ver.di kritisiert Kirchweihtal

Rund 3,5 Millionen Euro plus 900000 Euro Zinsen fordert die Regierung von Schwaben vom Kaufbeu-rer Verkehrsunternehmen Kirchweihtal zurück. Der Grund: Im Zeitraum von 2002 bis 2009 soll die Regierung zu hohe Zuschüsse an das Unternehmen gezahlt haben, weil möglicherweise zu viele Kilometer bei der Schülerbeförderung, die die Regierung bezuschusst, berechnet worden waren. Darüber hinaus brodelt es intern gewaltig bei Kirchweihtal. ver.di kritisiert in einem offenen Brief unter anderem „die Sozialkompetenz der Führungskräfte“ und die Vergabe von Fahrleistungen an Dritte.

Müsste Kirchweihtal die Summe zahlen, drohe dem Unternehmen die Insolvenz, sagte Kirchweihtal-Geschäftsführer Dirk Elies gegenüber den Medien. Inzwischen habe das Unternehmen Widerspruch gegen den Bescheid der Regierung eingelegt und damit erstmal eine Aufschiebung erwirkt. Laut Karl-Heinz Meyer, Sprecher der Regierung von Schwaben, ruhe aktuell das Verfahren. Ferner liege dem bayerischen Wirtschaftsministerium ein Vergleichsvorschlag vor, der geprüft werde. Massive Kritik Massive Kritik am Umgang mit Kirchweihtal-Mitarbeitern übt indes ver.di. In einem offenen Brief an die Muttergesellschaft, die Regionalbus Augsburg GmbH, kommt die große Sorge „um den inneren Zustand des Unternehmens“ zum Ausdruck. Wie Manfred Heeb, stellv. Geschäftsführer von ver.di in Kempten, in dem Schreiben mitteilt, werde ihm berichtet, dass langjährige Beschäftigte Tätigkeiten angewiesen würden, wie zum Beispiel das Kehren des Hofes, die in keinem inneren Zusammenhang mit der Busfahrertätigkeit stehen. „Auch der Umgangston der Geschäftsführung lässt häufig ein hohes Maß an sozialer Kompetenz vermissen und ist nicht geeignet, die notwendige Motivation zu fördern, die ein Unternehmen benötigt, um ‘Krisenzeiten’ zu überwinden“, erklärt Heeb. Darüber hinaus sollen laut ver.di „die Vergaben von Fahrleistungen an Dritte ein Ausmaß erreicht haben, das berechtigte Zweifel aufkommen lässt, ob die VG Kirchweihtal GmbH noch die Geschäfte in Eigenregie betreibt“. Eine Befragung ver.di’s im Unternehmen Kirchweihtal (40 von 55 Busfahrern haben sich an der Umfrage beteiligt) und bei Busnutzern habe zudem ergeben, dass sich 93 Prozent der Beschäftigte „ernsthaft Sorgen um den Fortbestand des Unternehmens machen. Sie attestieren, dass Kirchweihtal an Ansehen in der Öffentlichkeit verloren habe, dabei werden sie von 78 Prozent der Befragten Busnutzer unterstützt. Laut Heeb stimmten zudem 73 Prozent der Befragten dafür, dass die Stadt und der Landkreis Gesellschafter bei der VG Kirchweihtal GmbH werden sollten oder wollten, dass der ÖPNV von der Stadt Kaufbeuren und dem Landkreis Ostallgäu in eigener Verantwortung betrieben werden.“ Kein Handlungsbedarf Kaufbeurens Oberbürgermeister Bosse erklärte hierzu auf Anfrage des KREISBOTEN, dass dies zwar grundsätzlich möglich sei, im Moment aber nichts dafür spricht. So sei die Stadt und Kirchweihtal an langjährige Verträge gebunden. Diese könnten nur aufgehoben werden, wenn grobe Verstöße vorliegen. „Dafür haben wir aber keinen Anhaltspunkt“, betonte OB Bosse. Darüber hinaus existiere aktuell in Kaufbeuren keine Stimme im politischen Raum, die eine Forderung nach städtischer Verantwortung erhoben hätte. Dennoch beo-bachte die Stadt die Entwicklung um Kirchweihtal mit großem Interesse und auch mit Sorge, so der Rathauschef. Manfred Heeb hofft nun, dass durch den offenen Brief seitens der Regionalbus Augsburg GmbH eine Überprüfung der Beschwerden der Kirchweihtal-Mitarbeiter stattfindet. „Wir müssen zurück an einen Tisch und entsprechende Überlegungen entwickeln, wie das Betriebsklima wieder hergestellt werden kann“, betonte Heeb auf Anfrage. Kirchweihtal-Geschäftsführer Dirk Elies war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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