Ablenkung oft Unfallursache

Verkehrsbilanz Marktoberdorf 2019: Weniger Unfalltote

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Die Zahl der Unfalltoten hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert.

Marktoberdorf – Insgesamt hat es auf den Straßen in und um Marktoberdorf 2019 etwas häufiger gekracht als noch 2018, wie die Polizeiinspektion Marktoberdorf vergangene Woche bekannt gab. Der Verkehrsbilanz sind allerdings weniger Unfälle bei den Motorrad- und Fahrradfahrern zu entnehmen. Außerdem hat sich die Zahl der Unfalltoten im Vergleich zum Vorjahr halbiert.

„Ganz besonders erfreulich ist es, dass es im Jahr 2019 zu keinem Schulwegunfall gekommen ist“, schickt Helmut Maucher, Dienststellenleiter und Erster Polizeihauptkommissar der Verkehrsbilanz voran. In den Jahren 2014 und 2015 waren noch vier Unfälle auf dem Schulweg, 2016 bis 2018 jeweils zwei zu verzeichnen gewesen. Dieser positive Trend sei, so die Polizei, insbesondere den rund 550 ehrenamtlichen Schulweglotsen zu verdanken, die für die Sicherheit der Schulkinder sorgten.

Insgesamt registrierte die Polizei 2019 in ihrem Dienstbereich 1124 Verkehrsunfälle. Das sind gut zehn Prozent (nämlich 107 Unfälle) mehr als noch im Jahr zuvor. Mehr Unfälle, mehr Verletzte – auch diese Gleichung gilt für das vergangene Jahr. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 38 (2018) auf 54. Unter einem Schwerverletzten, so die Definition der Polizei, ist derjenige zu verstehen, der stationär in einem Krankenhaus aufgenommen wird. Dies gelte auch dann, wenn die Person lediglich eine Nacht zur Beobachtung bleiben müsse, konkretisiert der Dienststellenleiter.

Unfalltote

Erfreulich nennt er dagegen die Tatsache, dass die Zahl der Verkehrs­toten von vier (im Jahr 2018) auf zwei im Jahr 2019 zurückgegangen ist. Dabei handelte es sich um einen Motorradfahrer, der am 6. März 2019 beim Überholen eines abbiegenden Traktors ums Leben kam. Laut Polizei war der 35-jährige Motorradfahrer auf der Kreisstraße von Oberthingau in Richtung Ried unterwegs. Der Motorradfahrer befand sich im Überholvorgang, als der vor ihm fahrende Traktor nach links abbog. Beide Fahrzeuge krachten zusammen. Der zweite tödliche Unfall ereignete sich abends am 22. September, als ein Pkw-Fahrer beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr im Moos/Marktoberdorf eine am rechten Fahrbahnrad gehende Fußgängerin übersah und mit dem Auto erfasste. Die 75-Jährige wurde dabei getötet.

Zweirad-Unfälle

Eine Reduzierung der Unfälle gab es bei den Motorrad- und Fahrradfahrern. Gerade bei den Motorrad­unfällen konnte 2019 „endlich ein Rückgang gegenüber den Vorjahren“ verzeichnet werden, wie die Polizei bekannt gab. Dies gelte bayernweit wie auch für die Polizeiinspektion Marktoberdorf. Der Rückgang beläuft sich auf 22 Unfälle (Vorjahr noch 27). Allerdings stieg die Anzahl der Schwerverletzten bei diesen Unfällen von sechs auf zwölf Personen, die der Leichtverletzten sank von 21 auf neun. Auch die Fahrradfahrer waren 2019 unfall­freier unterwegs als noch 2018. Der Rückgang beziffert sich auf 50 Fahrradunfälle 2019, im Vorjahr waren es noch acht Unfälle mehr gewesen. Auch die Zahl der Verletzten sank: bei den Leichtverletzten von 41 auf 35 und bei den Schwerverletzten von 19 auf 15 Personen. Entgegen dem landesweiten Trend blieb auch die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Pedelecs – nämlich acht – im mittleren Ostallgäu gleichbleibend auf sehr niedrigem Niveau, so die Polizei.

Klein- und Wildunfälle

Markant sei allerdings eine weitere Steigerung der Zahlen im Bereich der Kleinunfälle, sagte Helmut Maucher. Jahr um Jahr stieg die Anzahl der gemeldeten Kleinunfälle, zuletzt 2019 um 72 auf insgesamt 658 Kleinunfälle. Parkrempler, aber auch Wildunfälle fallen in diese Kategorie, die lediglich ein Verwarnungsgeld vorsieht. Nach Einschätzung der Polizei ist dies auch darauf zurückzuführen, dass inzwischen bereits geringe Blechschäden „ordentlich ins Geld gingen“ und deshalb vermehrt gemeldet würden. Wesentlich zu dieser Steigerung tragen aber auch die Wildunfälle bei (von 281 im Jahr 2018 auf 330 im Jahr 2019).

Unfallfluchten

Auf das vermehrte Anzeigenverhalten der Bürger führt Dienststellenleiter Maucher auch die deutliche Steigerung bei den Unfallfluchten zurück. Hier ist 2019 ein Plus von 27,5 Prozent verzeichnet. Erfreulicherweise konnte die Polizei immer mehr Unfallfluchten aufklären. Dies sei nicht zuletzt der Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu verdanken.

Erfolge zeitige auch die intensive Verkehrsüberwachung. Die Zahl der Unfälle, die auf Alkoholgenuss zurückzuführen seien, gingen im vergangenen Jahr deutlich auf fünf zurück (15 im Jahr 2018). Dadurch sank auch die Anzahl der Verletzten in diesem Bereich von zwölf auf zwei.

Unfallursache Mensch

Fahrerfehler zählen nach wie vor zu den häufigsten Unfallursachen: Dazu gehören laut Polizei Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren oder der ungenügende Sicherheitsabstand. Auch überhöhte Geschwindigkeit und Verstöße gegen Vorfahrtsregeln verursachen immer wieder kleinere und größere Unfälle. Die Verkehrspolizei nimmt auch immer wieder das Thema „Ablenkung“ ins Visier. „Es ist jedoch schwierig,“ so Maucher, „im Nachhinein festzustellen, ob ein Unfallverursacher durch Telefonieren oder ein anderes elektronisches Gerät abgelenkt gewesen ist.“ Die PI Marktoberdorf kündigt an, gerade in diesem Bereich in Zukunft vermehrt zu kontrollieren. So genannte Handy-Verstöße werden mittlerweile mit einem Bußgeld von 100 Euro geahndet. „Leider schreckt dieses Bußgeld immer noch nicht genug ab“, konstatiert der Dienststellenleiter.

von Angelika Hirschberg

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