Quo vadis, Windkraft?

Verein „Apfeltrang windradfrei e.V.“ sieht mit Sorge auf die zukünftige Entwicklung

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Für Windkraftanlagen werden auch Schneisen in die Wälder geschlagen wie hier unweit der Rotmainquelle am Rande der Fränkischen Schweiz in Oberfranken.

Ostallgäu – Im Zeichen der öffentlichen Diskussion um den Klimawandel und Maßnahmen zur Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs, gerät auch der nahezu zum Erliegen gekommene Ausbau der Windkraft in Bayern wieder ins Visier. Der Verein „Apfeltrang windradfrei e.V.“ befürchtet nun, dass trotz bestehender Rechtsgrundlage gegen einen Bau von Windkraftanlagen (WKA) der Höhenrücken „Sattlers Buckl“ nahe Apfeltrang wieder in den Fokus geraten könnte. Zumal auch Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder bereits verlauten ließ, in den bayerischen Staatsforsten weitere WKA aufstellen lassen zu wollen.

Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte 2017 Baugenehmigungen des Landratsamtes Ostallgäu für drei WKA auf dem Höhenzug nahe Apfeltrang als rechtswidrig eingestuft und aufgehoben. Die Beschwerde der Betreiberfirma beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte ebenso wenig Erfolg wie in letzter Instanz beim Bundesverwaltungsgericht und meldete daraufhin Konkurs an. Eine von weit über 2.000 Bürgern aus Ruderatshofen, Marktoberdorf, Kaufbeuren und Umgebung eingereichte Petition an den Bayerischen Landtag war in der Folge vom zuständigen Ausschuss abgewiesen worden mit der Begründung, dass sich die Sache erledigt habe.

100 neue Windräder

„Apfeltrang ist weiterhin windradfrei. Noch.“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Obwohl für viele Milliarden Euro „Stromautobahnen“ vom windreichen Norden in den Süden gebaut würden, reiche der Strom nach Atom- und Kohleausstieg offenbar nicht, sodass auch im windschwachen Bayern wieder Pläne zur Errichtung von Windkraftanlagen von 200 Meter Gesamthöhe und mehr aus den Schubladen geholt werden könnten. Söder will jetzt 100 Windräder im bayerischen Staatsforst aufstellen lassen. „Ausgerechnet im Wald, der für die Speicherung des Klimagases Kohlendioxid doch so wichtig ist“, heißt es in der Vereinsmitteilung. Ein Hemmnis sei allerdings die sogenannte „10 H- Regelung“, wonach ein Windrad zur nächsten Wohnsiedlung einen Abstand einhalten muss, der dem zehnfachen seiner Gesamthöhe entspricht. Sie müsste fallen, um Windkraftinvestoren auch in Bayern wieder Tür und Tor zu öffnen.

Der Verein prangert an, dass neuerdings auch auf Bundes­ebene versucht werde, mit dem Argument der Klimarettung den Artenschutz zugunsten von WKA-Projekten auszuhebeln. So könnte wohl auch der Höhenzug südlich von Kaufbeu­ren bald wieder zum Spekulationsobjekt werden – obwohl das Landratsamt Ostallgäu festgestellt hat, dass er Lebensraum für streng geschützte Vogelarten ist und Windkraftanlagen dort nicht genehmigungsfähig sind. Mit Spannung wird daher das Ergebnis der für den Herbst von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger angekündigten Überprüfung der „10 H-Regelung“ erwartet.

von Wolfgang Becker

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