Erster öffentlicher Auftritt

Vier Kandidaten für Bürgermeisteramt in Aitrang

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Die Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Aitrang: Rudolf Röhlich (v. links), Michael Hailand und Marcel Walther. Vierter im Bunde ist Kandidat Hilmar Rebhann. Er wollte sich auf eigenen Wusch hin nicht auf dem Foto abbilden lassen.

Aitrang – Insgesamt vier Kandidaten haben sich vergangene Woche für das Bürgermeisteramt in Aitrang vorgestellt. Ein fünfter sei abgesprungen, gab der amtierende Bürgermeister und künftige Wahlleiter Jürgen Schweikart bekannt.

Moderiert wurde der Abend von den Gemeinderäten Theo Frey und Bernd Großmann, die den Kandidaten in der alphabetischen Reihenfolge ihrer Nachnamen das Wort erteilten:

Der 47-jährige Michael Hailand ist derzeit Sachgebietsleiter beim kommunalen Bauamt des Landratsamtes Ostallgäu. Vor allem durch seine langjährige Tätigkeit in der Verwaltung fühle er sich den Anforderungen des Bürgermeisteramtes gewachsen, sagte Hailand. Thematisch gab er sich sehr breit aufgestellt und sprach in seiner Rede nahezu alle Themenbereiche an, die in Aitrang und seinen Ortsteilen derzeit aktuell sind. Die in Aitrang anstehenden Projekte, wie zum Beispiel den Hochwasserschutz, den Breitbandausbau, die Sanierung der Straßen und Wege, sowie den angestrebten Bahnhalt nannte Hailand „ein Zielgebirge“, über dass er die Gemeinde gerne als „Bergführer“ geleiten wolle – die Ressourcen der Haushaltskasse dabei stets im Blick. Kein Einzelkämpfer wolle er sein, er betonte seine Teamfähigkeit sowie die Tatsache, dass ihm ein gutes Betriebsklima wichtig sei. Des Weiteren unterstrich er seine Verbundenheit mit Aitrang und erwähnte in diesem Zusammenhang, dass dort bereits sein Urgroßvater Bürgermeister gewesen sei. Den Ort selbst bezeichnete er als „Genuss- und Wellnessdorf“, das durch seine kleineren Gewerbebetriebe eine hohe Lebensqualität vor Ort biete. Er benannte in diesem Zusammenhang die zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten im Ort, und äußerte den Wunsch, dass Aitrang in Zukunft auch wieder einen Käseladen bekommen sollte.

Aktuell wohnt Hailand aus familiären Gründen noch in Oberostendorf, kündigte aber an, mittel- bis langfristig seinen Wohnort nach Aitrang zu verlegen.

Als zweiter Kandidat stellte sich der seit 24 Jahren in Aitrang wohnende Polizeibeamte Hilmar Rebhann vor und zwar von Anfang an kämpferisch: „Wenn Sie so weitermachen wollen, wie das hier bisher geschieht, dann ist das hier meine erste und letzte Rede“, verkündete er und stellte die beiden Gemeinderatsmitglieder Frey und Großmann in ihrer Eigenschaft als Moderatoren für die Veranstaltung in Frage, sowie auch den vom Gemeinderat vorbereiteten Fragenkatalog der, so Rebhann, auf einen einzigen Kandidaten zugeschnitten sei. Er wolle alteingesessene Strukturen aufweichen und die Politik in Aitrang transparenter machen. Konkrete Visionen und Vorhaben äußerte er jedoch nicht. Er habe keinen Einblick in die aktuelle Situation, weil er nicht im Gemeinderat tätig sei, erklärte Rebhann.

Nach ihm ergriff der seit 1984 in Aitrang lebende Unternehmer Rudolf Röhlich das Wort. Er sei kein Beamter und sehe die Vorgänge auch nicht durch die „Verwaltungs-Brille“, sondern wolle die Ziele Aitrangs bei ihrer Verwirklichung mit unternehmerischem Können und gesundem Menschenverstand abwägen. Für das Amt des Bürgermeisters qualifiziere ihn sein berufsbedingter Umgang mit Ausgaben und Einnahmen, sowie seine unternehmerische Entscheidungskompetenz. Seine kurze Rede schloss er mit dem Slogan „I bin der Rudi, i bin aus Aitrang und da bin i dahoam“.

