Ausstellung im Stadtmuseum

Völkerwanderung heute

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Circa 30 Prozent Migranten aus 114 Nationen leben in Kaufbeu­ren. Das Projekt „Kaufbeurens Geschichte weitererzählen“ im Stadtmuseum hinterfragt, wie sie hier leben und wie sie Kaufbeuren erleben.

Kaufbeuren – Kürzlich wurde im Stadtmuseum vor einem großen, interessierten Publikum die Ausstellung „Vom Wegmüssen und Ankommen“ eröffnet. Passenderweise wurde die Vernissage musikalisch umrahmt von „Aggenstein“, dem Vocal-Ensemble der Kulturwerkstatt unter der Leitung von Manfred Eggensberger und mit der jungen Solistin Eden aus Eritrea.

„Vom Wegmüssen und Ankommen“ ist eine weitere Ausstellung zum Thema Migration, die das Stadtmuseum Kauf­beuren anlässlich des 70-jährigen Bestehens von Neugablonz in Kooperation mit dem Isergebirgs-Museum Neugablonz und parallel zur Fotoausstellung „70 Jahre Neugablonz“ präsentiert. Die Por­trätfotos der Bielefelder Fotografin Hermine Oberück und die Texte der Mindener Kulturmanagerin Gertraud Strohm-Katzer erzählen Geschichten von Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland gekommen sind. 

Ob Gastarbeiter, Heimatvertriebene, aus religiösen oder politischen Motiven Verfolgte, Kriegs- oder Wirtschaftsflüchtlinge, sie alle haben ihre Heimat verlassen und hoffen in der Fremde auf eine neue, bessere Zukunft. Die Ausstellung soll zur Begegnung mit diesen Menschen und ihren Schicksalen einladen. 

2006 begonnen, enthält die Ausstellung mittlerweile mehr als 70 Porträts und persönliche Aussagen. Es werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen „Migrationsgeschichten“ deutlich. Bereits 19 Stationen hat die Ausstellung bisher durchlaufen, an jedem Ort hat sich der Kreis der Porträtierten erweitert. Auch jetzt in Kaufbeuren sind wieder drei neue Porträts hinzugekommen. 

Dabei fällt auf, dass die Porträtierten – wenn es sich nicht gerade um afrikanisch- oder asiatisch-stämmige Menschen handelt – auf den ersten Blick nicht von alteingesessenen Einheimischen zu unterscheiden sind. In vielen der Texte kommt jedoch zum Ausdruck, dass unabhängig von der Herkunft die Sprachbarriere mit das größte Problem ist. 

Begleitend zur Fotoausstellung findet unter der Leitung der Kuratorin Frauke Miera das Projekt „Kaufbeurens Geschichte weitererzählen“ statt, bei dem sich neun Teilnehmer mit Migrationshintergrund mit der Situation der Migranten in Kaufbeuren befassen. In Kaufbeuren haben etwa 30 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund und gehören rund 114 Nationalitäten an. 

Nicht erst seit den letzten Monaten flüchten Menschen vor Hunger, Krieg oder Umweltkatastrophen, zu allen Zeiten haben Fremde auch in Kaufbeuren Zuflucht und eine neue Heimat gesucht: Russlanddeutsche Spätaussiedler, Gastarbeiter aus vielen Ländern oder die Sudetendeutschen Heimatvertriebenen. Geht man in der Geschichte weiter zurück, stößt man im 18. Jahrhundert auf den Durchzug der Salzburger Exulanten bis hin zur großen Völkerwanderung im 4. bis 6. Jahrhundert. Migration gab es immer. 

Die Projektteilnehmer haben bei den heutigen Migranten nachgefragt: Was macht Kaufbeuren aus im Vergleich zu anderen Städten, in denen sie gelebt haben? Was gefällt ihnen? Was nicht? Und was wäre die Stadt ohne Migranten? Auch die Besucher sind eingeladen, Kommentare abzugeben, die vom Projektteam nach und nach in die Ausstellung eingearbeitet werden. Das Projekt wird unterstützt vom EU-Förderprogramm EMEE (Eurovision - Museums Exhibiting Europe). Kooperationspartner sind hier die Universität Augsburg sowie die Volkshochschule Kaufbeuren.

von Ingrid Zasche


Ausstellung „Vom Wegmüssen und Ankommen“ noch bis zum 3. Juli 2016, im Stadtmuseum Kaufbeuren, Kaisergäßchen 12-14, Tel. 08341-9668390 E-Mail-Adresse: stadtmuseum@kaufbeuren.de

Mehr Infos unter: www.stadtmuseum-kaufbeuren.de/de/aktuelles; www.isergebirgs-museum.de; http://www.migrationsausstellung.de/; http://www.museums-exhibiting-europe.eu/

Besucher des Isergebirgs-Museums erhalten gegen Vorlage der Eintrittskarte ermäßigten Eintritt ins Stadtmuseum.


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