Video im Netz

Diskussion um Auflösung des Puppentheatermuseums geht weiter

Die Alois-Raab-Marionette aus dem Youtube-Video.
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Die Alois-Raab-Marionette aus dem Youtube-Video.

Kaufbeuren – Seit kurzem geistert ein Video von jemandem, der sich „Puppenspieler“ nennt, durchs Netz. Darin äußert sich eine sehr realistische Alois-Raab-Marionette betrübt über die Auflösung des Puppentheatermuseums und erinnert sich, dass die Stadt Kaufbeuren die mit Herzblut unter Einsatz aller Ersparnisse zusammengetragene Sammlung schon zu seinen Lebzeiten nicht richtig zu schätzen wusste. Unter Hohngelächter habe man ihn, Raab, im Rathaussaal mit einem Badetuch „geehrt“. Und jetzt werde seine schöne Sammlung – ­huiii – einfach verkauft. Nein, in diese Stadt wolle er nie mehr zurückkommen.

Das entspricht in anderer, überspitzter Form ziemlich genau dem Tenor eines Leserbriefs, den der Kaufbeurer Kulturpreisträger Peter Pius Irl gleich nach Bekanntwerden des Stadtratsbeschlusses zur Auflösung des Puppentheatermuseums geschrieben hatte. Der Kreisbote hat noch einmal mit dem Kammerschauspieler darüber gesprochen. Irl bezieht sich auf ein ihm in Kopie vorliegendes handschriftliches Testament aus dem Jahr 1982 von Alois Raab, dessen Schüler und Freund er war. Darin heißt es: „Mein Puppenmuseum geht als notarielle Stiftung an die Stadt Kaufbeuren mit der Pflicht, es weiterhin zu pflegen u[nd] der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Sammlung muss mit dem Namen des Ehepaares Alois und Emmy Raab verbunden bleiben.“

Allerdings hat Raab – da seine Ersparnisse bereits für das Zusammentragen der Sammlung aufgebraucht waren – offenbar nicht auch durch eine entsprechende Geldstiftung die Einhaltung dieser Auflage gewährleisten können. Somit war das Vermächtnis an die Stadt wohl eher als Danaergeschenk und Belastung angesehen worden und wurde, nach Aussage des Puppenspielvereins, ohnehin durch ein späteres Testament überholt.

Auch das Feuerwehrmuseum wurde seinerzeit, als es sich noch in der ehemaligen Spittelmühle befand, von Vertretern der Stadtverwaltung nicht sehr estimiert (wir berichteten damals) und als „Lager von zusammengetragenen Feuerwehrutensilien ohne museumspädagogischen Ansatz“ bezeichnet. Inzwischen – nach seinem Umzug – ist es eines der Schmuckstücke der Kaufbeurer Museumslandschaft.

„Sünde und Schande“

Leider ist es eine weit verbreitete Ansicht, Spielfiguren und Puppentheater seien – wie Märchen – Kinderkram und nichts für ernsthafte Erwachsene. Daher, so Irl, müsse man die Menschen heranführen und nicht warten, bis sie von selbst kommen. Raab, der Lehrer, habe das getan – seine Schüler haben zum Beispiel begeistert auf dem im Puppentheatermuseum gezeigten Gamelanorchester musiziert, erzählt Irl. Dass die Sammlung nun aus kommerziellen Erwägungen aufgelöst und verstreut werden soll, sei eine Sünde und Schande. Eine Überführung in das Puppentheater halte er schon aus Platzgründen absolut nicht für möglich. Irl räumt jedoch ein, dass er seit Raabs Zeiten nicht mehr im Puppentheater war und die umfangreichen Aufräum-, Renovierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen nicht kennt, die dort in jüngster Zeit vorgenommen worden sind.

Irl wurde, wenn auch formlos, eingeladen, heißt es im Puppenspielverein, aber er sei nicht gekommen. Irl dagegen führt an, er habe seine Mitarbeit bei Inszenierungen angeboten, ohnehin seien die meisten der auf Band vorhandenen Texte für die Marionettenstücke von ihm eingesprochen worden. Aber niemand sei auf ihn zugegangen.

Ingrid Zasche

Kommentar

  • Hier sind wohl die Fronten etwas verhärtet, weil jede Seite erwartet hat, dass die andere den ersten Schritt tut. Dabei wäre eine Zusammenarbeit der beiden Raab-Schüler eigentlich mehr als wünschenswert und wesentlich zielführender, um in der gegebenen Situation zu retten, was zu retten ist.
  • Man kann nur hoffen, dass nach der jetzt in Arbeit befindlichen Museumstransformation das Puppentheater mittelfristig – ähnlich dem Feuerwehrmuseum – wie der Phönix aus der Asche schöner denn je hervorgeht und dann von Kaufbeurern und Kaufbeuren-Besuchern auch wirklich eifrig frequentiert wird.
  • Ingrid Zasche

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