Vavra prophezeit: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten"

Stadtrat beschließt Resolution

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In einer Resolution fordert der Stadtrat Marktoberdorfs den vierspurigen Ausbau der B12 auch bis Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Der Stadtrat fordert in einer aktuellen Resolution an den Bundesverkehrsminister, zusätzlich den vierspurigen Ausbaus der Bundesstraße 12 von Buchloe bis Kempten, zumindest aber bis Marktoberdorf in die Vorrangigkeit aufzunehmen. In der jüngsten Stadtratssitzung wurde der vierspurige Ausbau der B12 behandelt.

Der aktuelle Entwurf des Bundesverkehrswegeplans, der zur Zeit nach den Prüfungen zur Ansicht im Internet verfügbar ist, sieht für die Ortsumgehung Bertoldshofen den „vordringlichen“ Bedarf vor. Der vierspurige Ausbau der B12 von Jengen bis Kaufbeuren wurde ebenfalls als vordringlich bewertet (siehe Seite 3). Der Ausbau von Kaufbeuren bis Kempten wurde allerdings nur als „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ eingestuft (wir berichteten). Sollte es bei dieser Einstufung bleiben, hätte dieses Projekt auf lange Sicht wohl kaum eine Realisierungschance. Mit einer Resolution will nun der Stadtrat den Forderungen nach einem weiteren vierspurigen Ausbau auch bis Marktoberdorf Nachdruck verleihen. 

Stadtrat Werner Moll (Stadtteile AKTIV) forderte zusätzlich, auch die Ortsumgehung B16 in Rieder mit in diese Resolution aufzunehmen. Erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell warnte davor, sich bei der Resolution zu „verzetteln“ und informierte den Stadtrat darüber, dass er die Forderung der Ortsumgehung Rieder in einem bereits vorbereiteten, separaten Brief an den Bundesverkehrsminister richten werde. 

Bis auf die Grünen unterstützen alle Fraktionen einhellig die Resolution. Christian Vávra (Grüne) begründete die fehlende Zustimmung mit den bereits sechs Millionen Fahrbewegungen pro Jahr auf der B12 und mit der Prophezeiung: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“. Weiterhin verwies er darauf, dass durch den autobahnähnlichen Ausbau der B12 der Umweltschutz und der Tierschutz deutlich beeinträchtigt werde. Die Fraktion der Grünen plädiere vielmehr dafür, die Verkehrssicherheit dadurch zu verbessern, indem kritische Stellen schneller beseitigt werden, anstatt einer Planung zuzustimmen, deren Bau möglicherweise erst in zehn Jahren stattfinden werde. „Bäuerliches Leben und Tourismus sind Schwerpunkte im Ostallgäu. Machen wir lieber unsere Hausaufgaben, zum Beispiel im Öffentlichen Personen-Nahverkehr“, so Vávra. 

Verkehrsreferent Franz Barnsteiner (Freie Wähler) bezifferte nach den letzten Zählungen die Anzahl der Fahrzeuge auf der B12 bei Kaufbeuren mit 17.500 Fahrzeuge täglich, auf Höhe Marktoberdorf immerhin noch 15.000 Fahrzeuge. 

Der Stadtrat beschloss mit den ablehnenden Stimmen der Grünen einstimmig die Resolution. Ein Ausbau werde deutlich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beitragen. Ebenso sei der Ausbau für in Marktoberdorf produzierende Unternehmen von existentieller Bedeutung, heißt es in der Begründung. 

Der Stadtrat bat daher in seiner Resolution um die zusätzliche Aufnahme zumindest des Streckenabschnitts der Bundesstraße 12 von Kaufbeuren bis Marktoberdorf (Anschlussstelle Geisenried) – besser aber von Kaufbeuren bis Kempten – in den „vordringlichen Bedarf“ aufzunehmen. Ein durchgehender autobahnähnliche Ausbau läge auch im Interesse der anderen an dieser Strecke liegenden Gemeinden einschließlich der Städte Kempten und Kaufbeuren. 

„Die B12 hat ihren Blutzoll gefordert“, meinte Erster Bürgermeister Dr. Hell. Jetzt müsse sich das ändern.

von Wolfgang Krusche

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