"Vor überzogenen Erwartungen hüten"

Beim Informationsbesuch (v. rechts): OB Bosse, MdB Hahn, Oberst Drexl, MdB Brandl und MdB Stracke. Foto: Becker

Eine geballte Ladung Politik konnte Oberst Richard Drexl als Kommandeur der Technischen Schule der Luftwaffe (TSLw 1) dieser Tage auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren begrüßen. Die drei CSU-Abgeordneten des Deutschen Bundestages Stephan Stracke (Wahlkreis Ostallgäu), Dr. Reinhard Brandl (Ingolstadt) und Florian Hahn (München Land /Krailling) informierten sich vor Ort über das Leistungsspektrum der Ausbildungseinrichtung. Auch OB Stefan Bosse freute sich über das Interesse der Abgeordneten und warb für den Standort Kaufbeuren. Nach den Plänen des Verteidigungsministers wird mit der größten Strukturreform seit Bestehen der Bundeswehr eine erhebliche Reduzierung der Streitkräfte stattfinden. Zwangsläufig wird dies auch zu Standortschließungen führen. Als Abgeordneter liegen Stracke die in seinem Wahlkreis liegenden Standorte Kaufbeuren und Füssen am Herzen.

Stracke hatte als ehemaliger Wehrpflichtiger an der alten Wirkungsstätte im Offiziersheim der TSLw 1 ein Heimspiel. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit als gelernter Jurist liegen im Bundestag in den Bereichen Gesundheit, Verkehr und Stadtentwicklung. Er baut daher auch auf die Unterstützung seiner Parteifreunde Hahn und Dr. Brandl, die beide Mitglieder im Verteidigungsausschuss sind. Dabei sind sie in der Gesamtfraktion der CDU/CSU sowohl für die Luftwaffe als auch für die Ausbildung von Offizieren und die Bundeswehrhochschulen zuständig. Nach einem Briefing in die Organisation der TSLw 1 waren die Ausbildung am Eurofighter und im Simulator für das Flugsicherungspersonal Schwerpunkte des Besuches. Die beiden Abgeordneten kannten die TSLw 1 nicht und waren beeindruckt vom technischen Stand und hohen Leistungsvermögen der militärischen Einrichtung. Argumente sammeln Die neue Bundeswehrstruktur wird sich nach Ansicht der Abgeordneten an der Realität der zu bewältigenden Aufgaben in entsprechender Effizienz und Qualität orientieren. Die Attraktivität spielt sicherlich auch eine Rolle. Klar ist, dass man letztendlich erst nach einer Strukturentscheidung über die zukünftige Zusammensetzung der Truppe erkennen kann, wohin der Weg geht. Eine Standortentscheidung falle frühestens Mitte nächsten Jahres. Mögliche Spielräume müssten noch geprüft werden. Doch vor überzogenen Erwartungen solle man sich hüten. Denn jeder Abgeordnete werde für seinen im Wahlkreis betroffenen Standort kämpfen. Allerdings seien Argumente ein wichtiges Instrument. „Es kommt auf die Argumente an, aber man muss sie auch kennen“, so Florian Hahn. „Und wir sind gerade dabei, Argumente zu sammeln“, ergänzt Dr. Brandl. Und fügt hinzu: „Unsere Arbeit in Berlin gleicht dem Bohren dicker Bretter!“ Eine allgemeine Dienstpflicht für junge Frauen und Männer lässt sich aus mehreren Gründen nicht einführen. Sowohl juristische aber insbesondere fiskalische Gründe sprächen gegen eine solche Lösung. Denn die Schaffung von etwa 800000 Dienstposten für alle Jugendlichen eines Jahrganges wären ein enormer Kostenfaktor. Doch laut Stracke geht es nicht nur um die Wehrpflicht. „Es handelt sich auch um ein gesellschaftspolitisches Problem, bei dem die Tätigkeit im Ehrenamt wie zum Beispiel beim BRK und THW betrachtet werden müssen“, so Stracke. Man müsse Anreize schaffen und auf Freiwilligkeit setzen. Oberbürgermeister Stefan Bosse warb für den Standort und lobte die Bundeswehr auch für ihr soziales Engagement. Als einer der beliebtesten Standorte der Luftwaffe sei die Schule zugleich größter Arbeitgeber vor Ort. Dies sei für Kaufbeuren als eine der wirtschaftlich schwachen Städte ein wesentlicher Faktor. Er überreichte den Abgeordneten zur Erinnerung an ihren Besuch in Kaufbeuren die jüngst erschienenen Postkartenansichten über die Stadt und einen kleinen Würfel, der bei schwierigen Entscheidungen in der Standortfrage benutzt werden könne. „Aber“, so fügte der OB schmunzelnd hinzu, „diese Würfel sind allerdings so präpariert, dass Kaufbeuren gewinnt."

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