Im Kino: Ungleiche Familienkonstellationen retten einem kleinen Spatz das Leben

Kinokritik: "Überflieger - Kleine Vögel, großes Geklapper"

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Die drei Überflieger: Wellensittich Kiki, Zwergeule Olga und der kleine freche Spatz Richard.

Jeder hat Eltern. Doch es müssen nicht immer die leiblichen Eltern sein, die einen großziehen, lieben, beschützen und während des Lebens begleiten. Manchmal sind es auch Fremde, die im Laufe der Zeit zu einer Familie heranwachsen. Toby Genkel und Reza Memari erzählen in ihrem herzerwärmenden und mit viel Liebe zum Detail ausstaffierten Animationsfilm „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ von zwei ungleichen Familienkonstellationen, die einem kleinen Spatz das Leben retten.

Inhalt

Nachdem ein Vogelnest von einem Marder überfallen wurde, bleibt ein einzelnes Ei zurück. Noch bevor der kleine Spatz Richard schlüpft, wird Storchendame Aurora auf das Ei aufmerksam. Liebevoll adoptiert sie Richard und zieht ihn wie ihr eigens Küken in ihrer Familie auf. Dass er selbst kein Storch ist, würde Richard niemals in den Sinn kommen. Erst als sich seine Zieh-Eltern und sein Bruder Max im Herbst auf den langen Flug ins warme Afrika machen, wird er mit der traurigen Wahrheit um seine Herkunft konfrontiert. Der Storchenvater Claudius traut Richard den langen Flug nicht zu. Und so beschließt er, dass der Spatz zurückbleiben muss. 

Traurig erwacht Richard eines Tages verlassen in seinem Nest. Doch anstatt Trübsal zu blasen und den Kopf in die Federn zu stecken, fasst er den Entschluss, ganz alleine seiner Familie nach Afrika zu folgen. Als er sich auf die Reise macht, lernt er Olga kennen, eine etwas zu groß geratene Zwergeule. Sie und ihr imaginärer Freund Oleg wollen Richard begleiten. Und auch die Zufallsbekanntschaft Kiki, ein selbstverliebter Karaoke-Wellensittich mit Höhenangst, schließt sich ihnen an. Die drei Überflieger wachsen über sich selbst hinaus und erleben gemeinsam ein turbu­lentes Abenteuer.

Rezension

Die Geschichte des kleinen Spatzen Richard, der von einer fremden Familie adoptiert wird, ist traurig und lustig zugleich. Die drei liebenswerten und schrägen Vögel Richard, Olga und Kiki nehmen vor allem die kleinen Zuschauer mit auf eine aufregende Reise, die von Norddeutschland nach Frankreich, über Italien bis nach Afrika führt. Regisseur Toby Genkel („Ooops! Die Arche ist Weg…“) und Co-Regisseur sowie Drehbuchautor Reza Memari, erzählen mit viel Humor ihre Geschichte über ungewöhnliche Familienkonstellationen.

Oberflächlich betrachtet ist der Film farbenfroh und dank seiner Vögel zauberhaft anzusehen. Doch blickt man tiefer, erkennt man verborgene Sinnebenen, die zum Nachdenken anregen und in manchen Momenten sogar zum Weinen animieren. Dennoch ist der Film keineswegs traurig, sondern verbreitet eine konstant positive Grundstimmung, die von den Gags getragen wird.

Dass die Vögel allesamt einen Vogel haben, trifft besonders auf die putzige Zwergeule Olga zu, die sich zum heimlichen Star des Films mausert. Auch sie wurde als Küken von ihren Eltern verlassen und befand sich einst in der gleichen Situation wie Richard. Aus der Not heraus hat sie ihren imaginären Freund Oleg erdacht, dank dem sie nie alleine war. Als sie Richard und Kiki kennenlernt, fühlt sie sich erstmals wie ein vollständiges Mitglied einer Familie, die in der Not zusammenhält. Auch Kiki, der in einer Bar zum Trällern gezwungen wurde, ist nicht ganz unbelastet. Seine traurige Vergangenheit verliert ebenfalls ihren faden Beigeschmack durch seine neuen Freunde. Die Thematik des Außenseiters, der sich als Held entpuppt und dank neuer Freunde Hürden überwinden kann, ist ebenso in die Handlung eingeflochten, wie die Suche nach der Familie. Das farbenfrohe Road-Movie ist amüsant in Szenen gesetzt und bezieht auch die Welt der Menschen mit ein.

Vom Look her kann der Film sich sehen lassen, auch wenn die technischen Raffinessen nicht mit Pixar zu vergleichen sind. Auf der Ebene des Humors haben sich die Macher aber einiges einfallen lassen, wie beispielsweise die Kommunikationsweise der hippen Tauben, die dem Mikro­blogging-Dienst Twitter aus einer bisher unbekannten Perspektive alle Ehre macht. „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ ist ein farbenfroher, lustiger und unterhaltsamer Film, bei dem kleine Zuschauer mitfiebern und auch Erwachsene ihren Spaß haben.

von Sandy Kolbuch

Zum Film:

Originaltitel: Richard the Stork

Land: USA, D, Luxemburg Norwegen

FSK: 0

Regisseur: Toby Genkel, Reza Memari

Sprecher: Tilman Döbler, Christian Gaul, Nicolette Krebitz, Marco Eßer u.a

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