Vielversprechende Buchtipps erwarteten den Leser bei "Lesen und mehr...!" in der Stadtbücherei Kaufbeuren

Bücher für Herz und Verstand

+
Literaturwissenschaftlerin Andrea Zeisberger-Refle (v. li.) und die Bibliothekarinnen Michaela Gemkow und Verena Bickel stellten ihre aktuellen Highlights aus dem Buchmarkt in der Stadtbücherei Kaufbeuren vor.

Kaufbeuren – Zahlreiche Anregungen für neuen Lesestoff und heiße Geheimtipps gab es für den geneigten Leser vergangene Woche in der Stadtbücherei Kaufbeuren. Unter dem Titel „Lesen und mehr...!“ stellten die Bibliothekarinnen Verena Bickel und Michaela Gemkow, Bücher Edele-Filialleitung Simone Page sowie die Literaturwissenschaftlerin Andrea Zeisberger-Refle interessante Neuheiten auf dem Buchmarkt vor.

Die Bandbreite der Genres reichte dabei von Krimi über Liebesroman bis hin zum Sachbuch; leichte Lesekost war ebenso vertreten wie anspruchsvolle Literatur.

Den Anfang machte der viel beachtete Roman „Ein Gentleman in Moskau“ von Amor Towles: Darin wird der Lebemann Graf Rostov im Jahre 1922 in Moskau zu lebenslangem Hausarrest in einem Luxushotel verurteilt. Sein unbändiger Optimismus und die Freundschaft zu einem Mädchen helfen ihm, sich von der Situation nicht unterkriegen zu lassen. Trotz trauriger Momente habe sich der Graf, so Zeisberger-Refle, gut in seinem Mikrokosmos eingerichtet und so besteche der Protagonist vor allem durch seine Menschlichkeit, die er jedem gegenüber gleichermaßen an den Tag legt. Eindrucksvoll fanden Gemkow und Bickel auch die Art, wie er sich von erdrückenden Wänden freimacht.

Norman Ohlers „Die Gleichung des Lebens“ versetzt den Leser in das Jahr 1747, wo Friedrich II. es auf die Trockenlegung des von Fischern bewohnten Oderbruchs abgesehen hat. Dagegen wehren sich die Bewohner vehement und bald gibt es ein Todesopfer... Ein atmosphärischer Roman, der den Umgang mit der Natur, die Wertigkeit verschiedener Lebensformen und die Angst vor dem Fremden thematisiert.

Skurril geht es dagegen in Peter Keglevics „Ich war Hitlers Trauzeuge“ zu: Der Protagonist Harry muss im Dritten Reich vor seinen Häschern untertauchen und da trifft es sich gut, dass gerade ein 1000 Kilometer langer Volkslauf für den Führer stattfindet, dessen Sieger Hitler zum Geburtstag gratulieren darf. Harry mischt sich kurzerhand unter die Läufer und kann sich durch das angenommene „Pseudonym“ retten. Gemkow zufolge gelingt dem tragikomischen Roman die schwere Gratwanderung, die Thematik nicht ins Lächerliche zu ziehen, „auch wenn einem manchmal das Lachen im Halse steckenbleibt“.

Neben diesen Favoriten wurde beispielsweise unter anderem eine Leseempfehlung für Christian von Ditfurths Polit- und Wirtschaftsthriller „Giftflut“ ausgesprochen, in dem die Bevölkerung von rätselhaften Sprengstoffanschlägen erschüttert wird, die die Politik in Panik versetzen. Auf Spurensuche kann man sich auch bei Graeme M. Burnets „Sein blutiges Projekt“ begeben, worin der Sohn eines Landwirts im Schottland des 19. Jahrhunderts drei Menschen auf bestialische Weise ermordet.

Stoff zum Nachdenken bietet Klaus C. Zehrers „Das Genie“, das sich mit der geistigen Optimierung des Menschen auseinandersetzt. Psychologe Sidis wendet bei seinem Sohn, der als Wunderjunge gefeiert wird, eine Methode an, die angeblich jedes Kind zum Genie machen kann. Als Erwachsener verleugnet sein Sohn diese Lernphilosophie und bricht mit dem Leistungsgedanken. Passend dazu läutet Nassim N. Taleb in seinem Sachbuch „Der schwarze Schwan“ das Ende des Wissens und der Wahrscheinlichkeitsrechnung des Menschen ein. Taleb provoziert mit seiner Position, dass das Leben nicht berechenbar ist und es sich bei dem Gedanken „Das war aber bisher so“ um einen Denkfehler handelt.

Wem mehr nach leichter Lektüre zumute ist, wird bei „Die Dame mit dem blauen Koffer“ von Valérie Perrin fündig. Der Roman erzählt eine warmherzige und witzige Geschichte über eine Altenpflegerin und die 90-jährige Dame, um die sie sich liebevoll kümmert, und die sich bevorzugt mit einem blauen Koffer am Strand im Glauben wähnt, von ihrem Mann abgeholt zu werden.

Vor Ort konnten Interessenten alle vorgestellten Bücher ausleihen oder am Büchertisch erwerben, um sich so mit frischer Literatur für die dunkle Jahreszeit einzudecken.

von Mahi Kola

Auch interessant

Meistgelesen

Ehepaar beschuldigt Marktoberdorfer Landwirt der Gewaltanwendung gegen Sohn – Bauer widerspricht
Ehepaar beschuldigt Marktoberdorfer Landwirt der Gewaltanwendung gegen Sohn – Bauer widerspricht
Der Nikolaus war schon da... 
Der Nikolaus war schon da... 
28-jähriger Mann aus Buchloe vermisst
28-jähriger Mann aus Buchloe vermisst
Bestattungen in Kaufbeuren werden teurer
Bestattungen in Kaufbeuren werden teurer

Kommentare