Zehn Jahre intensive Arbeit

Vierter Band der Kaufbeurer Stadtgeschichte über die Ortsteile erscheint im Februar

Rosa Schindele 1926 beim „Bschüttn“.
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Rosa Schindele 1926 beim „Bschüttn“.

Kaufbeuren – Nach zehn Jahren Vorbereitung und Bearbeitung erscheint Anfang Februar der vierte Band der Kaufbeurer Stadtgeschichte.  

384 Seiten sind es geworden. 424 Fotos, 41 Luftbilder, 33 Zeichnungen sowie 40 Wappen und Logos illustrieren die Texte von sechs Autoren. Verleger Josef Bauer beschreibt die ersten Vorgespräche zu einer Kaufbeurer Stadtgeschichte 1959 von Schulrat Arsen Mayer. Weder ihm noch Schulrat Ludwig Reinhard, Studienrat Dr. Karl Zepnik oder Stadtheimatpfleger Dr. Weißfloch gelang der entscheidende Durchbruch. So dauerte es bis zum Jahr 1997, als Kulturpreisträger Jürgen Kraus einen Autorenkreis zur Stadtgeschichte initiierte. 1999 erschien Band eins zur politischen Geschichte und Gegenwart einer Stadt, Herausgeber sind Jürgen Kraus und Stefan Fischer unter Mitarbeit von Stefan Dieter. Zwei Jahre später wurden im Band zwei Kunstgeschichte, Bürgerkultur und religiöses Leben behandelt. 2006 rundete Band drei mit den Themen Sozialgeschichte, Wirtschaftsentwicklung und Bevölkerungsstruktur die Monographie in Fortsetzungen ab. Zumindest vorerst. Denn man war sich 2011 einig: Eine Kaufbeu­rer Stadtgeschichte ist erst dann abgeschlossen und ausgewogen, wenn die historische Überlieferung der Ortsteile Oberbeuren, Hirschzell und Kemnat publiziert wird.

Da nicht genügend ortsansässige Autoren mit historisch fundiertem Hintergrund gefunden werden konnten, nahm der damalige Stadtarchivar Dr. Stefan Fischer Kontakt mit dem Lehrstuhl für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte der Universität Augsburg auf. Der vermittelte 2014 den Historiker Karl Maria Haertle, der das Buch auf Honorarbasis verfassen sollte. Dann sagten Dr. Andreas Weileder, Michael Haller, Markus Schindele, Gerhard Bucher, Markus Pelzl und der Oberbeurer Geschichtskreis um Martin Heiß und Josef Weiß ihre Mitarbeit verbindlich zu. Als Herausgeber waren Dr. Fischer und Dr. Stefan Dieter tätig. Als Zeitplan werden zwei Jahre angesetzt. Haertle konnte aber seit 2016 krankheitsbedingt nur mehr phasenweise arbeiten und starb im Herbst 2018.

Felix Guffler und Katja Padberg sowie Corinna Malek sprangen als Bearbeiter ein. Weileder erkannte, dass noch weitere Fakten, Informationen, Fotos und Dokumente vorhanden sind, die Haertle nicht bekannt waren. Auch von den „freien Mitarbeitern“ in den Ortsteilen kam nochmals zusätzliches Material, so dass sich der Umfang um gut ein Drittel erhöhte.

Luftbilder, Karten und Erklärung der Straßennamen geben eine Übersicht über das behandelte Gebiet. Die Einführung in Quellen und Literatur sowie Ersterwähnung, Ortsname und Wappen der Ortsteile führen den Leser ins Thema ein, bevor sich Weileder mit der Ur- und Frühgeschichte, Römern, Alamannen und Franken beschäftigt. Michael Haller schreibt dann über die Herrschafts- und Besitzstrukturen als Grundlagen der Ortsgeschichte. „Rustikal“ geht es zu beim Beitrag „Oberbeuren als Zankapfel und andere Streitigkeiten in Mittelalter“. Als nächstes wird dargestellt, wie es den drei Kommunen im Königreich Bayern erging. Das Kapitel „Notzeiten“ handelt von Not und Krieg auf dem Dorf in Mittelalter und Früher Neuzeit, von den Napoleonischen Kriegen bis zum Zweiten Weltkrieg; es beschreibt auch Krankheiten, Missernten, Hunger und andere Katastrophen.

Malek schildert das ereignisreiche Leben während der Weimarer Republik. Das „Dritte Reich“ beginnt mit der „Gleichschaltung“ der Gemeinderäte und endet beim Wiederbeginn und Neuaufbau unter amerikanischer Besatzung. Auch der Geschichte von Märzisried ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Viele Leser werden die Gemeindegebietsreform 1971/1972 noch aus eigener Erfahrung in Erinnerung haben.

Das Dorf und seine Leute beschreibt auch die Vita einzelner Persönlichkeiten.

Weileder, Weiß, Heiß, Schindele, Pelzl und Elisabeth Bauer dokumentieren mit Unterstützung zahlreicher Mitbürger im reich bebilderten Kapitel „Einst und jetzt“ viele interessante Gegenüberstellungen mit Fotos und Luftbildern.

Breiten Raum nehmen auch die Entwicklung der Landwirtschaft, die Beschreibung von Leibrecht, Zehnt und Dreifelderwirtschaft sowie die Veränderungen im 20. Jahrhundert ein. Neben der Landwirtschaft boten Handwerk und Gewerbe den Bewohnern der Dörfer Erwerbsmöglichkeiten. Mit der Kirche ist der Wirt Zentrum des Dorfes. Manche Betriebe wie der Gasthof Engel oder der Grüne Baum sorgen noch heute für das leibliche Wohl, andere wie das Café Schantz oder Jakobs Waldcafé in Hirschzell dürften den meisten Lesern nicht mehr persönlich bekannt sein.

Weileder und Haller stellten die Geschichte der Schulen sowie der Pfarreien und die jeweilige Pfarrerliste für die drei Orte zusammen und bebilderten sie. „Gemeinsam sind wir stark“ ist das Motto für die Darstellung der Vereine in den drei Ortsteilen.

Ein Anhang mit Zeittafeln, der Entwicklung der Einwohnerzahlen sowie ein Verzeichnis der Bürgermeister und Gemeinderäte der drei Ortsteile und eine bebilderte Auflistung der aus den eingemeindeten Gebieten stammenden Kaufbeurer Stadtratsmitglieder runden das Buch ab.

Der vierte Band der Kaufbeurer Stadtgeschichte ist in den Buchhandlungen Thalia, Rupprecht und Menzel, bei XL-Foto Langer und Kaufbeuren Tourismus, Edeka Drexel und Hofladen Lehner in Oberbeuren, Bäckerei Koneberg in Irsee, beim Stadtmuseum Kaufbeuren und beim Bauer-Verlag erhältlich.

kb

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