Wohin mit all dem Geld?

Unterhaltsame Runde beim flotten Cha-Cha-Cha der Wirtschaft in Kaufbeuren mit Joachim Llambi

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Kapitalmarktexperten in Kaufbeuren: Vorstandsvorsitzender der Kreis- und Stadtparkasse Franz Endhardt (v. li.), Moderator Andreas Franik, Joachim Llambi, Sparkassenvorstände Angelo Picierro und Tobias Streifinger.

Kaufbeuren – Gesellschaftstanz und Börse haben auf den ersten Blick nur eine Gemeinsamkeit: Sie finden (zumindest traditionell) auf einem Parkett statt. Dabei gibt es jedoch Leute, die sich auf dem manchmal recht glatten Untergrund beider Bereiche virtuos zu bewegen wissen. Einer davon ist der aus der Fernsehshow „Let‘s Dance“ bekannte, aber auch als Anlagenexperte geschätzte Joachim Llambi.

Dementsprechend lautete der Titel des Gesprächs mit ihm, zu dem die Stadt- und Kreissparkasse Kaufbeuren kürzlich eingeladen hatte: ,,Let‘s DAX – stilsicher auf dem Börsen- und Tanzparkett“. Dabei zeigte sich auch, dass es noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen Tanzshow und Finanzplanung gibt.

Angelo Picierro, Mitglied des Vorstandes der gastgebenden Kaufbeurer Sparkasse, eröffnete die ausgebuchte Veranstaltung mit einer kurzen, aber beeindruckenden Darstellung der derzeitigen Situation im Bereich der Finanzwirtschaft. „Eigentlich sollten wir alle angesichts der Höchststände am Aktienmarkt und der guten weltweiten Wirtschaftskonjunktur in Champagnerlaune sein“, erklärte er. „Aber in diesen Kelch der Freude fallen einige Wermutstropfen. Der dickste davon sind die – in hohem Maße der Politik der Europäischen Zentralbank geschuldeten – extrem niedrigen Zinssätze. Sie schaffen eine Situation, wie sie in den etwa 50 Jahrhunderten des Bestehens einer Finanzwirtschaft vielleicht noch nie bestanden hat: Banken verdienen kein Geld mehr bei der Kreditvergabe – und Sparer erhalten keine Zinsen auf ihre Guthaben.“ Das hebele auch den Zinseszins-Effekt aus, mit dem sich früher beträchtliche finanzielle Reserven, etwa in der Altersvorsorge, schaffen ließen. „Damit ergibt sich eine Situation, in der zwar in der Wirtschaft eine Menge Geld erarbeitet wird – aber es an Anlagemöglichkeiten mangelt. Die ansonsten sehr selten gestellte, aber nunmehr aktuelle Frage lautet deshalb: Wohin mit all dem Geld?“, so Picciero. „Denn ohne wertschaffende Anlagen frisst die – wenn auch geringe – Inflation mit der Zeit riesige Löcher in die Guthaben, die etwa als Tagesgeld- oder auf Sparkonten geparkt sind.“

Die Antwort, so zeigte sich in dem dann folgenden Gespräch zwischen Joachim Llambi und dem Anlageexperten Andreas Franik, sind Investitionen in Realwerte, in Anteile an Unternehmen der realen Wirtschaft – also kurz in Aktien. Diese Überzeugung ergibt sich, wie schnell klar wurde, aus der langjährigen Erfahrung der beiden Freunde: Llambi absolvierte eine Banklehre und war 25 Jahre lang Makler an den Börsen in Düsseldorf und Frankfurt, bevor er zum Fernsehen wechselte. Franik moderierte über Jahre beim Nachrichtensender n-tv die Börsenformate „Märkte am Morgen“ und Telebörse und ist Dozent an der Frankfurt School of Finance.

