Neuer Streit in Waal:

Bürger kontra Bürgermeister

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Für Waals Bürgermeister Alois Porzelius gibt es viele Gründe, die „Alte Schule“ aus den 1950er Jahren abzureißen und durch einen modernen, flexiblen, barrierefreien und energetisch hochwertigen Ersatzbau an gleicher Stelle zu ersetzen.

Waal – Die Bürger der Marktgemeinde proben gegenwärtig den Aufstand gegen ihr örtliches Establishment – den Bürgermeister und den Marktgemeinderat. Es ist erst ein paar Tage her, dass der Termin für den Bürgerentscheid zum Straßenausbau beschlossen wurde, da flatterte Rathauschef Alois Porzelius der nächste Bürgerprotest auf den Schreibtisch. Es waren 215 Unterschriften gegen den Abriss der „Alten Schule“, die durch einen Neubau ersetzt werden soll. So zumindest die Planungen der Verwaltung, die durch den Bürgerantrag jetzt erst einmal gestoppt sind.

Dem Argument von Porzelius, dass ein Neubau, weil auch mit staatlichen Zuschüssen versehen, viel billiger sei als eine Sanierung der „Alten Schule“, setzen die Protestler entgegen, hier würde ein Stück Waaler Zeitgeschichte mit hohem Erinnerungswert abgerissen. Die „Alte Schule“ sei zudem ein Kulturgut, schrieben die Unterzeichner an den Bürgermeister.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Bürgermeister Porzelius, eine Sanierung würde 1,3 Millionen Euro kosten. Das ist allerdings eine Schätzung, betonte der Rathauschef.

Ein Neubau, so die Kostenberechnung des Architekten Rohrmoser, kommt dagegen auf etwas mehr als eine Million Euro. Darin ist allerdings noch kein Keller enthalten. Den würde die Marktgemeinde gerne für ihre Schützen haben. Porzelius schätzt die Gesamtkosten des Gebäudes mit Keller auf 1,1 Millionen Euro.

Anders als bei einer Sanierung liegt für einen Neubau bereits einer Förderzusage aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) in Höhe von 455.200 Euro vor. Ob überhaupt eine Bezuschussung für die Altbausanierung möglich ist, konnte Porzelius nicht sagen. Die Chancen für einen Zuschuss seien nicht mehr so gut, weil die Fördertöpfe nicht so groß seien, schätzt Porzelius. Abgesehen davon würde es ein paar Jahre dauern, bis ein entsprechender Antrag durch sei.

Der Bürgermeister hat eine Reihe weiterer Sachargumente zur Hand, die seiner Ansicht nach für einen Neubau sprechen. Zum einen sind es die hohen Unterhaltskosten des Gebäudes. „Das Haus ist ein Energiefresser“, betonte er gegenüber unserer Zeitung. Außerdem sei die „Alte Schule“ ein „verbauter“ Altbau aus den 1950er Jahren. Das Wort Barrierefreiheit sei damals ein Fremdwort gewesen. Einem Umbau wären auch wegen der Statik enge Grenzen gesetzt.

Der „kommunale Ersatzbau der bisherigen Alten Schule“, wie das Konzept offiziell heißt, würde den Musikern, den Jugendlichen und den Schützen optimale Räumlichkeiten bieten. Darüber hinaus könnte die Gemeindebücherei, die bislang im Keller untergebracht ist, sich räumlich verbessern. Auch die örtliche VHS würde mit vernünftigen Räumlichkeiten ausgestattet. Der geplante Mehrzweckraum ließe sich flexibel für Veranstaltungen der Gemeinde, der Kirche, der Wasserwacht oder für andere Vereine nutzen. Im Obergeschoss soll eine „Stüble“ für gemütliche Treffen entstehen, so zumindest die Planung.

Für die Barrierefreiheit soll ein Fahrstuhl sorgen, der Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss verbindet. Auch eine Behindertentoilette ist vorgesehen.

Für Porzelius hat vor allem die Unterbringung der Schützen große Bedeutung. Nachdem die Waaler Schützen wegen des Umbaus der Gaststätte „Zur Post“ quasi obdachlos geworden sind, trainieren sie beim Nachbarverein in Emmenhausen. „Wir müssen den Waaler Schützen ein Domizil in Waal bieten, sonst könnte es passieren, dass sie langfristig in einem anderen Verein aufgehen“, plädierte Porzelius.

Derzeit prüft das Landratsamt die Rechtmäßigkeit des Bürgerbegehrens, bevor sich der Marktgemeinderat erneut damit beschäftigt.

von Siegfried Spörer

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