Quo vadis – Wundzentrum Allgäu?

Auch am Freitagnachmittag kommen die Patienten noch von weit her, um sich in der über die Grenzen des Ostallgäu hinaus bekannten Wundzentrum behandeln zu lassen. Foto: kpb

Nun ist es amtlich – das Krankenhaus Marktoberdorf wird geschlossen. Wie aber geht es weiter? Diese Frage interessiert vornehmlich die Patienten, die sich bislang im renommierten Wundzentrum Marktoberdorf gut aufgehoben gefühlt haben.

Freitagnachmittag, gegen 17 Uhr – die Wundambulanz ist immer noch gut besucht und hinterlässt den Eindruck, als sei nichts geschehen. „Teilweise bis 20 Uhr sind wir für unsere Patienten da“, erklärt Dr. Michaela Knestele, die Chefärztin im Marktoberdorfer Krankenhaus. Heute seien außerdem noch Gäste aus Spanien im Haus, die das Hospitationszentrum für Wundbehandlung zur Aus- und Weiterbildung nutzten. Sogar bis in die Türkei und nach Südostasien sei der gute Ruf des Wundzentrums gedrungen, erklärt Dr. Knestele. Bei den Besuchern und Hospitanten handele es sich dabei häufig um Personal aus Führungspositionen, die Sitz in den Entscheidungsgremien für die kostenintensive Wundbehandlung haben. „Es wird schwierig sein, eine derartige Einrichtung an anderer Stelle neu aufzubauen, denn mit ihrer Person allein ist es nicht getan“, betont die Chefärztin. Neben der notwendigen erst kürzlich geschaffenen Infrastruktur spielten das Pflegepersonal und die eingespielte Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten sowie den Pflegediensten eine sehr wichtige Rolle. „Rausgeschmissenes Geld“, sagt Erwin Waldvogel aus Marktoberdorf, der seinen Vater in die Wundambulanz begleitet hat. Er macht seinem Ärger über die Schließung weiter Luft und meint, dass das Krankenhaus nur geschlossen werde, „um den eigenen Bunker (gemeint ist wohl das Landratsamt) fertig zu stellen“. Leisere Töne schlägt Alfred Röger aus Peißenberg an, der, wie er sagt, hierher gekommen sei, weil die Ärzte in seinem Umfeld nicht mehr weiter wüssten. Hermann Tiedke aus Füssen habe sich für Marktoberdorf entschieden, „weil Frau Dr. Knestele einen so guten Ruf habe“, erklärt er. Auf die Frage, wohin er denn nach der Schließung des Krankenhauses Marktoberdorf gehen werde, sagte er, er wolle sehen, wo Dr. Knestele künftig praktizieren werde. Auf diesen Punkt angesprochen erwiderte Dr. Knestele, „ich werde auf keinen Fall, wie durch Kienbaum vorgeschlagen, nach Buchloe gehen“. Sie habe mehrere Angebote bekommen, sowohl aus dem Landkreis, als auch von außerhalb. Auf jeden Fall werde sie die nächsten Wochen nutzen, um für ihr Personal, ihre Patienten und für sich eine zufrieden stellende Lösung zu finden. Dass die Wundbehandlung in der Kreisstadt eine „etablierte Institution“ ist, mag man auch am jährlich stattfindenden Wundforum Marktoberdorf erkennen. Diese Veranstaltung sei mit 800 Teilnehmern die drittgrößte Veranstaltung ihrer Art in Deutschland, führt die Ärztin aus, und deutet auf ein Plakat, das die nächste Veranstaltung mit dem Thema „Aktuelle Aspekte der Behandlung chronischer Wunden“ für den 10. September 2011 ankündigt. Auf die Frage, ob sie von der Entscheidung des Verwaltungsrates überrascht worden sei, antwortet die Chefärztin, dass sie sich seit April mit einer möglichen Schließung auseinander gesetzt habe, nun sei sie aber doch enttäuscht, da es in den letzten Wochen in der Presse doch viele Hinweise auf den Erhalt der „Fünfhäusigkeit“ gegeben habe. Es täte ihr in der Seele weh, dass das, was hier mühsam aufgebaut worden sei, und dies beträfe auch die Handchirurgie, die Urologie, die Orthopädie und die Venenchirurgie, jetzt einfach aufgelöst werde.

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