"Viele hässliche Nachfolgebauten"

Die Raumkanten in der Meichelbeckstraße sollen erhalten bleiben. Foto: Bauer

Die Weiterentwicklung des Quartiers Rathaus nimmt konkrete Formen an. Nach der Festlegung der grundsätzlichen Ziele in der Ratssitzung am 22. November haben sich Stadträte, Verwaltung und Lenkungsgruppe kürzlich in Klausur begeben, um die formulierten Ziele mit Leben zu füllen. Die hier ausgearbeiteten, schon recht detaillierten Empfehlungen, standen nun vergangene Woche zur abschließenden Diskussion und zur Abstimmung.

An erster Stelle stand die Ausgestaltung des Zieles „Stärkung der kulturellen Nutzung“. Hier verursachte die Empfehlung, den Bauernhof Graf an der Meichelbeckstraße zu erwerben und nach Sanierung einer kulturellen Verwendung zuzuführen, eine kontroverse Diskussion. So lange er zurückdenken könne, stand dieses Gebäude immer leer, man solle lieber die Gelegenheit nutzen, etwas Vernünftiges zu machen, wandte Andreas Wachter (CSU) ein. Dies sah Klara Knestel (Grüne) ganz anders, sie könne einem Neubau keinesfalls zustimmen, denn die Stadt sei voll von „hässlichen Nachfolgebauten“. Schließlich verständigten sich die Stadträte mehrheitlich darauf, der Empfehlung aus der Klausur zu folgen und einen Abriss nur dann ins Auge zu fassen, wenn die Sanierungsabsichten scheitern sollten. Als wichtige kulturelle Einrichtung stand die Stadtbücherei im Fokus. Es galt zu entscheiden, ob sie im Gebiet rund ums Rathaus verbleiben und wo die Bücherei hier untergebracht werden solle. Städteplaner Stefan Lehmann erklärte, dass die städtische Bibliothek an ihren räumlichen Kapazitätsgrenzen angelangt sei. Außerdem benötige die Verwaltung im Bereich Bürgerverkehr dringend zusätzlichen Raum im Erdgeschoss. Einhellig war man im Stadtrat der Meinung, dass die Bücherei im Quartier Rathaus verbleiben solle, wenngleich die Umzugsidee ein geteiltes Echo erzeugte. Gegen vier Stimmen entschied sich das Gremium aber dann doch für die Empfehlung der Klausurtagung. Nach einer Raumbedarfsanalyse solle ein alternativer Standort im zentralen Bereich gesucht werden. Handel stärken „Die Stärkung des innerstädtischen Handels“ als zweites wichtiges Entwicklungsziel war weit weniger umstritten. Einstimmig entschlossen sich die Stadträte die Meichelbeck- und die Georg-Fischer-Straße zur Geschäftstraße weiter zu entwickeln und auf dem Sparkassenparkplatz einen Einkaufsmagneten zu schaffen. Ein Investoren-Architekten-Wettbewerb soll hierzu die Voraussetzungen schaffen. Wohnraum schaffen Zusätzlich soll im Rahmen dieses Wettbewerbes auch das dritte Ziel „Stärkung des Wohnstandortes“ in diesem Quartier mit untersucht werden. Das Stichwort heißt Nachverdichtung unter Beibehaltung der historischen Raumkanten. Dieses Bewahren der Raumkanten im Verlauf der Meichelbeckstraße sorgte für viel Diskussionsstoff. Angesichts des heutigen Verkehrsaufkommens sei das nicht mehr zeitgemäß, warf Eugen Kögel (CSU) ein. „Das ist Denken der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Heute weiß man, dass eine Belebung der Innenstadt nur über Verkehrsberuhigung zu erreichen ist“, entgegnete Axel Maaß (Grüne). Es setzte sich schließlich doch die Auffassung durch, dass eine Verbreiterung der Straße nicht in Frage kommt. Eine grüne Innenstadt Auch das vierte Ziel, „Stärkung des innerstädtischen Grün“ beschäftigte die Stadträte, insbesondere deshalb, weil damit ein Eingriff in das Privateigentum verbunden sei. Dieser von Wolfgang Schmid (FW) ins Feld geführte Aspekt ist deshalb von Bedeutung, da die in diesem Zusammenhang bedeutende Obstwiese beim Heimatmuseum nicht im Besitz der Stadt ist. Mit einer Änderung des Bebauungsplanes könnten die Rahmenbedingungen für den Erhalt der Wiese geschaffen werden, erklärte Bürgermeister Werner Himmer. Mit drei Gegenstimmen wurde die Empfehlung angenommen, die unter anderem auch eine Reduzierung des Versiegelungsgrades zum Ziel hatte.

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