"Erfolgreich behauptet"

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Daten und Zahlen: Trotz schlechter Rahmenbedingen kann die VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu auf eine gute Bilanz für das Jahr 2015 blicken.

Kaufbeuren – „Wir haben uns in einem herausfordernden Marktumfeld erfolgreich behauptet und ein gutes Jahr hinter uns, obwohl die Rahmenbedingungen schlecht waren.“ Das ist das Fazit von Vorstandssprecher Dr. Hermann Starnecker von der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu anlässlich der vorgestellten Bilanzen für das Geschäftsjahr 2015. Trotz sinkender Zinserträge und höherer Kosten sind bei den relevanten Daten Wachstumsgewinne zu verzeichnen.

Die größte Genossenschaftsbank der Region sieht ihre Position damit weiter gestärkt. Die Bank fühlt sich in ihrer Geschäftspolitik auch durch die in diesem Jahr erfolgte Auszeichnung als bester Berater in Kaufbeuren für Privat- und Firmenkunden durch das Finanzmagazin „Focus Money“ bestärkt. 

„Das Vertrauen der Kunden zu uns zeichnet sich aus. Wir sind ein Spiegelbild der Gesellschaft, in Vereinen und Organisationen vernetzt und als Finanzpartner geschätzt“, sagte Starnecker bei der Vorstellung der Zahlen zusammen mit Vorstand Christoph Huber. Das sei die Basis für die gute Entwicklung im Kredit- und Einlagengeschäft trotz Niedrigzinsumfeld. Dies spiegelt sich auch in der Bilanzsumme wider, die zum Jahresende bei gut 1,4 Milliarden Euro und damit 2,3 Prozent höher lag als im Vorjahr. Ebenfalls positiv entwickelte sich der Kreditbestand mit einem Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zu 2014. Ein deutliches Wachstum gab es bei den Wohnbaudarlehen: Diese stiegen im Vergleich zu 2014 um 8,7 Prozent. 

Auch das Einlagengeschäft verlief besser als erwartet. Die Kunden hatten der VR Bank zum Jahresende Einlagen in Höhe von 1,16 Millionen Euro anvertraut – das sind 4,3 Prozent mehr als 2014. Die Eigenkapitalausstattung zur schrittweisen Erhöhung des Eigenkapitals bis 2019 belief sich zum Jahresende 2015 auf 12,41 Prozent und liegt damit deutlich über der derzeit geltenden Mindestquote. „Das ist ein solider Puffer für alle Herausforderungen, die das Niedrigzinsumfeld in den kommenden Jahren noch bringt“, so der Vorstandvorsitzende. 

Belastungen 

Trotz leicht gestiegener Bilanzsumme ist der Bilanzgewinn um rund 800.000 Euro auf zwei Millionen Euro gefallen. Das hat nach den Worten der Vorstände mehrere Gründe. Der deutliche Rückgang beim Zinsergebnis sei der anhaltenden Niedrigzinsphase geschuldet. Erstmals fällig wurde 2015 zudem die europäische Bankabgabe, die mit knapp 70.000 Euro zu Buche schlug. Die zunehmenden Regulierungsanforderungen sowie überzogener Formalismus binden verstärkt Ressourcen und führen zu stetig steigenden Verwaltungskosten: Der Verwaltungsaufwand summierte sich im vergangenen Jahr auf 28,6 Millionen Euro. Dies alles wird nach den Worten der Vorstände wohl zu einer Anpassung der Dividende führen. 

Investitionen 

Die Fort- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter ließ sich die Bank in 2015 rund 365.000 Euro kosten. „Aufgrund der gestiegenen Anforderungen sind regelmäßige Schulungen unverzichtbar“, sagt Starnecker, „und es zahlt sich aus, wie der Test von Focus Money gezeigt hat.“ Die Auszeichnung gelte für die gesamte Bank und für alle Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten lag Ende 2015 bei 383. Das sind bedingt durch natürliche Fluktuation 16 Mitarbeiter weniger als im Vorjahr. Die Bank hat in den Umbau einiger Geschäftsstellen investiert und rund 160.000 Euro an Spenden in der Region vergeben. 

Ausblick auf 2016 

Aufgrund geringer Auslastung waren fünf kleinere Filialen geschlossen worden. „Die Digitalisierung steigt. Inzwischen nutzen 43 Prozent unserer Kunden Onlinebanking, Tendenz weiter steigend“, sagte Vorstand Huber, „und 90 Prozent des täglichen Zahlungsverkehrs ist am Telefon möglich.“ Daher werde die Bank in den kommenden Jahren ihr digitales Angebot weiter ausbauen. „Wir bleiben weiterhin nah an unseren Kunden – mit unseren Geschäftsstellen vor Ort genauso wie mit unserer Präsenz am Telefon und im Internet“, ergänzte Starnecker, „und wir machen uns intensiv Gedanken, was der Kunde zukünftig vor Ort braucht.“ 

Absagen 

Der Vorstandssprecher lehnt eine gemeinsame europäische Einlagensicherung ab: „Der Sparer zahlt die Zeche dafür, dass andere Länder ihren Haushalt nicht geregelt bekommen. Es entsteht nicht mehr Finanzstabilität, wenn solide Banken und ihre Sicherungstöpfe dafür herhalten müssen, Defizite in anderen Ländern Europas auszugleichen. Das ist nicht hinnehmbar“. Nicht nur die Spareinlagen, sondern auch das System der privaten Altersversorgung stehe auf dem Spiel. Strafzins sei derzeit für Kunden noch kein Thema, könne aber langfristig nicht ausgeschlossen werden. Zu den sogenannten „Panama-Papers“ hatte Starnecker nur eine Antwort: „Nach unseren Prinzipien gehört es sich nicht, dass man Steuern hinterzieht.“

von Wolfgang Becker

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