Verurteilt

Zwei junge Menschen wollen Falschgeld in den Verkehr bringen

PS5-Präzedenzfall möglich: Media Markt und Saturn vor Gericht. (Symbolbild)
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Das Corpus Delicti: Ein gefälschter 100-Euro-Schein. Dieser brachte zwei junge Menschen vor Kurzem auf die Anklagebank des Amtsgerichts Kaufbeuren. 
  • vonSelma Höfer
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Kaufbeuren – Ein gefälschter Geldschein brachte zwei junge Menschen vor Kurzem auf die Anklagebank des Amtsgerichts Kaufbeuren. Eine Frau aus dem Ostallgäu und ein Mann aus Kempten sollen versucht haben, Falschgeld in den Verkehr zu bringen. Beide beteuerten ihre Unschuld, was den Richter nicht überzeugte. Er verurteilte die Angeklagten jeweils zu einer der „Tat und Schuld angemessenen“ Geldstrafe.

Das Corpus Delicti: Ein gefälschter 100-Euro-Schein. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der 25-jährige Mann Anfang Februar 2020 diese Blüte der drei Jahre jüngeren Angeklagten übergab. Sie wiederum versuchte in einer Drogerie in Füssen damit zu bezahlen. Somit, erklärte die Staatsanwältin, machten sich beide des Versuchs schuldig, Falschgeld in den Verkehr zu bringen. Der Angeklagten warf sie außerdem den versuchten Betrug vor, da die Frau beabsichtigte „sich oder Dritten dadurch einen Vermögensvorteil zu verschaffen“.

„Das streite ich ab.“

Der Angeklagte gab an, von der Fälschung nichts gewusst und den Schein nicht absichtlich weiter gegeben zu haben. „Das streite ich ab.“ Beim Ebay-Verkauf seines i-Phones habe er den Schein einen Tag zuvor erhalten. Von wem, das könne er nicht mehr sagen. Er habe drei 100-Euro-Scheine erhalten, diese „nur gefühlt und angeschaut“ und anschließend in sein Auto gelegt. Auf die Frage, wie das Geld dann zur Angeklagten gelangte, berichtete der Mann: „Da ich in der Nähe war, haben wir uns getroffen.“ Da habe sie gefragt, ob er ihr 100 Euro leihen könne. Er würde die Angeklagte schon mehrere Jahre kennen und somit habe er damit kein Problem gehabt.

Die Angeklagte sagte aus, dass sie kein Geld mehr hatte aber auf ein Konzert gehen wollte. Sie war Auszubildende, auch heute noch gehe sie zur Schule. Wegen der Leihgabe habe sie den Angeklagten angerufen und schließlich nur kurz getroffen, beziehungsweise sei ein Stück bei ihm im Auto mitgefahren. „Ich habe das Geld gefaltet und nur schnell eingesteckt.“ So sei ihr nicht aufgefallen, dass der Schein nicht echt war. Beim Kauf von Kosmetika im Wert von 18 Euro habe sie jedoch gemerkt, „dass da was nicht stimmt“. Das habe sie direkt gesagt. „Aber die Kassiererin hat es in dem Moment auch schon gesehen und die Chefin hinzugeholt.“

„Den nehmen wir nicht.“

Jene Angestellte, die am Tattag an der Kasse der Drogerie saß, gab im Zeugenstand an, sich gut an die Blüte erinnern zu können. „Ich sagte zu ihr: ‚Der ist falsch, den nehmen wir nicht‘. Es war so offensichtlich, dass es eine Fälschung ist“, berichtete sie auf Nachfrage des Richters.

Der Kriminalbeamte, welcher die Ermittlungen übernommen hatte, machte ebenfalls eine Aussage. Telefonisch vernahm er die beiden Angeklagten kurz nach der Tat. Dabei habe sich für ihn „ein kurioser Sachverhalt“ ergeben: Das zufällige Treffen und dass der Angeklagte zufällig mehrere 100-Euro-Scheine bei sich hatte, von welchen er zufällig den einen falschen nahm, den die Angeklagte sofort faltete und in die Tasche steckte. Dass dann auch sowohl der Chatverlauf zwischen den beiden aus Versehen gelöscht war, sowie jegliche Kontaktdaten des angeblichen Ebay-Käufers, ließ den Ermittler an der Geschichte zweifeln. „Ich hatte den Schein selbst in der Hand.“ Die schlechte Qualität der Fälschung sei sofort bemerkbar.

Gutachten der Deutschen Bundesbank

Wo kam er her, der gefälschte Schein? Diese Frage blieb ungeklärt. Ebenso, weshalb die Angeklagten nicht bemerkt haben wollen, dass es sich um „eine einfache Tintenstrahlfälschung“ handelte (laut Gutachten der Deutschen Bundesbank). Da die Fragen des Richters mehrere Widersprüche in den Aussagen der Angeklagten nicht auszuräumen vermochten, endete das Verfahren mit Geldstrafen für die beiden jungen Menschen.

Der Richter befand beide Angeklagte in den jeweiligen Anklagepunkten für schuldig. Die Angeklagte wurde bereits 2019 wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie ist somit einschlägig vorbestraft und muss nun 90 Tagessätze zu je fünf Euro bezahlen. Da der Angeklagte keine Vorstrafen hat und der Richter von einer „spontanen Tat“ ausging, verurteilte er den Mann zu 60 Tagessätzen à 50 Euro. Außerdem haben sie die Kosten des Verfahrens zu tragen. Beide können binnen sieben Tagen Berufung oder Revision einlegen. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe (Mittwoch, 28. April) war das Urteil deshalb noch nicht rechtsgültig.

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