Sorgen der Bürger

Bürgerversammlung im Modeon: Verkehr, Tauben und der ÖPNV

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Viele Fragen, fast nur ein Thema: die Verkehrsbelastung an neuralgischen Punkten im Süden und Norden der Stadt.

Marktoberdorf – Vor rund 100 Bürgern und einem lose besetzten Modeon stellten sich Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und die Stadtverwaltung den Fragen und der Kritik der Marktoberdorfer. Nach einem ausführlichen Rückblick über die Aktivitäten der Stadt im vergangenen Jahr und einem Ausblick auf neue Investitionen und anstehende Projekte waren es vor allem Verkehrsprobleme, die den Bürgern im Süden wie im Norden der Kernstadt am Herzen lagen. Der Bürgermeister warb vor allem für Toleranz.

Zeit, dass etwas unternommen werde

Eine Anwohnerin der südlichen Meichelbeckstraße beklagte das hohe Verkehrsaufkommen und forderte Flüsterasphalt in ihrer Straße. „Überall wird gebaut, und bei uns fährt alles vorbei“, sagte sie und fügte die Frage an: „Für Bertoldshofen baut man einen Tunnel, was aber tun Sie für uns?“ Bürgermeister Hell und die Leiterin des Tiefbauamts, Mareile Hertle, lehnten Flüsterasphalt als zu teuer im Unterhalt und unwirksam in der Lärmdämmung ab. Dieser werde aktuell nur noch auf Autobahnen verbaut, legte die Bauingenieurin dar. Hell versprach jedoch, in nächster Zukunft eine Geschwindigkeitsmesstafel in der Meichelbeckstraße aufstellen zu lassen.

Auch im Norden seien zu viele Autos zu laut und mitunter zu schnell unterwegs, beschwerten sich zwei Anwohner aus dem Moos und der Ennenhofener Straße. Mit den kleinsten (grünen) Säcken, aber den größten Autos fahre ganz Marktoberdorf zum Wertstoffhof, brachte eine Bürgerin vor und forderte eine weitere zentrale Abgabestelle. Bürgermeister Hell verwies darauf, dass Abfallentsorgung eine Aufgabe des Landkreises sei und dieser aktuell die Umstellung auf eine dezentrale Entsorgung per gelber Tonne plane. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht. Ein Anwohner der Ennenhofener Straße wünschte sich außerdem mehr Geschwindigkeitskontrollen und eine langfristige Lösung für die Verkehrsberuhigung in seiner Straße. In letzter Zeit allein seien drei Katzen überfahren worden, sagte er. Hell nannte die Forderung als nachvollziehbar und kündigte an, die Situation in der Ennenhofener Straße erneut anlässlich der regelmäßigen Verkehrsschauen zu überprüfen.

Städtische Buslinie zu teuer

Zwei Schüler, die im Namen der Bewegung „Fridays for Future“ sprachen, machten sich für mehr Klimaschutz und den Ausbau des ÖPNV in der Kreisstadt stark. Der Rathauschef erklärte, dass eine städtische Buslinie die Stadt jährlich rund eine Million Euro kosten würde. Zu teuer für die ohnehin hoch verschuldete Stadt. Hell setze sich für eine landkreisweite Lösung in Sachen ÖPNV und das Flexibus-Konzept ein. Das größte Problem sei jedoch, die Bürger für die Nutzung von Bus und Bahn zu motivieren, so der Bürgermeister.

Am Lärm gurrender Tauben störte sich ein Anwohner aus dem Norden, der sich für ein Fütterungsverbot aussprach. Das sei möglich, aber kaum zu kontrollieren, antwortete Carolin Beylschmidt, die Leiterin des Ordnungsamts. Derselbe Bürger wies auf die Unfallgefahr an der Kreuzung Nord- und Gewerbestraße hin, wo Radfahrer ohne Bedacht die Straße überquerten. Hier appellierte der Bürgermeister an die Einsicht.

Ein junger Marktoberdorfer fragte an, öffentliche Stadtratsbeschlüsse und den städtischen Etat online allen Bürgern zugänglich zu machen – im Sinne der Barrierefreiheit. Bisher können solche öffentlichen Dokumente lediglich im Rathaus zur Einsicht angefordert werden. Die Stadt plant nun, die Onlineverfügbarkeit zu prüfen.

von Angelika Hirschberg

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