„Verschwunden – Orte, die es nicht mehr gibt“

Themenabend zur Sonderausstellung im Isergebirgs-Museum

Themenabend „Verschwundene Orte im Isergebirgs-Museum: Wilfried Rogasch (v. li.), Christina Meinusch, Bürgermeister Oliver Schill, Museumsleiterin Ute Hultsch. Im Hintergrund eine Karte mit Tausenden von roten Punkten für Orte, die es heute so gut wie nicht mehr gibt.
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Themenabend „Verschwundene Orte im Isergebirgs-Museum: Wilfried Rogasch (v. li.), Christina Meinusch, Bürgermeister Oliver Schill, Museumsleiterin Ute Hultsch. Im Hintergrund eine Karte mit Tausenden von roten Punkten für Orte, die es heute so gut wie nicht mehr gibt.
  • Ingrid Zasche
    VonIngrid Zasche
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Kaufbeuren-Neugablonz – Im Isergebirgs Museum Neugablonz ist zurzeit noch die bis 29. Mai verlängerte Ausstellung der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen „Verschwunden – Orte, die es nicht mehr gibt“ zu sehen. Es werden die Gründe dafür aufgezeigt, warum zahllose Dörfer in früheren deutschen Ostgebieten wie Pommern, Ost- und Westpreußen, Schlesien und Sudetenland heute nicht mehr auf der Landkarte zu finden sind. Im Rahmen dieser Ausstellung hatten am 5. Mai der Bund der Vertriebenen und das Museum zu einem Themenabend eingeladen. Es sprachen der Kurator der Ausstellung, der Berliner Dozent Wilfried Rogasch, sowie Christina Meinusch, die seit April 2021 neue Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Ein anrührendes Grußwort kam von Bürgermeister Oliver Schill.

Wilfried Rogasch ging in seinem Beitrag ausführlich auf das Phänomen des Verschwindens ein und schilderte neun Gründe dafür, darunter soziale, demografische und ideologische Ursachen. Teilweise wurden die Ortschaften – oder Monumente wie unser Rüdiger – vorsätzlich zerstört oder entfernt, da sie nicht der stalinistischen Ideologie entsprachen. In den meisten Fällen sind die Orte jedoch aus dem Zusammenwirken verschiedener Gründe untergegangen: Entvölkerung, Kriegszerstörungen, Grenzziehungen, Entfernen von Symbolen, Kirchenfeindlichkeit und Atheismus, Preußenhass und Klassenkampf, Enteignung und Planwirtschaft, Städtebauliche Neuordnungen. In neun farblich von einander unterschiedenen Bereichen dokumentiert die Ausstellung mit vielen „Vorher-Nachher-Illustrationen“ das Verschwinden. Sie enthält aber auch einen Bereich „Selektiver Wiederaufbau“ mit etlichen Bemühungen um die Wiederherstellung von Gebäuden und die Integration von verbliebenen Teilen deutscher Kultur und Geschichte in die dortige Gesellschaft. Dieser versöhnliche Ansatz als Baustein für ein friedliches Europa war eines der Anliegen der Ausstellungskonzeption.

Christina Meinusch: „Geschichts-Geocaching“

Erarbeitet wurde die Wanderausstellung, die bereits 2016 in der Bundeshauptstadt gastiert hat, von der „Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen“ in Zusammenarbeit mit dem Bund der Vertriebenen und gefördert durch das Bundesministerium des Inneren. Das Repertoire der Stiftung umfasst seit seiner Gründung im Jahr 2000 inzwischen sechs Wanderausstellungen zu diesem Themenkreis. Nach „Erzwungene Wege – Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts“ und „Angekommen – Die Integration der Vertriebenen in Deutschland“ ist „Verschwundene Orte“ bereits die dritte dieser Ausstellungen, die das Isergebirgs-Museum zeigt. Initialzündung für die Entstehung der Ausstellung war die Forschungsarbeit der tschechischen Organisation Antikomplex, deren Wanderausstellung „Verschwundenes Sudetenland“ 2011 ebenfalls im Isergebirgs-Museum zu sehen war.

Christina Meinusch setzt sich im Rahmen ihrer Tätigkeit als Heimatpflegerin für den Erhalt sowie die Fortführung der kulturellen Vielfalt der Deutschen aus und in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien ein und wirkt an zahlreichen Projekten mit. In ihrem Beitrag beschrieb sie ihre Tätigkeit als Heimatpflegerin und stellte ein Jugendprojekt vor. Darin begeben sich Gruppen von Jugendlichen auf GPS-Schnitzeljagd – neudeutsch „Geocaching“ – und erkunden ehemals von Deutschen besiedelte Gemeinden. Die Aktionen sind akribisch vorbereitet: An acht bis zwölf GPS-Punkten sind Informationen über den Haltepunkt und historische Fotos hinterlegt, zusätzlich ein Arbeitsblatt mit Fragen zum jeweiligen Haltepunkt und den nächsten Koordinaten. Das Spiel dauert etwa fünf Stunden. Letzte Station ist eine Gaststätte mit Verpflegung für die Teilnehmer und einer noch im Dorf geborenen Person, die vom lebendigen Leben im Dorf erzählt. Als Nebeneffekt entstand daraus ein kommentierter Spaziergang mit Zeitzeugen für die interessierte Öffentlichkeit, meist am Tag des GPS-Spiels, mit der Möglichkeit, am Abschluss in der Gaststätte teilzunehmen. Die Resonanz war überwältigend: Beim letzten GPS-Spiel für Jugendliche haben sich zusätzlich 130 Erwachsene dem angebotenen Spaziergang angeschlossen.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Museum unter www.isergebirgs-museum.de zu finden.

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