"Von der Baustelle zur Schaustelle"

Gut gelaunt übergibt Architekt Marcus Lembach (Mitte) die Schlüsselgewalt an Stadtoberhaupt Stefan Bosse, der den Schlüssel an Dr. Astrid Pellengahr, die Leiterin des Museums, weiterreicht.

Noch sind sie innen kahl und leer, die sanierten alten und die neu da- zugebauten Räume des Stadtmuseums im Kaisergäßchen. Aber im Vergleich zum Rohbaufest vor einem Jahr hat sich inzwischen doch etliches getan, wovon sich zahlreiche Besucher beim Muse- umsfest am vergangegen Sonntag überzeugen konnten.

Das Gerüst vor der Fassade ist mittlerweile abgebaut, die Wände sind verputzt und gestrichen, die Böden verlegt, Steckdosen und Beleuchtungskörper sind installiert, die Catering-Küche benutzbar und so- gar Museumshocker gibt es bereits dank einer spontanen Spende der Museumsfreunde. Mikrophone und Lautsprecher wurden ebenfalls bereits angeschlossen, so dass auch der letzte der zahlreichen Besucher den ökumenischen Segen von Stadtpfarrer Thomas Renftle und Pfarrer Thomas Kretschmar verfolgen konnte. „Ein Gebäude, das derartig viele sakrale Kunstwerke beherbergen wird, tut sicherlich gut daran, den Segen des Allmächtigen zu erbitten“, meinte Oberbürgermeister Stefan Bos- se in seinem Grußwort und hielt Rückschau auf die Bauzeit. Marcus Lembach vom Architektenteam Metaraum (Stuttgart) stellte das Planungs- konzept eines „dienenden“ Gebäudes vor, welches das bestehende Alte nicht erschlägt, sondern entlastet und sich „wie eine Plombe“ in den vorhandenen Raum einfügt. Dann übergab er die Schlüsselgewalt an den Bauherrn, OB Stefan Bosse. Dr. Rainer Jehl vom Freundeskreis des Kaufbeurer Stadtmuseums zitierte philosophische Betrachtungen des französischen Zeitgenossen André Comte-Sponville und wies auf das am 17. November dieses Jahres zugunsten des Museums im Stadtsaal veranstaltete Benefizkonzert hin mit Werken von unbekannten oder vergessenen Kaufbeurer Künstlern. In wohlgesetzten Worten dankte schließlich Dr. Astrid Pellengahr, die Leiterin des Museums, allen mit denen sie im Laufe der Planungs- und Bauarbeiten zu tun gehabt hatte. „Gute Architekten bekommen Preise – gute Bauleiter bisher noch nicht, daher habe ich den Bauleiter-Preis in Gold, Silber und Bronze kreiert“, sagte sie und überreichte verschmitzt lächelnd die auf entsprechende Sockel montierten Playmobil-Männchen. Ebenfalls nicht „tierisch ernst“ gemeint war die musikalische und szenische virtuelle Führung von Franz Tröger und Nadine Panjas durch die künftigen Themenräume. Mit improvisierten Requisiten wie Umzugskartons als Bühne und Tisch oder einem Eierschneider als Zither stellten sie unter anderem eine Szene aus Ganghofers „Schloss Hubertushof“ dar. Die Architektin Wallie Heinisch führte anschließend durch das Gebäude und erläuterte noch einmal im Detail das zugrunde liegende Konzept. Im 1. Obergeschoss in der künftigen Abteilung zum 20. Jahrhundert wurde der Stadtfilm von 1924 vorgeführt. Auch der Museumspädagogik-Raum im 2. Geschoss kann bereits genutzt werden. Dieser ragt mit einem frechen Eck ins Kaisergäßchen hinein und ist so nicht nur ein besonderer „Hingucker“, sondern erlaubt auch einen wunderbaren Blick über die Alt- stadtdächer. Hier durften Kinder und jung gebliebene Besucher den „Museumsbewohner Helmut Holzwurm“ aus Filz basteln. Wenn alles nach Plan verläuft, wird im Sommer 2013 das „runderneuerte“ Stadtmuseum wieder seine Pforten für Besucher öffnen.

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