Förderung auf dem Prüfstand

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Die Jugendförderung der städtischen Vereine bleibt unangetastet. Allerdings soll der Investitionszuschuss künftig individuell bemessen werden auf bis zu 25 Prozent der Baukosten (hier Talentförderung am DFB-Stützpunkt Marktoberdorf).

Marktoberdorf – Die Vereine seien wesentliche Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenlebens, lobte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in der jüngsten Stadtratssitzung. Und er würdigte das Engagement der Ehrenamtlichen in Sport- und Musikvereinen vor allem in der Jugendarbeit. Bei dem, was danach folgte, fühlte sich dann aber auch das Stadtoberhaupt sichtlich unwohl. Denn er eröffnete die Diskussion um eine Kürzung der städtischen Vereinsförderung, eine freiwillige Leistung der Stadt, die – wie aktuell alle Ausgaben – ins Visier der Haushaltskonsolidierung gerückt war.

In drei nicht öffentlichen Workshops hatten die Stadträte darüber beratschlagt, wie das steigende Defizit der Stadt in den Griff zu bekommen sei. Von dort stammte auch der Vorschlag, eine verbindliche Vorgehensweise anzugehen, wie städtische Vereine in Zukunft bezuschusst werden.

Bis zu 25 Prozent

Bisher erhielten Marktoberdorfer Vereine, die ein Bauvorhaben (wie den Bau eines Vereinsheims) planten, einen städtischen Zuschuss von pauschal 25 Prozent der Baukosten. Der Stadtrat beschloss nun mehrheitlich, diese pauschale Regelung zu kippen. Ab sofort soll die Zuschusshöhe je nach Bedeutung des Vereins für das gemeindliche Leben individuell bemessen werden – auf höchstens 25 Prozent. Das heißt, nicht mehr jeder Verein kann bei der Finanzierung größerer Investitionen mit dem kompletten Zuschuss der Stadt rechnen. Es heißt aber auch, dass sich der Stadtrat künftig Auge in Auge mit den jeweiligen Vereinsvorsitzenden jedes Bauprojekt einzeln vornehmen muss. Kriterien sollen demnach unter anderem die Zahl der Mitglieder, die Jugendarbeit, die Wirkung auf die breite Bevölkerung und der Beitrag zum gemeindlichen Leben und der Stadtentwicklung sein.

Die Stadt hofft nun auf eine gezielte und wirksame Förderung. Und eine gerechte. Bisher war es nämlich egal, ob ein Verein 50 oder 1000 Mitglieder zählte. Und ein Marktoberdorfer Golfverein (sollte es einen solchen je geben) hätte für den Bau von Anlage und Clubheim ebenfalls einen Zuschuss von 25 Prozent beantragen können. Ein Szenario, das dem Bürgermeister offenkundig Sorgen bereitet hatte. Ebenso wie die Vorstellung, dass sich Gruppen von bestehenden Vereinen abspalten und Konkurrenzstrukuren aufbauen könnten. Mit einer individuellen Betrachtung des Investitionszuschusses solle nun eine Kalkulationsgrundlage und Planungssicherheit für den städtischen Haushalt sowie für die Vereine geschaffen werden, wie Hell erklärte.

Vielfalt der Vereine gefährdet?

Stadtrat Werner Moll (Stadtteile aktiv) gefiel die „überschnell“ gefällte Entscheidung indes nicht. Er plädierte dafür, zunächst die Vereinsbefragung abzuwarten und dann an der Kostenschraube zu drehen. „Die Ehrenamtlichen verlassen sich auf die Zuschüsse von der Stadt“, argumentierte er. So ließe sich die Vielfalt der Vereine nicht erhalten.

Denn auch der Betriebskostenzuschuss für die Vereinsheime soll laut Stadtratsbeschluss gesenkt werden – von bisher 50 auf 45 Prozent. Mit eher lauem Ergebnis für die Stadtkasse: Sie profitiert davon mit rund 2000 Euro jährlich. „Das lohnt ja kaum den Verwaltungsaufwand,“ bemängelte Peter Grotz (Freie Wähler). Stadträte aus der CSU, wie Eugen Kögel, Veronika Diepolder und Thorsten Krebs hielten die Anpassung der Vereinsförderung für angemessen.

Jugendförderung bleibt

Unangetastet bleibt auch in Zukunft die Jugendförderung von neun Euro pro Mitglieds-Kind sowie die Vereins­pauschale (die so genannte „Übungsleiterpauschale“). An der Frage, ob die Jugendförderung auf Marktoberdorfer Kinder begrenzt werde, entspann sich weiterer Diskussionsbedarf. Weil jedoch mancher Fußballverein, gerade in den Ortsteilen, nur mit Unterstützung aus den umliegenden Gemeinden existieren könne, beließen es die Stadträte bei der bisherigen Unterstützung. „Zu einer Fußballmannschaft gehören nun einmal elf Spieler“, sagte Meinrad Seelos (Stadtteile aktiv). „Und sie alle sind ein Team.“

von Angelika Hirschberg

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