Aktienbrauerei ist nicht gleich Aktienbrauerei: Zwei getrennt operierende Unternehmen im Brau- sowie im Immobiliengeschäft

"Kein Ausverkauf der Traditionsmarke"

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Vorstand Werner Sill spricht über den Verkauf der Aktien der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG.

Kaufbeuren – Es war ein Börsengeschäft im großen Stil, als am 19. August genau 49.841 Stückaktien der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG an der Münchner Börse ihren Besitzer wechselten. Das amerikanische Unternehmen JP‘s Nevada Trust ist seitdem mit 91,5 Prozent der Anteile neuer Hauptaktionär der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG. Eine Meldung, die in der Region zunächst für Irritation sorgte.

Hatte sich nun etwa ein amerikanischer Investor die Traditionsbrauerei einverleibt? Mitnichten, betont Werner Sill, Vorstand der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG und Geschäftsführer der ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH. Und er erläutert im Gespräch mit dem Kreisbote, warum ABK-Bier und Braugeschäft vom Wechsel des Hauptaktionärs völlig unberührt bleiben.

Herr Sill, was ist an der Meldung dran, JP‘s Nevada Trust habe die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG übernommen?

Sill: Diese Meldung ist grundsätzlich richtig. Allerdings ist die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG nicht zu verwechseln mit der ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH. Dies sind zwei getrennt voneinander arbeitende Unternehmen: Die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG ist eine reine Immobiliengesellschaft mit dem Zweck, Gebäude und Grundstücke zu kaufen, zu entwickeln, zu verwalten und zu verkaufen sowie bestimmte Beteiligungen zu halten. Das Brauereigeschäft ist seit 2013 in der ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH ausgegliedert – und damit von der aktuellen Übernahme überhaupt nicht betroffen (siehe Grafik).

Aktienbrauerei ist nicht gleich Aktienbrauerei: Zwei getrennt operierende Unternehmen im Brau- sowie im Immobiliengeschäft.

Was wird sich mit dem neuen Hauptaktionär JP‘s Nevada Trust für die AG ändern?

Sill: An der Ausrichtung der AG, die durch ihre Satzung festgelegt ist, ändert sich zunächst nichts. Auch JP‘s Nevada Trust engagiert sich weltweit in Immobilien und Hotelbauten. Ich kann mir daher vorstellen, dass sich das Unternehmen in Europa einen Standort gesucht hat, um sein Portfolio auszubauen und seine Immobiliengeschäfte weiterzuentwickeln. Dabei gibt es durchaus Überschneidungen mit dem Geschäftsfeld der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG.

Wie wird es in den kommenden Wochen weitergehen?

Sill: Durch die Übernahme wird sich auch der Aufsichtsrat neu konstituieren. Die Brüder Hans-Theodor und Peter Ralf Stritzl, die bisherigen Mehrheitsaktionäre, werden vermutlich ihre beiden Plätze im Aufsichtsrat aufgeben, die dann durch JP‘s Nevada Trust besetzt werden. Neue Pläne oder eine Veränderung der strategischen Ausrichtung müssten dann den Aktionären bei der nächsten Hauptversammlung im Mai 2018 vorgestellt werden.

Als Vorstand der Aktienbrauerei AG leiten Sie die Geschäfte der Gesellschaft. Was erwarten Sie sich vom neuen Hauptaktionär?

Sill: Ich denke, dass uns dieses Engagement neue Perspektiven auf dem internationalen Immobilienmarkt eröffnet.

Woran wird sich aber definitiv nichts ändern?

Sill: Die Übernahme der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG hat definitiv keine Auswirkung auf das Braugeschäft der ABK GmbH, auf seine Mitarbeiter, Kunden oder Partner. Und sicherlich auch keinen Einfluss auf die Qualität des Bieres (lacht). Es hat kein Ausverkauf der Traditionsmarke stattgefunden. Das Biergeschäft und unsere Jahrhunderte alte Braukunst ist und bleibt in regionaler Hand. Das Bier der Aktienbrauerei ist seinen Wurzeln treu, der Heimat und dem bayerischen Reinheitsgebot verbunden – ein regionaler Schatz, der übrigens gerade von internationalen Kunden und Investoren sehr geschätzt wird.

Erobert denn die verhältnismäßig kleine Kaufbeurer Brauerei schon die ganze Welt?

Sill: Tatsächlich setzen wir uns dank der guten Qualität unserer Produkte immer wieder gegen die Konkurrenz der großen, internationalen Konzerne durch. So hat ABK-Bier beispielsweise die Ausschreibung des englischen Oktoberfests bei Bristol gewonnen, wo wir rund 6.000 Hektoliter Bier ausschenken werden. Ebenso wird ABK-Bier seit dem Jahr 2005 beim European Beer Star Award mit Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze regelmäßig prämiert. Zu Recht natürlich, dank der Spitzenqualität unserer Biere. Das hat bisher keine andere Brauerei im Allgäu geschafft.

Herr Sill, vielen Dank für das Gespräch.

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