Kein gemeinsamer Nenner

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Der Athletik Club Kaufbeuren muss raus aus seinen bisherigen Räumlichkeiten. Den Zuschuss, den der Verein von der Stadt fordert, bewilligte der Verwaltungsausschuss allerdings nicht.

Kaufbeuren – Der Athletik Club Kaufbeuren e.V. (ACK) und die Stadt Kaufbeuren kommen momentan nicht überein, wenn es um eine künftige Bleibe für den Sportverein geht. Derzeit trainieren die 68 Mitglieder noch im alten Eisstadion, doch müssen auch sie im Sommer kommenden Jahres das Feld dort räumen.

Den Antrag des ACK auf Gewährung eines Bauzuschusses lehnte der Verwaltungsausschuss am Dienstagabend einstimmig ab. Der vom Verein geforderte Zuschuss ist den Ausschussmitgliedern schlicht zu hoch.

Finanzreferent Markus Pferner wies eingangs auf die Sportförderungsrichtlinien der Stadt hin, die besagen, dass Sportvereine mit mindestens 150 Mitgliedern zur Neuerrichtung von Dauersportanlagen Zuschüsse erhalten. In der Regel würden sie mit 30 Prozent der nachgewiesenen Baukosten bezuschusst. Doch weder hinsichtlich der Mitgliederzahl – wobei dies nicht ausschlaggebend sei – noch der Finanzierung des Bauvorhabens erfüllt der ACK die Richtlinien. Der Verein fordert von der Stadt nämlich für einen Neubau auf dem Sportareal im Haken einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 382.000 Euro, will selbst aber nur 35.000 Euro, also rund 8,4 Prozent der Gesamtkosten, eigene Mittel in die Hand nehmen für die gesamten Innenarbeiten. Zudem fordert der ACK einen kostenlosen Baugrund von der Stadt auf 99 Jahre Erbpacht.

Bei den meisten Ausschussmitgliedern stieß der Antrag auf Unverständnis. „So einen Antrag zu stellen hätte ich mir nie getraut!“, empörte sich beispielsweise Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU). „Wenn wir so etwas befürworten wäre das ein Präzedenzfall par excellence“, denn der Verein fordere eine nahezu 100-prozentige Bezuschussung vonseiten der Stadt. Richard Drexl (Freie Wähler) merkte an, dass der ACK unverschuldet in diese Lage gekommen sei und der Vorstand mit der Stadtverwaltung reden müsse. Dies ließ Oberbürgermeister Stefan Bosse nicht so stehen. Der Verein wisse seit Jahren, dass er dort raus muss. Es habe außerdem einige Gespräche mit dem Ersten Vereinsvorsitzenden Manfred Huf gegeben, in deren Verlauf man dem ACK einige Vorschläge für eine zukünftige Bleibe unterbreitet habe. „Es fehlt nicht an unserer Bereitschaft, dem Verein etwas vorzuschlagen. Wir werden sicher ein Entgegenkommen zeigen“, sagte Bosse. Man habe bereits mit verschiedenen Fitnessstudios geredet, um dort einen Nebenraum anzumieten, und selbst auf einen Mietvorschlag von Finsterwalder, der dem Verein zudem mit einer Mietsenkung entgegengekommen sei, so 3. Bürgermeister Ernst Holy (KI), sei der Verein nicht eingegangen. 

Alle Vorschläge seien „dem Verein nicht genehm“, sagte Bosse. Ihm komme es vor, als würde der Vorstand nur das von ihnen angedachte maximale Konzept verwirklicht haben wollen. „Der Antrag kommt aus einer Welt mit der Annahme, dass die Stadt dem Verein das Gebäude weggenommen habe“. Er rief auch in Erinnerung, dass der Eissportverein sich im neuen Eisstadion einmieten wird. Den Sportbeauftragten Otto Richard Zobel „schmerzte“ es, „dass Sand im Getriebe ist“. Er würde dem ACK gerne helfen, doch könne er nicht zaubern.

Catrin Riedl (SPD) schlug sich auf die Seite des ACK. Sie hatte eine weitere Option in petto: Man solle im Kabinentrakt am Parkstadion etwas verwirklichen. Wirtschaftsreferent Siegfried Knaak betonte jedoch, dass keine Kabinen leer stünden und Jugendreferatsleiter Alfred Riermeier sagte, dass im Spielbetrieb mindestens fünf bis sechs Kabinen gebraucht würden. Zudem finde unter der Woche auch Schulsport statt. Knaak merkte noch an, dass sich der Boxclub Kaufbeuren in einer ähnlichen Situation befunden habe, dann aber die Mitgliederbeiträge angehoben hätte. Auch Bosse regte an, dass dies eine Rolle spielen müsste, damit der Verein mehr aus eigener Tasche zahlen kann.

Bucher schlug vor, der Verein könne eventuell mit einem anderen kooperieren, wie es auch Schützenvereine machten. Jeder wisse, dass er ein „Vereinsmeier durch und durch“ sei, aber wenn der ACK sich auf keine Vorschläge einließe, „muss so ein Verein eben aufhören“, sagte Bucher. Sylwia Pohl (CSU) sagte gar, dass der Verein dann seine „Daseinsberechtigung verloren“ habe.

Oliver Schills (Grüne) Antrag auf eine Vertagung der Abstimmung stieß auf mehrheitliche Ablehnung. Der anschließende einstimmige Beschluss, den Antrag abzulehnen, erleichtere dem OB nach eigener Aussage ein weiteres Gespräch mit Huf, das er ihm noch am Abend per E-Mail ankündigen wollte.

von Martina Staudinger

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