Großes Interesse bei Unternehmen für Übernahme der Ausbildung an der TSLw 1

"Hoher internationaler Standard"

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Ein Schnäppchen: Das Gelände mit Unterkunftsgebäuden an der Apfeltranger Straße für Lehrgangsteilnehmer im Rahmen der Flugsicherungsausbildung würde bei einem Erwerb gerade mal 175 Euro pro Quadratmeter kosten.

Kaufbeuren – Wo wird künftig die Flugsicherungs-Ausbildung stattfinden – in Kaufbeuren oder Erndtebrück? Für eine Fortsetzung am bisherigen Standort Kaufbeuren wäre die Beteiligung eines entsprechenden Wirtschaftsunternehmens vonnöten. Erste Interessenten waren nun vor Ort.

Ein in dieser Größenordnung nicht unbedingt erwartetes Interesse an einer möglichen Übernahme der Flugsicherungsausbildung am Standort Kaufbeuren wurde jüngst durch die Anwesenheit gleich mehrerer großer Industrieunternehmen dokumentiert. Sie trafen sich auf Einladung der „Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbH“ (g.e.b.b.) und Vertretern des Kommando Luftwaffe im Offizierheim der Technischen Schule der Luftwaffe 1 (TSLw 1) des Fliegerhorstes (wir berichteten). Während der Veranstaltung konnten Fragen zur Leistungsbeschreibung gestellt sowie die Infrastruktur und die Ausbildung für die Flugsicherung besichtigt werden. 

„Die TSLw 1 hat einen sehr hohen internationalen Standard“, betonte Oberst im Generalstab (i. G.) Lutz Kohlhaus vom Kommando Luftwaffe im Hinblick auf die Vorgaben der Leistungsbeschreibung im Rahmen eines Pressegespräches. Dieser Standard müsse gehalten werden. Im Rahmen der Informationsveranstaltung stellte die g.e.b.b. zunächst die Eckpunkte des am 28. Januar gestarteten Interessenbekundungsverfahrens (IBV) vor. Noch bis zum 11. März können interessierte Firmen ihr grundsätzliches Interesse an der Übernahme der Flugsicherungsausbildung durch Abgabe eines Angebotes bekunden, das dann aber noch nicht verbindlich ist. Auch die Bundeswehr selbst will ein Angebot für die Leistungserbringung abgeben – allerdings für den Standort Erndtebrück. 

Hochkarätige Teilnehmer 

Beim Treffen mit den Unternehmen stellte die Luftwaffe in einem Vortrag die fachlichen Anforderungen der Leistungsbeschreibung in Bezug auf die Vorgaben, Ziele, Personal, Material und Rahmenbedingungen der Ausbildung sowie die Kosten für Investitionen und Erwerb des auf 20 Jahre angelegten Vorhabens (siehe Infokasten) dar. Eigens aus den USA angereist waren hochrangige Vertreter der Firma Raytheon, ein amerikanisches Luftfahrtunternehmen, das seit mehr als 75 Jahren weltweit eine führende Rolle im Bereich Trainings-Services einnimmt. Aber auch die DFS (Deutsche Flugsicherung) sowie die Firmen Rheinmetall als deutscher Rüstungs-Konzern und ESG (Elektroniksystem- und Logistik-GmbH) als einem der führenden System- und Software- häuser zählten laut Kohlhaus zu den ernsthaften Interessenten, welche die geforderte Ausbildungsleistung, gegebenenfalls auch mit Partnern, erbringen könnten. Unter den Teilnehmern befanden sich unter anderem Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), von „Invest in Bavaria“ und der bavAIRia e. V (siehe Kasten). Die Stadt Kaufbeuren war durch Bürgermeister Gerhard Bucher und Verwaltungsspitzen sowie MdL Bernhard Pohl, die Region durch den Konversionsmanager Axel Egermann von der Allgäu GmbH vertreten. Außerdem waren mehrere Unternehmensberatungen anwesend. 

Nächste Schritte 

Die g. e. b. b. vergleicht nun in einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung die eingehenden Angebote. Dieser Vorgang wieder- um wird in eine Bewertung münden, die als ministerielle Vorlage dient. Die Entscheidung des Verteidigungsministers Thomas de Maizière über den weiteren Verlauf, ob die Ausbildung unter militärischer Führung in Erndtebrück oder durch ein Wirtschaftsunternehmen in Kaufbeuren weiterläuft, wird für Mai dieses Jahres erwartet. Peter Köllmann seitens der g.e.b.b. stellte klar, dass im Falle der Entscheidung für eine Kooperation mit einem Unternehmen und der dann folgenden europaweiten Ausschreibung „nicht der billigste, sondern der wirtschaftlichste Anbieter“ den Zuschlag bekäme. „Die Qualität, also das Verhältnis von Preis und Leistung stehen im Vordergrund“, so Köllmann. Sollte keine vertragliche Kooperation für Kaufbeuren zustande kommen, hält die Bundeswehr am militärischen Standort Erndtebrück fest. Zu dem dort dann nötigen Investitionsvolumen werden aber derzeit keine Zahlen genannt.  von Wolfgang Becker


Info:  Hintergründe und Investitionskosten

Gesellschaften 

Invest in Bavaria 

Beim Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie angesiedeltes Referat. Invest in Bavaria betreibt neben der Akquise und Betreuung von Investoren auch Marketing für den Wirtschaftsstandort Bayern. 

bavAIRia e. V. 

Die Mitglieder des Vereins repräsentieren die gesamte Industrie- und Forschungsland- schaft des Freistaates Bayern. Die Vereinigung wurde von der Bayerischen Staatsregierung mit dem Management des Clusters Aerospace beauftragt, welches die bayerischen Kernkompetenzen in Luft- und Raumfahrt sowie Raumfahrtanwendungen identifizieren und stärker miteinander vernetzen soll. 

Leistungsbeschreibung (Auszug) 

Bedarf an Ausbildung pro Jahr (LT = Lehrgangsteilnehmer) 

• Regeneration: 11 verschiedene Lehrgänge mit 265 LT (inkl. Durchfallquote) 

• Fort- u. Weiterbildung: 9 verschiedene Lehrgänge mit 276 LT 

• Sonstige (mit externem bundeswehreigenem Personal): 3 verschiedene Lehrgänge mit 158 LT 

Kosten (Zusammenfassung) 

Investitionskosten (für Gebäudeumbau und -instandsetzung) 

• Gebäude für Ausbildung: 200.000 Euro 

• Gebäude für Unterkunft: 1.000.000 Euro Grundstückskosten (gesamt 19.600 qm) Die Kosten für die Grundstücke betragen gesamt 3.643.900 Euro 

•  Die Gesamtkosten für den Erwerb und die notwendigen Investitionen betragen somit 4.843.900 Euro. 

• Alternativ würden sich im Mietfall monatliche Kosten (Grundmiete) in Höhe von 38.500 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von 20 Jahren ergeben. 

• Die Kosten für die Übernahme der Simulationsumgebung und Computerausrüstung betragen 2017 rund 7,1 Mio. Euro.


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