"Volle Kraft voraus!"

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht!“ Oberst Richard Drexl sah bei seiner Neujahrsansprache keinen Grund zu Schwarzmalerei. Fotos: Becker

Beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Bundeswehr und der Stadt Kaufbeuren konnten Oberst Richard Drexl und Oberbürgermeister Stefan Bosse etwa 300 Gäste im Offiziersheim (OHG) der Bundeswehr begrüßen. Der Standortälteste zeigte sich über die Fortführung der Tradition in Form eines gemeinsamen Empfanges mit der Stadt erfreut und sah darin einen Beweis für die offene Kaserne über alle Grenzen hinweg. Bosse möchte mit dem Motto „volle Kraft voraus“ alle Bürger anspornen. In Anlehnung an die Luftwaffe sprach er von einer überwundenen „Sichtflugphase“. Nun gelte es, die vorhandenen Chancen zu nutzen.

Oberst Drexl ging in seiner Ansprache auf die zu erwartende Strukturreform in der Bundeswehr ein. Veränderungen habe es immer gegeben und die bisher größte sei der Umformprozess der Streitkräfte nach der Wiedervereinigung gewesen. „Doch es besteht kein Anlass zu Schwarzmalerei“, so der Kommandeur. Auch wenn der sinkende Ausbildungsbedarf in der Luftwaffe zwangsläufig Auswirkungen auf die Technische Schule haben müsse. Die TSLw 1 habe ihre Hausaufgaben gemacht. Und in einer schulinternen Umfrage konnte mit einer Steigerung gegenüber 2008 ein Höchstmaß an Identifikation der Beschäftigten des Fliegerhorstes mit der Ausbildungseinrichtung festgestellt werden. Ehrgeiziges Ziel In einem Gespräch mit dem KREISBOTE am Rande des Neujahrsempfanges über die Zukunft der Schule sagte der Oberst: „Die Frage nach einer Funktion der Technischen Schule stellt sich für mich nicht, aber in welcher Organisationsform?“ Den Zeitplan für die geplante Strukturreform sah der Kommandeur als ehrgeiziges Ziel und bezog sich dabei auf die von der Weizsäcker-Kommision über mehrere Jahre verlaufene Anpassung. Die aus seiner Sicht mit der Umorganisation des Ministeriums und der daran anschließenden Definition des Auftrages und Umfanges der Streitkräfte könnte sich durchaus noch länger hinziehen. Erst in einem dritten Schritt werde wohl die Standort-Frage behandelt. Wehrpflichtwegfall Die eigentliche Zäsur der Reform ist nach Auffassung des Kommandeurs der Wegfall des Grundwehrdienstes. Auch wenn bei etwa 1100 Beschäftigten nur rund 50 Grundwehrdienstleistende an der TSLw 1 nicht stark ins Gewicht fielen. Doch sie hatten wichtige Funktionen in den Betreuungseinrichtungen wahrgenommen. Beispielhaft nannte Drexl die Tätigkeit in der OHG, die auch der jetzige MdB Stephan Stracke schon als Wehrpflichtiger ausgeübt hatte. Neben den sozialen und gesellschaftlichen Funktionen bei der Unterstützung vieler Projekte verwies der Oberst auf den politischen Faktor. Der Kaufbeurer Dialog habe sich etabliert und werde weiter geführt. Lokale Entwicklung Oberbürgermeister Bosse ging auf die Entfremdung zwischen Menschen und Politik ein. Dies sei ein Boden, auf dem Verweigerung als akzeptierte gesellschaftliche Grundhaltung entstehe. Mit persönlicher Glaubwürdigkeit und Vermeidung von Generalisierungen müsse dem entgegen getreten werden. Im Hinblick auf die lokale Entwicklung verwies Bosse auf die Erfolge mit der Einrichtung des Technologie-Transferzentrums und der Etablierung eines Teils der Finanzfachhochschule bis 2020. Das Thema Integration ist in Kaufbeuren gelebte Wirklichkeit in etwa 90 Projekten. Mit Blick auf die Veränderungen in der Bundeswehr sah der Kaufbeurer OB durch die Abschaffung der Wehrpflicht und den Wegfall des Zivildienstes Einschnitte im zivilen Bereich. Er betonte das nachhaltige Interesse an der Sicherung des Standortes: „Dies ist unser sechster Stadtteil, er liegt im Herzen Kaufbeurens und wir wollen, dass dies auch so bleibt.“ Bosse wünschte sich noch viele gemeinsame Neujahrsempfänge und gratulierte in einem Rückblick seinem Vorgänger Dr. Andreas Knie zur bestandenen Promotion.

Meistgelesen

Eiskalt durch den Dreck
Eiskalt durch den Dreck
Taliban-Kommandeur im Ostallgäu festgenommen
Taliban-Kommandeur im Ostallgäu festgenommen
Frau klettert auf Laterne und kommt nicht mehr herunter
Frau klettert auf Laterne und kommt nicht mehr herunter
Kinotipp: "Die versunkene Stadt Z"
Kinotipp: "Die versunkene Stadt Z"

Kommentare