20 Prozent weniger Unfälle

Verkehrsunfallstatistik 2020: Corona schränkte Mobilität ein

Statistik
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Aufteilung der Verkehrsunfälle von 2011 bis 2020. VUPS sind Verkehrsunfälle mit Personenschaden, VUSA sind Verkehrsunfälle mit Sachschaden und VUK sind Verkehrsunfälle im Kurzanzeigeverfahren (sogenannte Kleinunfälle).
  • Martina Staudinger
    vonMartina Staudinger
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Kaufbeuren – Die Stadt Kauf­beuren bildet im Hinblick auf die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2020 keine Ausnahme. Auch hier zeigt sich, wie generell im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, ein Rückgang der Unfallzahlen. Der Grund für diese Abnahme, die in den Jahren 2019 und 2020 für Kaufbeuren fast 20 Prozent betrug, liegt auf der Hand, sagt Polizeihauptkommissar Stefan Horend, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei Kaufbeuren: Die Corona-Pandemie hat die Mobilität in allen Bereichen stark eingeschränkt. „Eigentlich in allen Einzelauswertungen ist ein Rückgang der Zahlen zu verzeichnen“, so Horend.

Deshalb hat er für das Jahr 2020 bewusst einen Vergleichszeitraum von neun Jahren davor genommen. „Denn nur im Jahr 2011 waren die Unfallzahlen niedriger als im vergangenen Jahr.“ Konkret ereigneten sich 1051 Unfälle im Jahr 2020 (2019: 1305), davon 167 Verkehrsunfälle mit Verletzten (2019: 205), 339 mit Sachschaden (2019: 408) und 545 sogenannte Kleinunfälle mit Verkehrsverstößen im Bagatellbereich (2019: 692). Noch niedriger lag die Zahl der Gesamtunfälle zuletzt im Jahr 2011 (1014), damals wurden jedoch 187 Menschen, also 20 mehr als vergangenes Jahr, bei den Unfällen verletzt. Von den verletzten Personen wurden 180 leicht und 26 schwer verletzt. Die meisten, nämlich 100 Verletzte waren im Pkw unterwegs, 65 mit dem Fahrrad, 17 mit motorisierten Zweirädern und 15 zu Fuß. Jeweils drei Personen wurden bei Unfällen mit Lkw, Bus und „Sonstigen“ verletzt.

Ein Verkehrstoter

Ein Mensch ist 2020 ums Leben gekommen (2019: 0), höher war die Zahl nur im Jahr 2017 mit drei Verkehrstoten, davon ein Fußgänger. „Der in der Statistik erwähnte Verkehrstote war ein Mann, der im Frühjahr 2020 auf der B12, Höhe Parkplatz Hirschzell, mit seinem Pkw aus ungeklärter Ursache nach links auf die Gegenfahrbahn kam und frontal mit einem Getränkelaster zusammenstieß“, berichtet Horend.

Am häufigsten schepperte es im Durchschnitt zwischen 16 und 16.59 Uhr. Zu dieser Tageszeit wurden im ganzen Jahr insgesamt 102 Verkehrsunfälle gemeldet. Die wenigsten Unfälle im Straßenverkehr ereigneten sich nachts zwischen 4 und 4.59 Uhr (ein Kleinunfall und ein Unfall mit Sachschaden). An den Sonntagen passierten laut Polizeistatistik die wenigsten Unfälle (74), am gefährlichsten ist man auf Kaufbeurens Straßen demnach montags unterwegs, denn an diesen Wochentagen passierten mit 183 die meisten Unfälle. Alkoholbedingte Unfälle ereigneten sich meistens samstags (sieben).

Unfallursachen

Häufigste Unfallursache war im vergangenen Jahr ungenügender Sicherheitsabstand (385), gefolgt von Fehlern beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren (372). 16-mal wurde Alkoholeinfluss als Ursache verzeichnet und zog sechs Verletzte nach sich. Vorfahrtsmissachtung endete 57-mal in Unfällen. Nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit führte 22-mal zu Unfällen auf den Straßen. Bei letzteren wurden 16 Personen verletzt.

Drei Unfälle ereigneten sich auf dem Schulweg. „Zu den Schulwegunfällen ist noch zu sagen, dass alle Schüler mit dem Fahrrad unterwegs waren. Ein Jugendlicher stürzte ohne Fremdbeteiligung auf einer Eisplatte, ein anderer, weil sich seine Kette verhakte und er deshalb die Kontrolle über sein Rad verlor“, erklärt Horend. „Der dritte Schüler wurde beim Überqueren an einer Ampel von einem Pkw angefahren, der das Rotlicht missachtet hatte. Der unbekannte Autofahrer flüchtete zudem.“ Insgesamt waren elf Kinder bis 13 Jahre an Unfällen beteiligt, zehn wurden dabei verletzt. Junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren waren in 107 Unfälle verwickelt, 61-mal als Hauptverursacher. 27 junge Erwachsene wurden verletzt. 82 Senioren waren Hauptverursacher von 122 Unfällen, an denen Menschen ab 65 Jahren beteiligt waren.

Bei 75 Radfahrunfällen waren 86 Fahrradfahrer involviert. 51 von ihnen waren Hauptverursacher. 24 Fußgänger überlebten 23 Unfälle, die zehn von ihnen selbst verursachten. Drei von fünf Busunfällen wurden von Busfahrern verursacht. In den wenigsten Fällen waren die Fahrer von Motorrädern und motorisierten Zweirädern schuld am Unfall (acht von 27). 27 Lkw-Fahrer waren an 25 Unfällen beteiligt, 18 davon als Hauptverursacher. Bei den 30 Wildunfällen wurde glücklicherweise kein Mensch verletzt. Eine weitere gute Nachricht: kein einziger Unfall war auf Drogenkonsum zurückzuführen (2019: 1; 2018: 3).

Martina Staudinger

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