Der seit zwei Jahren im Aitranger Ortsteil Neuenried wohnende Marcel Walther gab sich mit seinen 31 Jahren nicht nur jung und dynamisch, sondern auch familienfreundlich und bürgernah. Der ursprünglich gelernte Schreiner arbeitet nun in einem Hotel- und Brauereibetrieb. Privat engagiere er sich seit zehn Jahren als Vorstand des Reitvereins Nesselwang, so Walther. Er forderte Verbesserungen im Nahverkehr, eine Ausweitung der Maßnahmen zum Hochwasserschutz, wobei er explizit auch die Selbstbeteiligung der Bürger erwähnte, die Digitalisierung der Verwaltung für einen besseren Service und eine Ausrichtung der Straßensanierung im Hinblick auf mehr Sicherheit.

Als Fachmann im Bereich des Tourismus bezeichnete er die Situation in Aitrang als „ausbaufähig“. Er wolle ein Konzept entwickeln, das alle interessierten Bewohner mit einbeziehe – unter anderem mit einem gemeinsamen Übernachtungsportal. Ferner zeigte er sich gesprächsbereit, die Personalengpässe im Kindergarten zu beseitigen. Das örtliche Vereinswesen, so Walther, wolle er mit einem „Ehrenamtspreis“ befördern.

Was zeichnet Aitrang aus?

Bei der anschließenden Fragerunde sprachen die Kandidaten jeweils über ihre Fähigkeiten bei der öffentlichen Haushaltsführung, ihre Erfahrungen im Projektmanagement und darüber, was ihrer Meinung nach das „Alleinstellungsmerkmal“ für Aitrang sei. Für Röhlich ist das Naherholungsgebiet Elbsee zu wenig an Aitrang angegliedert. Es werde mit dem Ort nicht ausreichend in Verbindung gebracht, sagte er. Marcel Walter und Michael Hailand unterstrichen die attraktive Mischung aus Tourismus, Landwirtschaft und Naturschutzgebieten, wobei Hailand Aitrang zusätzlich als „das Orgelbauer-Dorf“ bezeichnete und die Musikalität des Ortes lobte.

Zwischendurch wurde wiederholt die Frage diskutiert, ob Aitrang tatsächlich einen hauptamtlichen Bürgermeister brauche. In einem diesbezüglichen Volksentscheid hatten sich die Aitranger Bürger klar dafür ausgesprochen. Hilmar Rebhann sagte dazu, da er in zwei Jahren in Pension gehe, könne er sich vorstellen, die anberaumte Stundenzahl von 40 Stunden, sowie die damit verbundenen Bezüge herunter zu kürzen, sollte der Arbeitsaufwand geringer ausfallen als erwartet. Die drei anderen Kandidaten sprachen sich im Sinne des Bürgerentscheids für ein hauptamtliches Bürgermeisteramt aus. Angesichts der ehrgeizigen Ziele und Baumaßnahmen, die man in Aitrang verfolge, sei das, wenn man seriös arbeiten wolle, unter 40 Stunden nicht schaffbar. Wenn man die Informationspflicht den Bürgern und dem Gemeinderat gegenüber ernst nehme, so würden es oftmals deutlich mehr als 40 Stunden.

Weitere Kandidaten?

Gegen Ende der Veranstaltung forderte ein Zwischenrufer, dass es außer den vier anwesenden doch noch weitere Bürgermeisterkandidaten geben solle. Von Seiten der Gemeinde erging der Hinweis, dies sei bis spätestens 23. Januar, 18 Uhr möglich. Prinzipiell könne sich jeder zur Wahl stellen, der 50 Bürger­unterschriften für seine Kandidatur bekomme. Wie schon in der vorangegangenen Bürgerversammlung wurden die anwesenden Bürger nochmals ermuntert, sich auch für die Gemeinderatswahlen aufstellen zu lassen. Da nur fünf Gemeinderatsmitglieder weitermachen wollten, würden insgesamt sieben neue Gemeinderatsmitglieder gebraucht, um die Sitze zu füllen.

von Felix Gattinger

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