Das Gespräch drehte sich also weniger um das „Was“, als vielmehr um das „Wie“ der Anlagen. Und hier sah Joachim Llam­bi schon einige Probleme. „Aktienmärkte sind komplex, sie hängen ab von wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen bis hin zur Verbreitung des Coronavirus. Auch die angebotenen Anlageprodukte, Aktien, Fonds oder Derivate sind für den Nicht-Profi schwer oder gar nicht zu überblicken. Deshalb“, und hier wies der Ex-Azubi der Sparkasse Duisburg mit einem Lächeln auf die „Kaufbeurer Kollegen“ im Saal, „sollte man unbedingt professionelle Unterstützung und Beratung suchen. Denn nur so lassen sich die Ziele des Anlegers in Produkten und Zeitabläufen darstellen“.

Allgemein anerkannt ist diese Position in Deutschland allerdings beileibe nicht. „Nur 15 Prozent unserer Landsleute verfügen derzeit über Aktienanlagen“, informierte Andreas Franik. „Dieser geringe Anteil ist vor allem der Angst vor Verlusten, etwa bei Crashs wie dem der Lehman Bank 2008, geschuldet“, so seine Vermutung.

Grundsätze beachten

Das Risiko ist jedoch, da waren sich beide Experten einig, viel geringer als allgemein angenommen. Und es ist auch sehr viel leichter zu tragen als der sichere Verlust bei herkömmlichen Sparanlagen. Sie demonstrierten das an einer vom Deutschen Aktieninstitut erarbeiteten Übersicht, die zeigte, dass die Crashs in den Guthaben über einen längeren Zeitraum geringe Spuren hinterlassen haben. Bei richtiger Anlage würden stets sehr gute Renditen erreicht. „Voraussetzung dafür ist allerdings die Beachtung einiger Grundsätze“, erklärte ­Llambi. „Wichtig ist die richtige Streuung, etwa in Aktienfonds, aber auch in Immobilien oder vielleicht sogar in Edelmetalle oder Kryptowährungen, sowie die Gewährleistung der notwendigen Liquidität. Letztere kann dann gern auch über kurzfristige Sparanlagen erfolgen.“ Ein „Anlagen-Gebäude“, das auf diesen Säulen ruht, sei sehr stabil. Beim Aufbau helfen die Experten der Finanzinstitute – und sie unterstützen auch bei der Umsetzung eines weiteren wichtigen Punktes: Der Langfristigkeit. Denn bei „Otto Normalinvestor“ ginge es ja nicht um den schnellen Profit, sondern um den stabilen Aufbau einer soliden Vorsorge. Dabei stellten die Emotionen des unerfahrenen Anlegers oft eine Gefahr dar, etwa in Situationen, in denen auch einmal „Verluste zu verzeichnen sind. Profis sind da cooler – und behalten auf lange Sicht recht“, so Llambi.

Aber was hat das alles nun mit dem Tanzen zu tun? Joachim LLambi sieht da schon einige Parallelen. „Unser ,Let‘s Dance‘ gehört heute zu den fünf größten Shows in Deutschland. Wir sind sehr stabil. Dafür mussten wir aber auch Stehvermögen beweisen und Rückschläge wegstecken, etwa als ,der Wendler‘ bei uns 2016 einen einfach gruseligen Auftritt hinlegte“, erklärte er. „Zudem machen Tanzen und Geld verdienen an der Börse einfach Spaß. Letzteres sorgt zudem noch für mehr Interesse an Wirtschaft und Politik und erweitert den Horizont einmal wieder über das Smartphone hinaus.“ Außerdem gebe es oft angenehme Überraschungen wie etwa zusätzliche Dividenden. „Und es kann ja sogar sein, dass der Auftritt von Laura Müller (Lebensgefährtin von Michael Wendler, Anm. d. Red.) viel besser und angenehmer ausfällt, als ich derzeit erwarte“, so Llambi. „Wir werden das dann ab dem 21. Februar erfahren, wenn die neue Staffel von ,Let‘s Dance‘ startet. Und vielleicht werde ich auch selbst tanzen. Der derzeitigen Situation an den Börsen würde ein flotter Cha-Cha-Cha entsprechen. Mal sehen, wie sich das alles entwickelt“, sagte Llambi.

von Ingo Busch

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