Landratsamt prüft Abschuss der Nager

Biber sorgen einmal mehr für Probleme

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Dillishausen – Biber gelten als fleißige Baumeister. Doch nicht immer kommen ihre Bauwerke bei den Menschen gut an. Vor einigen Tagen musste die Buchloer Polizei einen Gemeindeweg in der zu Lamerdingen gehörenden Gemeinde Dillishausen sperren, weil die Wege an der Salach unterhöhlt und an einer Stelle sogar eingebrochen waren.

Ungefährlich ist die Wühlarbeit der possierlichen Tiere nicht, sagte der Dillishausener Landwirt Georg Lochbrunner unserer Zeitung. Wenn die schweren landwirtschaftlichen Fahrzeuge einbrechen, kann das böse Folgen für die Gesundheit haben. Er selbst hat das auch schon erlebt. Im letzten Jahr brach er mit einem Pkw in ein Biberloch ein. Zum Glück ist ihm nichts passiert, sein Auto aber war ein wirtschaftlicher Totalschaden. Lochbrunner kennt einen Fall aus Weil, wo eine Bäuerin mit ihrem Traktor eingebrochen war und fast vier Jahre lang mit den Unfallfolgen zu kämpfen hatte.

Der Kreisbote war mit dem Dillishausener Landwirt Georg Lochbrunner auf Spurensuche an Gennach und Salach. In der früheren gemeindlichen Kiesgrube nahe der Gennach haben sich vor vielen Jahren die ersten Biber angesiedelt, erzählt Lochbrunner. „Das war überhaupt kein Problem, dort haben die Tiere niemanden gestört“. Doch die Population habe sehr schnell zugenommen und die Tiere eroberten sich neue Reviere in der näheren Umgebung. Dort fingen dann die Probleme an. Vor allem an Salach und äußerem Moosgraben gruben sich die Biber unter den daneben liegenden Gemeindewegen durch. Die Unterhöhlungen sind inzwischen zur Gefahr vor allem für den landwirtschaftlichen Verkehr geworden.

„Diese Art von Gewässern sind eigentlich für Biber nicht geeignet“, betonte Georg Lochbrunner gegenüber unserer Zeitung. Abgesehen von der Unterhöhlung von Straßen und Wegen setzen die Biber durch ihre Dammbauten die benachbarten Felder unter Wasser. Das sei zwar nicht gefährlich aber ärgerlich, sagt der Landwirt. „Ich mag die Tiere, es kann aber nicht sein, dass die Biber alles kaputt machen.“

Die eingebrochenen Stellen auf den Wegen werden von der Lamerdinger Gemeindeverwaltung schnell wieder aufgefüllt. Allerdings hat man den Eindruck, dass die Gemeinde mit dem Verfüllen kaum hinterher kommt.

Hier ist vor kurzem ein Pkw eingebrochen. Die Biber sorgen mit ihren Unterhöhlungen für Probleme.

Bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Ostallgäu in Marktoberdorf kennt man die Problematik und sucht zusammen mit den ehrenamtlichen Biberbeauftragten nach Lösungen. Oftmals stehen die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde sprichwörtlich zwischen Baum und Borke, denn die Tiere stehen unter strengem Naturschutz. Hinzu kommt, dass Biber in unseren Breiten keine natürlichen Feinde haben. „Der Wolf wäre ein natürlich Feind“, sagt Georg Lochbrunner, „den will aber hier auch niemand haben“.

Eine Umsiedlung von Bibern an andere geeignetere Stellen hält Lochbrunner für wenig sinnvoll, da es nach seiner Beobachtung nur Tage dauern würde, bis die Reviere wieder neu besetzt sind. Die Zahl der Biber habe in den letzten Jahren erheblich zugenommen, betonte der Landwirt. Das bestätigte auch Sandra Trautmann von der Unteren Naturschutzbehörde. Während vor drei Jahren die Zahl der Biberfamilien noch bei 130 lag, schätzt Sandra Trautmann die Zahl heute auf 150 Familien. Die Gesamtzahl der Biber im Landkreis wird auf 1500 geschätzt.

Wegen der Länge der betroffenen Flüsse und Gräben scheiden auch technische Lösungen aus. Das letzte Mittel sei der Abschuss, wenn Gefahr für die Gesundheit besteht oder erhebliche Schäden zu erwarten sind, sagte Trautmann. Sie stuft nach einem Ortstermin in Dillishausen die unterhöhlten Gemeindewege als gefährlich ein. Die betroffene Gemeinde müsse beim Landrats­amt einen entsprechenden Antrag auf Abschuss stellen. Der hätte Aussicht auf Genehmigung, deutete Trautmann an.

Biber sind reine Pflanzenfresser. Sie lieben Getreide, Zuckerrüben, Mais und Raps, aber auch Gemüsesorten stehen auf ihrem Speiseplan. Meist sind die landwirtschaftlichen Schäden gering und viele Landwirte tolerieren daher die Biber. Wenn allerdings Wege unterhöhlt werden, sieht der Fall anders aus.

Größere Schäden musste in der Vergangenheit immer wieder die Fischteichwirtschaft hinnehmen. Es ist vorgekommen, dass über Nacht ganze Fischbestände verendeten, weil Biber die Wasserzuflüsse mit einem Damm versperrten und den Teich trocken legten. Für solche und andere Fälle hat Bayerns Regierung einen freiwilligen Entschädigungsfond in Höhe von 450.000 Euro eingerichtet. Bis zu 80 Prozent der Schäden können erstattet werden.

Für seinen Schaden am Auto hat Landwirt Georg Lochbrunner bisher keine Entschädigung aus dem Fond erhalten. Auch die gemeindliche Unfallversicherung hat erst einmal den Erstattungsanspruch abgewiesen. Das sei höhere Gewalt gewesen, hätte die Gemeinde argumentiert.

von Siegfried Spörer

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