Gemeinschaftsgefühl als Motivation

Verein „Generation KF“: Junge Leute drängen in den Kaufbeurer Stadtrat

+
Die „Generation KF“: Mirjam Mähler (Beisitzerin, vorne v. li.), Lisa Sagner (Beisitzerin), Julia Bosse (2. Vorsitzende), Hannah Rieger (Vorstand) sowie Jonathan Posselt (1. Vorsitzender, hinten v. li.), Moritz Lill (Beisitzer), Sebastian Stöcker, Maximilian Nocker (Beisitzer), Tobias Würfel (Beisitzer), Klaus Burtscher und Aaron Burkhardt.

Kaufbeuren – 365 Tage im Jahr Tänzelfest und damit das Gemeinschaftsgefühl „Wir sind Kaufbeurer, mit der Stadt verwurzelt, hier haben wir Spaß und hier leben wir gerne“ – das wär‘s doch! Aus genau diesem Grundgedanken, auch an den übrigen 353 Tagen des Jahres eine Gemeinschaft zu sein bzw. zu werden, riefen ein Dutzend junger Leute während des diesjährigen Tänzelfests den Verein „Generation KF“ ins Leben.

Zusammengefunden haben sich mittlerweile um die 30 junge Menschen – Schüler, Studenten und Berufstätige –, mit dem Ziel, Kaufbeuren für alle Generationen attraktiv zu machen. Dass sie es ernst meinen, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sie auch für den Stadtrat kandidieren wollen, wie vier Mitglieder des Vorstands im Redaktionsgespräch dem Kreisbote erzählten.

„Wir lieben unsere Stadt!“ Jonathan Posselt, Hannah Rieger, Mirjam Mähler und Tobias Würfel sehen Kaufbeuren als ihren „Hauptlebensmittelpunkt“, auch wenn sie nicht mehr alle hier wohnen. Schließlich sind ihre Familien und Freunde hier und ihr Ziel ist es, nach dem Studium oder Berufseinstieg wieder nach Kaufbeuren zurückzukehren. Doch dafür muss die Stadt den jungen Leuten etwas bieten, in kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Und dazu wollen die Mitglieder von „Generation KF“, die allesamt unter 30 Jahre alt sind, ihre eigenen Ideen einbringen. Das erklärte Ziel ist es, vor allem auch für junge Leute den Anreiz zu schaffen, (wieder) nach Kaufbeuren zu ziehen. Doch sie wollen sich nicht nur auf die junge Generation versteifen, sondern vielmehr „alle mitnehmen“, betonte Würfel.

Frischer Wind

Außer Frage steht für die vier jedoch, dass der momentane Kaufbeurer Stadtrat „zu alt“ ist. „Die junge Generation ist völlig unterrepräsentiert“, brachte Würfel es auf den Punkt. Was liegt da näher, als selbst in den Stadtrat einzuziehen? „Wir wollen frischen Wind reinbringen“, sagte Rieger. Am 12. Oktober ist ihre Aufstellungsveranstaltung. Danach müssen mindestens 215 Kaufbeurer Wahlberechtigte für die Liste im Bürgerbüro unterschreiben, damit der Verein für die Kommunalwahl im März nächsten Jahres zugelassen wird. „Diese Zahl erreichen wir locker“, zeigte sich der erste Vorsitzende Posselt zuversichtlich. Weil sie sich nicht in eine politische Ecke drängen lassen wollen, treten sie als Verein parteilos an und „frei von Vorgaben“. „Wir sind jung und bringen mit unseren fundierten Ausbildungen Kompetenzen auf diversen Feldern mit“, sagte Posselt selbstbewusst. Dennoch bräuchten sie auch die „etablierten Stadträte und deren Erfahrung“, um Kaufbeuren gemeinsam voranzubringen. „Die Zusammenarbeit zwischen jung und alt ist uns wichtig“, fügte Mähler, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, an. Natürlich gebe es Dinge, über die sie nicht wirklich Bescheid wüssten, gestand Rieger ein, „aber wir sind interessiert“. „Es gehört ja auch in unserem Alltag im Studium oder Beruf dazu, mit neuen Sachen konfrontiert zu werden. Wir können uns flexibel in neue Situationen hinein finden“, fügte Würfel hinzu. „Jeder bringt seine Erfahrung und sein Wissen ein“, erklärte Mähler. Alle vier bestätigten, dass sie schonmal eine Stadtratssitzung besucht hätten – abgeschreckt hat diese Erfahrung die jungen Leute offensichtlich nicht. Und dass einige derzeit nicht in Kaufbeuren leben, sondern etwa in München oder Würzburg, lassen sie nicht als Argument gelten, sie hätten möglicherweise keine Zeit für die Stadtrats- und Ausschusssitzungen. „Stephan Stracke ist ja als Bundestagsabgeordneter schließlich meistens in Berlin und findet dennoch Zeit für Sitzungen in Kaufbeuren“, so Würfel. „Mit dem Zug sind wir super an Kaufbeuren angebunden.“

Zweite Vorsitzende des Vereins ist Politikstudentin Julia Bosse, Tochter von Oberbürgermeister Stefan Bosse. Dieser habe sich laut Mähler „offen gegenüber dem Verein gezeigt“. Und wer sei besser in der Lage, die Vereinsmitglieder über die Stadt­entwicklung der letzten Jahre zu unterrichten? Mit ihm und auch anderen Stadträten hätten sie bereits einige Gespräche geführt, sich aber auch im Internet mit Ratgebern über Kommunalpolitik schlau gemacht.

Dass sie sich für die Stadt engagieren möchten, steht also außer Frage, doch wo setzen sie ihre politischen Schwerpunkte? Richtig mit der Sprache rausrücken wollten die vier noch nicht. „Wir haben innovative Ideen, doch die müssen noch ausgearbeitet werden“, sagte Posselt. Um der Gefahr zu entgehen, als jung und daher naiv rüberzukommen, ist es ihnen wichtig, dass ihre Konzepte durchdacht sind und alle Mitglieder dahinter stehen. Um das zu erreichen, tauschen sie sich regelmäßig via Videokonferenz in Online-Meetings aus, „damit wir herausfinden, wofür wir stehen“, so Rieger.

Mit ihrer Internetseite www.generation-kf.de sowie einem Facebook- und Instagram-Account sind sie seit Donnerstag auch online vertreten. Interessierte könne sich über diese Kanäle über die Inhalte informieren.

von Martina Staudinger

Auch interessant

Meistgelesen

Auffahrunfall zwischen Pforzen und Schlingen: Autofahrerin schwer verletzt
Auffahrunfall zwischen Pforzen und Schlingen: Autofahrerin schwer verletzt
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Kripo Kaufbeuren fahndet mit Phantombild nach Enkeltrickbetrüger
Kripo Kaufbeuren fahndet mit Phantombild nach Enkeltrickbetrüger
Freie Wähler schicken Bernadette Glückmann ins Rennen um OB-Wahl
Freie Wähler schicken Bernadette Glückmann ins Rennen um OB-Wahl

Kommentare