Urbanes Wohnen

Gablonzer Siedlungswerk schafft in Kaufbeuren Wohnraum für alle

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Versetzte Bauweise und ein dadurch entstandenes Wegenetz verbinden die farblich abgesetzten Gebäude. Rechts ein Tiefhof mit Zugang zur Tiefgarage.

Kaufbeuren – Das Gablonzer Siedlungswerk (GSW) in Neugablonz setzt neue Maßstäbe im Wohnungsbau. Dies zeigt sich insbesonders an dem knapp 28 Millionen teuren Bauvorhaben an der Reichenberger Straße in Neugablonz.

„Wir wollen sozial verantwortbaren Wohnraum anbieten zum Wohle der Bevölkerung in Neugablonz“, sagt Christian Sobl als geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft, die zwar derzeit nur vor Ort aktiv ist, laut Satzung aber durchaus eine Ausweitung des Geschäftsbetriebes möglich wäre. Die im Besitz der GSW befindlichen rund 18 Hektar eigener Grund und Boden seien der „Schlüssel zur Zukunft“, um weiter Entwickeln und Bauen zu können.

Das Thema Nachverdichtung zur Wohnraumgewinnung ist für Sobl – insbesondere unter ökologischen Gesichtspunkten – wichtig, vor allem durch die weiter anwachsende Einwohnerzahl Kaufbeurens. „Gehe ich auf die grüne Wiese oder baue ich urbane Strukturen auf?“, fragt der Geschäftsführer. Dies sei mit der Wohnanlage an der Reichenberger Straße hervorragend gelungen, da sie sich angemessen, aber auch sehr eigenständig in die Bestandsstrukturen einbindet und neue Identitäten schafft. Die gesamte barrierefreie Anlage besteht aus 111 Genossenschaftswohnungen mit 124 Tiefgaragenplätzen. In insgesamt acht Gebäuden entstehen Zwei-, Drei- und Vierzimmer Wohnungen mit Balkonen. Dazu gehören auch 14 Penthousewohnungen mit großen, hochwertig nutzbaren Dachterrassen und rollstuhlgerechte Wohnungen nach DIN-Norm.

Neue Wege

„Unsere Unternehmensphilosophie ist, bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen für Senioren, Familien, Paare, Alleinstehende, Menschen mit Behinderung und Studenten zu schaffen“, erläutert Sobl. Dazu gehöre auch die Schaffung einer Umgebung mit Begegnungsräumen, die soziale Kontakte erleichtere. Im Außenbereich sind die Blöcke daher mit einem Wegenetz mit viel Raum verbunden. Außerdem entsteht eine parkähnliche Anlage parallel zur Wohnanlage. In den Wohnblöcken selbst sind die Treppenhäuser hell und großzügig mit viel „Begegnungsfläche“ gestaltet. Die Miete für die Wohnungen von 54 bis 145 Quadratmeter Wohnfläche ist gestaffelt und liegt mit 8,30 Euro bis 9,40 Euro pro Quadratmeter im unteren Drittel der vergleichsweisen Ortsmieten. Alle Wohnungen sind qualitativ hochwertig und mit im Wohnbereich integrierter Loggia sowie Fußbodenheizung ausgestattet.

Neue Wege wurden auch bei der Heizung und beim Bau der Tiefgarage beschritten. Die Energie für Heizung und Warmwasser aller Wohnungen erfolgt zu 80 Prozent durch einen Eisspeicher in Kombination mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe und einem Solar-Luftabsorber. Den Rest liefert ein Blockheizkraftwerk.

Die aus allen Häusern erreichbare Tiefgarage erstreckt sich unter dem gesamten Areal und besitzt an zwei Seiten Ein- und Ausfahrten. Ein eigens abgetrennter Fuß- und Radweg sorgt für größtmögliche Sicherheit und drei sogenannte Tiefhöfe sorgen ohne jegliche Technik für die Belüftung sowie bei Tag für die Belichtung des Parkgeschosses.

Großer Bedarf

Der erste Bauabschnitt mit 52 Wohneinheiten wird am 1. Juni 2018 bezugsfertig und ist zu 70 Prozent vergeben. Dabei handele es sich mehrheitlich um auswärtige neu hinzuziehende Bürger erläuterte Sobl und sagte: „Auch Bad Wörishofen ist für uns ein Zubringer.“ Allein im Januar gab es 155 Bewerbungen von überwiegend neuen Interessenten aus München und Augsburg, dem Umland, aber auch deutschlandweit.

Doch neben jährlich durchschnittlich zwei Millionen Euro für Neubauten wird auch der Wohnungsbestand des GSW nicht vergessen, der mit rund einer Million Euro Sanierungskosten zu Buche schlägt. Zurzeit wird der sogenannte „Hypo-Block“ an der Hüttenstraße saniert und zusätzlich neuer Wohnraum in zwei Geschossen geschaffen.

Evolution im Wohnbau

Wie Christian Sobl erläuterte, sei die geschichtliche Entwicklung des Gablonzer Siedlungswerks nach 1945 auch an der Bauweise der Häuser zu erkennen. Die Vertriebenen fanden zuerst Unterschlupf in eingeschossigen Holzbaracken, dann in den bescheidenen zweigeschossigen „Papageien-Reihenhäusern“ und später in dreigeschossigen Bauten der 1950er Jahre. Nun gebe es mit dem Haus an der Sudetenstraße und dem Wohnpark bezüglich Ausstattung, Brand- und Schallschutz eine „vierte Stufe“.

von Wolfgang Becker

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