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Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Kaufbeuren-Ostallgäu verfolgt in Corona-Krise zwei Ziele

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Maximilian Schatz, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsjunioren: „Wir müssen jetzt neue Wege finden, um unsere Unternehmen in und nach der Krise stabil weiter zu führen.“

Kaufbeuren/Ostallgäu – Als Verband junger unternehmerischer Führungskräfte mit sozialem Gewissen sehen sich die Wirtschaftsjunioren in der aktuellen Situation der Corona-Krise besonders gefordert. Für den Kreisbote sprach Redakteur Ingo Busch darüber mit dem Vorstandsvorsitzenden Maximilian Schatz, Immobilienunternehmer in Kaufbeuren.

Herr Schatz, die derzeitige Situation ist offensichtlich alles andere als gut für kleine und mittlere Unternehmen, Freiberufler, Handwerker und Dienstleister, also für die Mitglieder des Netzwerkes. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Schatz: Alles andere als gut ist noch untertrieben. Unsere Mitglieder bilden ein weites Spektrum von Unternehmen ab. Dazu gehören neben Führungskräften aus Industrie-Unternehmen etwa auch Banker, Betreiber von Reisebüros, Steuerberater, Rechtsanwälte, Geschäftsführer von kleinen IT-Firmen, Marketing-Berater sowie Dienstleister in verschiedenen Branchen. Um uns ein Bild machen zu können, haben wir jetzt erste Gespräche mit Mitgliedern geführt. Das Ergebnis war niederschmetternd: Alle fühlen eine große Belastung, die sich jedoch nicht aus der eigentlichen Tätigkeit ergibt. Sie entsteht daraus, dass in großem Umfang Aufträge storniert werden, ohne dass neue Bestellungen oder Kunden in Aussicht wären. Und das betrifft fast alle, mit denen wir bisher Kontakt hatten. Besonders die Planungsunsicherheit, die Frage, wie lange diese Situation noch anhält und wie schwer die Folgen sein werden, bereitet unseren Mitgliedern größte Sorgen.

Was unternimmt das Netzwerk in dieser Situation?

Schatz: Erst einmal machen wir das, was alle tun: Wir versuchen uns vom ersten Schock zu erholen und herauszufinden, was eigentlich vor sich geht. Dazu haben wir jetzt an alle Mitglieder einen Fragebogen geschickt, in dem sie gebeten werden, ihre Probleme konkret auf ihre Branche und ihr Unternehmen bezogen darzustellen. Wir werden in dieser Woche die zurückgesandten Fragebögen analysieren.

Was soll aus dieser Analyse abgeleitet werden?

Schatz: Wir verfolgen zwei Ziele. Zum ersten wollen wir aus den gesammelten Informationen eine „Stimme der Wirtschaftsjunioren“ bilden. Das heißt, wir beabsichtigen, unsere gemeinsame Einschätzung der Situation, verbunden mit ersten Vorstellungen zur Überwindung der Krise, zu formulieren. Darüber hinaus hoffen wir, aus den gewonnenen Informationen erste Hinweise auf mögliche Alternativen, etwa zum klassischen Kundenkontakt, ableiten zu können. Dabei setzen wir auch auf die gegenseitige Hilfe unserer Mitglieder. So könnten IT- und Marketingexperten andere Mitglieder dabei unterstützen, bereits während der Ausgangsbeschränkungen neue Vertriebskanäle aufzubauen. Zum anderen möchten wir aber auch eine Plattform bieten, um unsere Mitglieder und deren Kunden auf alternative Angebote, etwa Online-Services oder andere neue Geschäftsmodelle aufmerksam zu machen. Das lässt sich zunächst mithilfe unserer sozialen Medien umsetzen. Wir suchen aber auch breiteren Kontakt zur Öffentlichkeit. Ziel ist es dabei nicht nur, neue Geschäftsmodelle aufzuzeigen. Wir hoffen auch auf eine rasche und effiziente Vernetzung mit anderen Verbänden, mit weiteren Unternehmen und mit Kommunalpolitikern. Ich denke, diese Krise wird uns alle dazu bringen, viel enger und kooperativer zusammenzuarbeiten als in der Vergangenheit.

Und was sind dann die nächste Schritte?

Schatz: Wir werden versuchen, innerhalb unseres Netzwerks und unserer Möglichkeiten möglichst viele Kontakte herzustellen und mithilfe von Informationen Unterstützung zu geben. Wir appellieren dabei auch an jeden Einzelnen, den Unternehmen in der Region so weit wie möglich treu zu bleiben und diese nachhaltig zu unterstützen

Und in der weiteren Perspektive?

Schatz: In Zukunft wird sich sicherlich ein Wandel in der Arbeitswelt ergeben, den wir begleiten möchten. Ich könnte mir etwa vorstellen, dass Arbeit im Homeoffice sich auch nach der Krisensituation viel stärken etablieren wird als bisher. Die regionale Solidarität und eine stärkere Versorgung für Grundbedürfnisse aus lokalen Quellen halte ich ebenfalls für notwendig. Wir Wirtschaftsjunioren sehen uns als die Zukunft des Unternehmertums – denn wir werden alle noch lange in der aufziehenden „neuen Welt“ neue Wege finden müssen.

Sehen Sie hier auch eine Aufgabe der Presse?

Schatz: Unbedingt. Wir sind es zunehmend gewöhnt, im „Kasten“ der sozialen Medien zu sitzen, in dem wir nur mit Gleichgesinnten kommunizieren. Die redaktionelle Begleitung der Presse gewährleistete allerdings schon in der Vergangenheit viel bessere Erreichbarkeit von Interessenten als viele andere Medien. Ich denke, gerade preiswerte oder für den Leser sogar kostenlose Printmedien werden uns auch künftig erlauben, all die Ziel- und Altersgruppen zu erreichen, die während und nach der Krise wieder mehr an Bedeutung gewinnen. Eine Aufgabe der Presse wird es wohl auch sein, den breiten gesellschaftlichen Dialog wieder in Gang zu bringen und unter den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen aufrecht zu erhalten. Deshalb würden wir uns auch sehr freuen, wenn der Kreisbote weiterhin über die Ergebnisse unserer Fragebogenaktion und die daraus abgeleiteten Initiativen berichtet.

Wir werden diese wie auch hoffentlich zahlreiche andere Initiativen verfolgen und darüber berichten. Auch für uns ist es wichtig, dass wir alle Wege finden, um die Krise zu überwinden.

Die Wirtschaftsjunioren Kaufbeuren-Ostallgäu sind ein Netzwerk von etwa 100 Unternehmern, unternehmerischen Führungskräften und leitenden Angestellten aus der Großregion Allgäu. Der Beitritt steht Personen unter 40 Jahren offen. Mitglieder, die diese Altersgrenze überschreiten, werden automatisch zu Fördermitgliedern mit eingeschränkten Rechten – was nicht heißt, dass die Erwartungen an ihren Beitrag zur Lösung der anstehenden Aufgaben zurückgeschraubt werden. Diese Aufgaben bestehen sowohl in der Förderung von Kompetenz und Initiativen der Mitglieder, als auch im Engagement für regionale wirtschaftliche Belange und in der Förderung sozialer Projekte.

von Ingo Busch

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