob Juror Dr. Hermann Walter, Betriebsleiter am Forstbetrieb Ottobeuren, in der Urteilsbegründung hervor. Mit ihrem „großartigen Engagement“ zeige das Frohnatur-Team nicht nur täglich, wie der Verzicht auf jedwede Form von Plastik möglich ist, sondern trage zu einem Umdenken bei, einer Veränderung im Einkaufsverhalten. Die Gründer hätten es „nicht nur dabei belassen, Missstände anzuprangern, sondern den Ärmel hochgekrempelt und aktiv angepackt, um eine Veränderung anzustoßen“. Die angesichts der Auszeichnung überwältigten Initiatoren machten klar, dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt, das vom Mitwirken der Kaufbeurer Bevölkerung lebt.

Anerkennung für Eigeninitiative

Eine Anerkennung für ihre Eigeninitiative rund um das Thema Plastikvermeidung gab es für die Zehntklässlerinnen der Marien-Realschule. Denn die Mädels brachten das Projekt von sich aus mit der Unterstützung ihrer Lehrerin ins Rollen und beschäftigten sich damit, wie Plastik produziert, wie es recycelt werden kann und welche Auswirkungen es auf den Körper hat. „Als Multiplikatoren tragen sie die kritisch hinterfragten Dinge weiter in den Freundeskreis und regen ein Umdenken an“, lobte Bau- und Umweltreferent Helge Carl die Initiative der Schülerinnen. Auch für Schüler der Gustav-Leutelt-Schule hätte es eigentlich eine Anerkennung gegeben, diese konnten ihr Projekt coronabedingt allerdings nicht durchführen.

Beeindruckt zeigte sich die Jury und auch Oberbürgermeister Stefan Bosse von den zahlreichen Projektideen, die von den unterschiedlichsten Akteuren eingereicht wurden. „All diese tragen dazu bei, dass wir unser Konsumverhalten überdenken und spannende Alternativen kennenlernen.“ Auch die Fridays-for-Future-Initiative trage Früchte und habe in Kaufbeuren schon einiges bewegt.

Mahi Kola

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