Zentrum wird weiter aufgewertet

Verkehr im Fokus der Bürgerversammlung Neugablonz

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An dieser Kreuzung könnte aus verkehrstechnischen Gründen zukünftig die bisher mit Blumen gestaltete Insel wegfallen.

Kaufbeuren-Neugablonz – Große Probleme gibt es in Neugablonz offensichtlich nicht. Im größten Kaufbeurer Stadtteil drehte es sich bei der Bürgerversammlung im Wesentlichen um den Fahrzeugverkehr. Aber auch der Winterdienst und das nur in Teilen verfügbare Radwegenetz sowie fehlende Kindertagesplätze kamen zur Sprache. Alles in allem durchaus Themen, derer man sich annehme, wobei nicht alles auf einmal umgesetzt werden könne, so Oberbürgermeister Stefan Bosse, der auch einen Sachstand über aktuelle Themen und Projekte der Stadt gab.

Gleich zu Beginn der Versammlung im Gablonzer Haus mit rund 50 Besuchern konnte die Stadtspitze Neuigkeiten mit Blick auf den Versammlungsraum verkünden. Der große Saal mit seiner Glasfront zur Neubaugasse sei bereits für dieses Jahr als Sanierung beauftragt, so der OB. Die Fenster seien „energetisch und akustisch eine Katastrophe“ und hätten in der Vergangenheit keine musikalischen Abendveranstaltungen mehr zugelassen. Auch das Haus selbst mit seiner neuen Fassade und der Erweiterung des Isergebirgsmuseums werde zum „Glanzpunkt“. Geplant ist ebenfalls bis etwa 2021, den Bürgerplatz mit Beteiligung der Stadteilbewohner neu zu gestalten.

Wohnungsbau hat Auswirkungen

„Die Einwohner in Kaufbeuren verzeichnen jährlich einen Zuwachs um rund 400 auf aktuell 46.000 Einwohner nicht nur aus dem Umland, sondern auch durch Arbeitsmigration aus Osteuropa“, berichtete der Rathauschef. „Dadurch entstehen auch in Neugablonz derzeit beispielsweise durch das Gablonzer Siedlungswerk (GSW) und private Bauträger viele neue Wohnungen, was hier besonders zu fehlenden Kindertages- und Schulplätzen führt.“ Das sei schwierig abzuschätzen und man arbeite mit Hochdruck daran. In Planung sei das „Kinderhaus Grünwalder Straße“, und am Kindergarten „Guter Hirte“ sowie in früheren Gewerberäumen des GSW in der Hüttenstraße stünden Erweiterungen an. Auch ein Waldkindergarten – wie bereits in Oberbeuren vorhanden – soll entstehen.

Kommunale Beteiligungen

Der OB hatte weitere durchwegs gute Nachrichten im Gepäck. Er erläuterte die wirtschaftliche Situation von Sparkasse, Klinikverbund und VWEW, an denen die Stadt beteiligt ist. Der Betrieb der Kliniken in Kaufbeuren, Füssen und Buchloe sei aktuell auf ein Defizit von 1,6 Millionen Euro geschrumpft und entwickle sich weiter nach unten. Das geplante Parkhaus mit etwa 300 Stellplätzen am Kaufbeurer Haus soll bereits vor dem Winter nutzbar sein. Für Fusionierungen gebe es derzeit keinen Bedarf, aber möglicherweise eine Zusammenarbeit mit dem Augsburger Klinikum. Die Sparkasse Kaufbeuren-Ostallgäu, an der Stadt und Landkreis wie beim Klinikum jeweils zur Hälfte beteiligt sind, stehen ebenfalls im Vergleich der in Bayern 70 Sparkassen trotz ihrer kleineren Größe im „Mittelfeld“, was ebenfalls keinen Fusionsgedanken aufkommen lasse. Anders stelle sich die Situation beim regionalen Energieversorger VWEW dar. „Das Unternehmen ist kerngesund und in Summe geht es uns gut“, so Bosse, „aber es wird schwerer.“ Daher werde man die vor fünf Jahren begonnene Suche nach einem möglichen Kooperationspartner auch in Zukunft fortsetzen.

Fragen der Bürger

Mit der Radwegsituation sind die Neugablonzer Bürger sehr unzufrieden. Dafür zeigte der OB volles Verständnis und sagte: „Das Radwegenetz in der Stadt ist nicht perfekt. Wir bemühen uns, dass die Angebote besser und sicherer werden.“ Man habe völlig unterschiedliche Situationen in der Stadt, die immer durch den jeweils aktuellen Stand beim Straßenausbau entstanden seien. Laut Bosse und Baureferent Helge Carl soll ein bereits in Auftrag gegebenes Radwegekonzept alle Defizite und mögliche Abhilfe aufzeigen. Die Hüttenstraße ist für 2020 geplant. Die Sudetenstraße könnte nach den Vorstellungen des OB Thema für einen sogenannten Radschnellweg sein. Die Neugablonzer Straße mit ihren Absenkungen im Radweg müsste man als Verbindung eigentlich komplett neu machen, das wäre ein „Millionenobjekt“.

Die Kreuzungen sowohl am Reifträgerweg/Wiesenstraße als auch an Gewerbe-/Gürtlerstraße sind nach Ansicht von Bürgern schlecht einsehbar und stellen Gefahrenpunkte dar. Ob im ersten Fall ein gewünschter Spiegel Sinn macht, wird ebenso geprüft wie gegebenenfalls die Entfernung der bepflanzten Insel an der Gürtlerstraße. Auch der Ampelumlauf an der Kreuzung Neugablonzer und Liegnitzer Straße soll nochmals untersucht werden.

Ein Bürger beschwerte sich, dass in seinem Wohngebiet mit vielen Anwohnern im Winter überhaupt nicht geräumt worden sei. Dazu sagte der Baureferent, dass es im Winterdienst bei starkem Schneefall klare Prioritäten gebe, beispielsweise für Klinikum, Straßen im ­ÖPNV, Hauptstraßen und Zufahrten zu Kindergärten und Schulen, „denn die Sicherheit der Bürger hat Vorrang“.

Bahnhalte und Bahnhof

Die geplanten Bahnhaltestellen im Haken und in Leinau sollen bis Dezember 2023 von der Deutschen Bahn umgesetzt werden, so der OB auf Anfrage. Er ging aber auch auf den Kaufbeurer Bahnhof ein, den die Bahn inzwischen „aufgegeben hat“ und für den vier verschiedene Gesellschaften zuständig sind. Die Stadt möchte ihn erwerben, „doch wir müssen wissen, was wir wollen“, so Carl bezüglich Flächen und möglicher Förderungen. „Das dauert und geht nicht schnell, heuer eher nicht“, so der Referent. „Am Besten wäre ein privater Investor wie in Füssen oder Marktoberdorf“, sagte Bosse, der auch hofft, dass Kaufbeuren bezüglich der Barrierefreiheit 2023 in ein neues Förderprogramm des Bundes aufgenommen werden könnte.

von Wolfgang Becker

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