970 Verkehrsunfälle

Verkehrsbilanz 2020 der Polizei Marktoberdorf: Weniger Unfälle, aber tragische Unglücke

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Ein 30-jähriger Sportwagenfahrer kollidierte im Mai 2020 am Hochwieswald mit einem entgegenkommenden Fahrzeug und starb noch an der Unfallstelle. Dies war einer von drei tödlichen Unfällen im vergangenen Jahr in und um Marktoberdorf, wie die Polizei jüngst bilanzierte.

Marktoberdorf – 970 Verkehrsunfälle registrierte die Polizei-Inspektion (PI) Marktober­dorf für ihren Dienstbereich im vergangenen Jahr. Das sind deutlich weniger als noch 2019 mit 1124 Unfällen und entspricht damit dem Trend für ganz Bayern. Auch landesweit sank die Zahl der Unfälle um rund 17 Prozent auf 345.411 Verkehrsunfälle. Die bayerische Polizei begründet den Rückgang mit einem insgesamt geringeren Verkehrsaufkommen durch die Corona-Pandemie. Am vergangenen Dienstag stellten Helmut Maucher, Dienststellenleiter der PI Markt­oberdorf, sein Stellvertreter Bernd Stapfner und der örtliche Verkehrssicherheitsbeauftragte Rudolf Stiening die Unfallbilanz 2020 vor.

Zu oft zu schnell

Zwar gab es in und um Markt­oberdorf weniger Unfälle, dennoch stieg die Zahl der Unfalltoten von zwei (2019) auf drei. Unfallursache war bei allen drei Unfällen mit Todesfolge überhöhte Geschwindigkeit.

Der erste tödliche Unfall ereignete sich im Januar 2020 im Sachsenrieder Forst zwischen Ingenried und Bidingen, als eine Autofahrerin aufgrund von Schneeglätte und nicht angepasster Geschwindigkeit die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und gegen einen Baum prallte. Dabei kam ihre Mitfahrerin, die zudem nicht angeschnallt war, ums Leben. Im Mai verunfallte ein Corvette-Fahrer tödlich zwischen Rieder und Marktoberdorf in Höhe des Hochwies-Parkplatzes. Zu schnell unterwegs, prallte er in ein entgegenkommendes Fahrzeug. Der Mann verstarb noch an der Unfallstelle, die Fahrerin des beteiligten Autos starb zwei Monate später tragisch an den Folgen des Unfalls. Ihr Tod wird von der Statistik allerdings nicht als Verkehrsunfalltod erfasst. Ein noch unerfahrener Autofahrer kam im November 2020 bei Regen in der Lobachsenke bei Leuterschach mit seinem Fahrzeug ins Schleudern und krachte in ein entgegenkommendes Auto. Dessen Fahrer, ein 59-Mann, verstarb ebenfalls an der Unglücksstelle.

Zu hohes und nicht angepasstes Tempo war überdies bei insgesamt 61 Unfällen die hauptsächliche Unfallursache. Auch die Zahl der Unfälle, bei der Alkohol oder andere Drogen im Spiel waren, verdoppelte sich 2020 auf zehn. Fünf Verletzte waren hierbei die Folge. Die Polizei-Inspektion Marktoberdorf zählte insgesamt 155 schwere Verkehrsunfälle, die zu 158 Verletzten führten, davon verletzten sich 54 Verkehrs­teilnehmer schwer.

Um Raserei und Alkoholkonsum besser in den Griff zu bekommen, wird die Polizei auch künftig schärfer kontrollieren. Sie tut dies vermehrt, laut Polizeihauptkommissar Stiening, im Rahmen von Streifenkontrollen, Geschwindigkeitsmessungen und groß angelegten Kontrollen von Motorradfahrern und getunten Fahrzeugen in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Schwaben Süd/West.

Gegen den Trend

Gegen den bayerischen Trend ging die Zahl der Motorradunfälle 2020 im Dienstbereich der PI Marktoberdorf zurück. Das sei sehr erfreulich, sagte Bernd Stapfner, der hiesige stellvertretende Dienststellenleiter. Er führt das auf leergefegte Straßen vor allem während des ersten Lockdowns zurück, als Motorradfahren ohne triftigen Grund nicht zulässig war. Anders die Zahlen in Gesamtbayern. „Trotz Corona-Pandemie sowie vieler polizeilicher und straßenbaulicher Maßnahmen haben wir in Bayern einen Anstieg um 7,8 Prozent auf 125 Motorradunfälle zu verzeichnen,“ teilte Anfang der Woche noch Innenminister Joachim Herrmann mit. Im Bereich Markt­oberdorf scheinen die Anstrengungen der Polizei gefruchtet zu haben. Hier geschahen 16 Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern, vier weniger als noch im Jahr zuvor. Kein Motorradfahrer verunglückte tödlich (2019: ein Motorradunfall mit Todesfolge).

Sicher im Homeschooling

Erfreulich auch, dass die Zahl der Fahrrad- und Pedelecunfälle trotz einer erhöhten Zweiradnutzung im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen, sondern leicht gesunken ist. 56 Unfälle mit Radlern ereigneten sich 2020 (2019: 58 Unfälle). 16-mal verletzten sich die beteiligten Personen dabei schwer, getötet wurde jedoch niemand. Vermutlich coronabedingt ereignete sich kein Unfall auf dem Schulweg. Die meisten Schüler lernten verkehrssicher im Homeschooling. Polizeihauptkommissar Stapfner hob jedoch auch die Rolle der Eltern als Schulweghelfer hervor. Gleichermaßen lobte er die Lkw-Fahrer, die sich auf drei Bundesstraßen durch Marktoberdorf „quälten“. 38 Unfälle ereigneten sich 2020 unter Beteiligung des Schwerlastverkehrs. Das sei unter Berücksichtigung des Verkehrs­aufkommens und bei 970 Unfällen gesamt eine vergleichsweise gute Bilanz.

von Angelika Hirschberg

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