E-Bike-Fahrer bereiten Sorgen

Unfallstatistik geprägt von Pandemie – Mehr Unfälle mit Schwerverletzten

Autounfall Feuerwehr
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Bei einem Verkehrsunfall auf der B12 auf Höhe Hirschzell sind Ende Juli eine Person schwer und drei weitere leicht verletzt worden.

Kaufbeuren/Landkreis – Nun ist sie raus: Die Verkehrsunfallstatistik 2020 des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Wie zu erwarten, war auf den Straßen des Landkreises Ostallgäu und der Stadt Kaufbeuren weniger los als in den Jahren vor der Covid-19-Pandemie. Diese Tendenz zeigt sich bundesweit. Insgesamt gab es weniger Verkehrsunfälle und weniger Verkehrstote zu beklagen. Allerdings stieg die Anzahl in der Stadt Kaufbeuren von null auf einen Verstorbenen. Nach wie vor ist Raserei die Hauptunfall­ursache. Außerdem zeigt sich die Polizei besorgt darüber, dass rund 42 Prozent mehr Unfälle mit Pedelecs, nicht wenige davon mit schlimmem Ausgang geschahen.

Die Gesamtzahl der von der Polizei Schwaben Süd/West registrierten Verkehrsunfälle ist im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gesunken. Während im Jahr 2019 noch 30.345 Unfälle das Einsatzgeschehen der Rettungskräfte prägten, reduzierte sich diese Zahl im vergangenen Jahr um 4902 auf 25.443. Von diesen Verkehrsunfällen geschahen 1051 in und um Kaufbeuren (-254), 3485 im Landkreis Ostallgäu (-697).

Die Polizeibeamtinnen und -beamten nahmen im Bereich des Präsidiums Schwaben Süd/West durchschnittlich 70 Verkehrsunfälle pro Tag auf, 13 weniger als noch vor einem Jahr. Dabei endeten 40 der Vorfälle tödlich: Es starben 41 Menschen. Im Vorjahr starben bei 41 Unfällen insgesamt 46 Menschen im Bereich des Präsidiums. In der Stadt Kaufbeuren starb eine Person, was eine mehr als im Vorjahr war. Im Ostallgäu endeten sechs Leben durch einen Verkehrsunfall. Das sind fünf weniger als 2019.

Im Landkreis Ostallgäu und der kreisfreien Stadt Kaufbeuren gab es im vergangenen Jahr sieben Todesopfer zu beklagen. Einer dieser Verkehrstoten war ein 30-jähriger Sportwagenfahrer. Er kam bei Marktoberdorf von der Straße ab und sein Wagen fing Feuer. Obwohl Ersthelfer versuchten ihn zu reanimieren, kam jede Hilfe für den Mann zu spät.

Nach wie vor stellt nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer eins dar. Etwa ein Viertel aller Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten oder Getöteten waren darauf zurückzuführen. Das sind 186 Unfälle im Bereich des hier zuständigen Polizeipräsidiums. 2019 lag diese Zahl noch bei 130.

Mehr Schwerverletzte

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten stieg im Bereich des zuständigen Präsidiums – entgegen des allgemeinen Trends – von 836 im vorvergangenen Jahr auf 852 im Jahr 2020. Dabei wurden 956 Personen schwer verletzt und damit 22 mehr als im Jahr zuvor. Wie die Unfallzahlen insgesamt, so sank auch die Zahl der Unfälle mit Leichtverletzten. 2020 verletzten sich 3935 Personen bei Verkehrsunfällen leicht, das sind 585 weniger als zuvor. Der erfreuliche Rückgang beträgt 13 Prozent. 80 Prozent der polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle im Zuständigkeit des Präsidiums waren Unfälle mit Sachschaden.

Mit insgesamt 4891 verletzten Personen ist gegenüber dem Vorjahr (5454) ein erkennbarer Rückgang um mehr als zehn Prozent zu verzeichnen. Insgesamt fallen dabei mehr als ein Drittel der verletzten Personen in die Kategorie der Krad- und Radfahrer.

Es ist davon auszugehen, dass eine wesentliche Ursache für den deutlichen Rückgang im berücksichtigten Zeitraum in der geringeren Mobilität der Bevölkerung liegt. Was der Corona-Pandemie und in dem damit verbundenen Rückgang des Verkehrs geschuldet ist. Dem Verlauf der Pandemie und der jeweiligen Maßnahmen von Seiten der Regierung aus, waren in den Monaten März und April sowie November und Dezember die größten Rückgänge der Verkehrsunfallzahlen zu verzeichnen.

