Stadt Kaufbeuren, Vereine und Besucher feiern großes Jubiläum des grünen Kleinods

125 Jahre Jordanpark

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Mitglieder der Kulturwerkstatt spielen „Märchen im Park“ – hier „Der Froschkönig“.

Kaufbeuren – Es hatten sich am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, eine Menge Kaufbeurer Familien im Jordanpark zur „Geburtstagsfeier“ eingefunden. Zwar lautet das Motto zum europaweiten Tag des offenen Denkmals 2015 „Handwerk, Tech- nik, Industrie“ und da scheint ein Landschaftsdenkmal zunächst nicht dazu zu passen.

Dennoch hat Kaufbeuren das 125-jährige Jubiläum des Jordanparks mit angemeldet. Immerhin verdankt dieser englische Landschaftspark, der den 1854 eröffneten Bahnhof mit der Altstadt verbindet, sein Entstehen zumindest mittelbar der zunehmenden Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Freilicht-Ausstellung mit 15 Bannern zeigt die Entstehungsgeschichte des Parks, informiert über die Ökologie, das Alpinum, den ehemaligen Eislaufplatz und vieles mehr. Diese Banner werden noch für zwei weitere Wochen im Jordanpark aufgestellt sein. 

Der denkmalgeschützte Park ist das einzige Landschaftsdenkmal in Kaufbeuren und einzigartig in der Region, höchstens in Schwangau finde sich laut Gudrun Dietz-Hofmann hinsichtlich der Qualität Vergleichbares. Die Stadt hatte das Irseer Planungsbüro hofmann & dietz mit der Erstellung eines sogenannten „Parkpflegewerks“ beauftragt, um das „Schmuckstück“ Jordanpark „wieder auf Hochglanz zu bringen“, nachdem die letzte Sanierung fast 30 Jahre her ist (wir berichteten). 

Langfristiges Ziel des Parkpflegewerks sei eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands. Das könne auch die „Entnahme von Bäumen“ bedeuten, wenn durch diese die anfangs geplanten Sichtachsen zugewachsen seien. Es sollen jedoch nur kleine, neue Bäume entfernt werden, so Dietz-Hofmann. 

Begonnen wurde außerdem mit einer Beschilderung der rund 80 verschiedenen, meist heimischen Baumarten. Gudrun Dietz-Hofmann stellte das Parkpflegewerk, das unter anderem mit inzwischen gewährten Zuschüssen des Denkmalamts in den nächsten Jahren Stück für Stück realisiert werden soll, in stündlichen Führungen der interessierten Öffentlichkeit vor. Die für Landschaftsgärten typischen verschlungenen Wege führen immer wieder zu überraschenden neuen Ausblicken, in denen Staffagebauten wie der Monopteros, die 120 Jahre alte Fontäne oder das Schwanenhaus als „dreidimensionale Gemälde“ zu verstehen sind. 

Neben dem Denkmalamt bringen sich als Gruppen der Heimatverein, die Bürgerstiftung und der Gartenbauverein in die Gestaltung des „Bürgerparks“ ein. Am Stand des Heimatvereins lag das unter der Federführung von Dr. Ulrich Klinkert entstandene Sonderheft „125 Jahre Jordanpark“ (wir berichteten) kostenlos aus. Weitere Highlights der Geburtstagsparty waren „Konzerte im Park“ am Monopteros, der pünktlich zum Tag des Denkmals vom Gerüst befreit in einem neuen Anstrich prangte. 

Tiny Schmauch und Band, Daniel Hermann mit dem Gospelchor St. Martin sowie die Stadtkapelle Kaufbeuren gaben vor seiner Kulisse ganz unterschiedliche Musik zum Besten. Beim Schlendern über die Wiesen traf man Mitglieder der Kulturwerkstatt als Rotkäppchen und den Wolf, Hans im Glück, Rumpelstilzchen, die Prinzessin mit dem goldenen Ball, den Prinzen auf der Suche nach Aschenbrödel oder die Knusperhexe: Dabei erlaubten die Regeln des Improvisationstheaters auch ein Zusammentreffen der Figuren aus unterschiedlichen Märchen oder einen Dialog mit den Parkbesuchern. 

Kinder turnten fröhlich auf den Geräten der Spielplätze herum, der Biergarten war voll besetzt und die Saft- und Kuchentheke war ausverkauft. 

Insgesamt wurde bei diesem Fest deutlich, dass der Jordanpark wahrlich ein Bürgerpark ist, der nach wie vor, wie es der Gartenkünstler Friedrich Ludwig Sckell in seinen „Beiträgen zur Bildenden Gartenkunst“ formulierte, „...zum traulichen und geselligen Umgang und Annäherung aller Stände dienen soll, die sich hier im Schoße der schönen Natur begegnen“.

von Ingrid Zasche

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