Not-Erstaufnahme

Zwischenstation Kaufbeuren

+
Mit Disziplin und Ruhe nahmen Kinder und Erwachsene ihre Verpflegung in Empfang.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Mit der Not-Erstaufnahme von Asylbewerbern haben der Landkreis Ostallgäu und die Stadt Kaufbeuren am vergangenen Wochenende gemeinsam einen ersten Schritt bei der Zuweisung von 275 Flüchtlingen durch den Freistaat unternommen.

In Marktoberdorf  und Kaufbeuren wurden jeweils etwa die Hälfte der Ankömmlinge in Turnhallen untergebracht, die für eine derartige Maßnahme vorbereitet worden waren. Bis zum Eintreffen am Samstag waren den Behörden laut Kaufbeurer Justiziar Thomas Zeh weder Nationalitäten oder Altersgruppen noch Geschlecht oder Familienstatus der Menschen bekannt. Die Flüchtlinge werden von hier aus in andere Regionen verteilt. 

Am Samstagnachmittag erreichten 105 Flüchtlinge die zur Not-Erstaufnahme vorbereitete Schrader-Turnhalle in Kaufbeuren, wie Markus Rieder vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Kaufbeuren als vor Ort zuständiger Leiter berichtete. Es handelt sich um etwa 80 Personen aus Syrien, die weiteren Flüchtlinge stammen hauptsächlich aus Afghanistan, daneben aus Pakistan, Israel und dem Irak. Der Anteil der kleinen Kinder ist mit etwa 30 dabei sehr hoch, wobei sie immer in der Obhut von mindestens einem Elternteil sind. 

„Wir benötigen dringend Dolmetscher“, so Zeh, „denn nur wenige können etwas Englisch.“ Schon länger in der Region anerkannte Flüchtlinge sind bereits unterstützend tätig. So Abdulrahman Alhasan aus Marktoberdorf, der seit einem Jahr dort lebt und in dieser Zeit bereits gut Deutsch gelernt hat. „Ich habe am Samstag und Sonntag hier gerne geholfen“, so der fast 18-jährige Syrer, der derzeit die Berufsschule besucht und einmal einen handwerklichen Beruf erlernen möchte. 

Bestens vorbereitet 

Das BRK war bestens vorbereitet. Rieder hatte mit einem Team von 30 Helfern nicht nur die Schrader-Sporthalle bestmöglich mit Matratzen, Tischen und Sitzgelegenheiten ausgestattet. Eine entsprechende Essenausgabe war eingerichtet und Speisepläne sowie Hinweise in mehreren Sprachen waren angebracht. 

Doch eine Einrichtung erwies sich als besonders wichtig: ein im Außenbereich stationierter Anhänger mit jeweils zwei Waschmaschinen und Wäschetrocknern. Bei der Unterstützung im Umgang mit der Technik machte sich Katharina Auer vom BRK dann als „Wäschefee“ einen Namen. „Die Ankömmlinge hatten dringend den Wunsch, aus ihrer Kleidung rauszukommen, zu duschen und frische Wäsche anzuziehen“, berichtete Rieder. Die vielen Kinder nahmen die zur Begrüßung verteilten Kuscheltiere mit großer Freude entgegen. 

Große Dankbarkeit 

Die Verpflegung ist mit Rücksicht auf den kulturellen Hintergrund gestaltet. Neben den Hauptmahlzeiten stehen zusätzlich ständig Getränke und Obst bereit. Als günstig hatte sich auch erwiesen, dass viele Möglichkeiten zum Aufladen von Mobilfunkgeräten vorhanden waren. Dadurch waren die Ankömmlinge in der Lage, mit Angehörigen in der Heimat oder auch in Deutschland Kontakt aufzunehmen. „Es gibt keinerlei Probleme oder Beschwerden“, erläutert Rechtsreferendar Zeh, „aber wir verspüren eine große Dankbarkeit, die sich in den Gesten der Flüchtlinge widerspiegelt.“ 

Eine Woche ist geplant 

Auch der zweite Kaufbeurer Bürgermeister Gerhard Bucher machte sich an beiden Tagen ein Bild von der Situation der hilfsbedürftigen Menschen, die in Kaufbeuren angekommen sind. „Wir müssen und werden alles Menschenmögliche tun, um den Leuten den Aufenthalt zu erleichtern“, so Bucher. Geplant ist ein Aufenthalt von etwa einer Woche. Dann erfolgt die Verteilung innerhalb Bayerns oder auf andere Bundesländer.

von Wolfgang Becker

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Frauen in der Leitungsebene
Frauen in der Leitungsebene

Kommentare