42 Prozent mehr Unfälle als im Vorjahr mit Pedelecs bereiten aber Anlass zur Sorge. Dass Zweiradfahrer so häufig zu Schaden kamen, dürfte am coronabedingten Boom des Fahrradfahrens liegen. Auffällig ist der deutliche Anstieg von verkauften Fahrrädern mit elektrischem Hilfsmotor und leider auch an schweren Unfällen: 116 E-Bike-Fahrer verletzten sich bei 401 Verkehrsunfällen schwer. Das sind 34 Personen beziehungsweise 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Jeweils vier Fahrrad- und vier E-Bike-Fahrer starben an den Unfallfolgen im Jahr 2019.

Bayernweiter Trend

Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte auch das Bayerische Landesamt für Statistik die gesammelten Daten zum Geschehen auf den Straßen des Freistaats. Gleich zu Beginn der Meldung wurden die gestiegenen Unfallzahlen der E-Bike- und Fahrradfahrer genannt. Nach vorläufigen Zahlen kamen bis Ende Dezember deutlich mehr Fahrradfahrende zu Schaden als im Vorjahr. Insgesamt verunglückten in Bayern 18.069 Radelnde (+ elf Prozent), 68 von ihnen tödlich. Bei den E-Bike-Fahrenden war der Anstieg sehr viel deutlicher, hier stieg die Zahl der Verunglückten um satte 51 Prozent auf 2983, 25 von ihnen starben.

In allen sieben Regierungsbezirken des Freistaats entwickelten sich im Jahr 2020 die Verunglücktenzahlen insgesamt rückläufig. Die Zahl der Getöteten verringerte sich im Verhältnis zum Vorjahr vor allem in Mittelfranken (-23,9 Prozent) und in Oberfranken (-22,7 Prozent). In Schwaben allerdings wurden im Straßenverkehr zwei Personen mehr als im Vorjahr tödlich verletzt.

Mit Beginn der Fahrradsaison starten Schwerpunktkontrollen

Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, setzt die Polizei vor allem zu Saisonbeginn auf eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit und direkte Ansprache der Zielgruppe beispielsweise durch Info-Stände und Sicherheitshinweise schon beim Fahrradkauf (beispielsweise durch Flyer). Mit Beginn der Fahrradsaison starten Schwerpunktkontrollen an bekannten Ausflugsstrecken oder im innerörtlichen Bereich. Dabei stehen die konfliktfreie Nutzung der Verkehrsflächen sowie die Ausrüstung und das Fahrverhalten der Radler im Fokus.

Vermehrt erhielten die hiesigen Dienststellen 2020 Beschwerden über unnötiges Umherfahren sowie Lärm- und Abgasbelästigung durch auffällige Kraftfahrzeuge. In den vergangenen Jahren entwickelte sich eine Szene, deren Akteure teilweise auch überregional in Erscheinung treten. Je nach Zahl der Kraftfahrer, Dauer und Lautstärke der Treffen sorgen diese für Unruhe unter den Anwohnern. Manchmal kommt es aber auch zu Ordnungsstörungen und Straftaten. Tuner nehmen individuelle und teilweise unzulässige Fahrzeugveränderungen an Technik und Design vor, während Poser vor allem mit besonders leistungsstarken Fahrzeugen auf sich aufmerksam machen wollen.

21 Autos sichergestellt

Die Polizei des Präsidiums Schwaben Süd/West reagierte darauf mit der Gründung von Ermittlungsgruppen in Kaufbeu­ren und Memmingen. Im übrigen Schutzbereich hatten spezialisierte Beamte ein Auge auf diese Entwicklungen. Als Resultat erstatteten die Einsatzkräfte im vergangenen Jahr mehr als zweihundert Anzeigen und stellten 21 Fahrzeuge sicher, um sie von einem Sachverständigen überprüfen zu lassen. Zudem meldeten sie einschlägig in Erscheinung getretene Kfz-Führer sowie deren Fahrzeuge an die zuständigen Fahrerlaubnis- und Zulassungsbehörden weiter.

kb/sh

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