Unterhaltung – mit Haltung

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Rainhard Fendrich kommt am 26. Juni nach Benediktbeuern und verspricht einige Überraschungen.

Es ist die gefühlt „längste Stunde des Tages“ zwischen Sound-Check und Konzert, in der sich Liedermacher Rainhard Fendrich Zeit nimmt für ein Gespräch mit dem Kreisboten und auf Fragen zu seiner Tournee „Besser geht’s nicht“ antwortet.

Fendrich, in diesem Jahr 60 geworden, scheint wacher, kritischer und neugieriger denn je. Der österreichische Singer-Songwriter und Moderator nimmt in seinen Liedern zu politischen Themen und gesellschaftlichen Misständen Stellung und hat trotz allem nichts von seinem hintergründigen, feinsinnigen Humor verloren. 

Herr Fendrich, Sie sind gerade auf Tournee, am 26. Juni kommen Sie nach Benediktbeuern. Welches Programm werden Sie in diesem Sommer auf die Bühne bringen? 

Fendrich: Es wird kein reines Best of Fendrich sein, sondern eine Mischung aus Liedern, die die Menschen kennen, und ein paar Überraschungen. Ich habe einige satirische Nummern in der Tradition des Georg Kreisler für diese Tournee ausgegraben, die vielleicht nur die eingefleischten Fendrich-Fans schon einmal gehört haben. Wir spielen dieses Programm bereits einige Abende und ich muss sagen, es kommt sehr gut an. 

Mit Ihrem Repertoire von mehreren hundert Liedern könnten Sie wahrscheinlich nicht nur einen Abend, sondern mehrere Tage am Stück füllen. Wie schwer fällt Ihnen da jedes Mal die Auswahl? 

Fendrich: Wenn ein Publikum ins Konzert geht, erwartet es natürlich die entsprechenden Hits. Aber ich mache es mir da sicher nicht leicht, wenn ich mir vor jeder Tournee ein neues, auf die Menschen und die Zeit zugeschnittenes Programm überlege, dabei fast jedes Lied von mir anhöre und so die Auswahl treffe. Viel ist da Bauchentscheidung. 

Ist auch ein persönliches Lieblingslied dabei? 

Fendrich: Nein, das habe ich eigentlich nicht. Ich habe natürlich einige Lieder, die mir sehr viel Glück gebracht haben, wie „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“. Das freut mich selber ganz ungemein. Wissen’S, es gibt kein größeres Kompliment für einen Künstler, als dass seine Lieder noch zu Lebzeiten Volksliedcharakter bekommen. Das sind Lieder, die den Menschen selbst gehören, die sie verinnerlicht haben. „I Am From Austria“ gehört auch dazu. Selbstverständlich werde ich all diese in Benediktbeuern spielen. 

Haben sich Ihre Lieder, hat sich Ihre Art des Liedermachens über die Jahre verändert? 

Fendrich: Ja, natürlich. Man wird älter, man wird reifer. Man hat andere Themen, über die man schreiben will. Ganz klar, dass ein 25-Jähriger andere Sachen im Kopf hat als ein 60-Jähriger. In dem Moment, wo man erwachsen wird, Familie und Kinder hat, interessiert man sich auch für die Zukunft. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich auf Dinge, die nicht in Ordnung sind – und über diese Dinge singe ich auch. Wie im Song „Brüder“, wo Menschen im gleichen Land aufgewachsen sind, aber einen anderen Glauben besitzen und heute von einer Bewegung wie Pegida angefeindet und quasi unter Generalverdacht gestellt werden. Das Besondere an dem Lied „Brüder“ ist, dass es schon fast zwanzig Jahre alt ist und man bemerken muss, dass sich nichts geändert hat. Jetzt hoffe ich, dass da ein Funke auf meinen Konzerten überspringt. 

Dann darf man Sie auch als politischen Liedermacher sehen? 

Fendrich: Nun, ja. Das trifft vielleicht nicht auf jedes meiner Lieder zu. Aber Unterhaltung hat meiner Meinung auch immer etwas mit Haltung zu tun. Ich bin sicherlich politisch interessiert, aber kein politischer Sänger, das nicht. Ich mache ja immerhin auch lustige Sachen und der Humor ist ein ganz wichtiger Bestandteil meines Programms und meines Schaffens. Doch wer glaubt, der Fendrich mache nur Schenkelklopfer-Lieder, soll sich einfach mal den Text anschauen. Da steckt doch immer etwas Ernsthaftes dahinter. 

Wie darf man denn dann Ihren Titel „Besser wird’s nicht“ verstehen? 

Fendrich: „Besser wird’s nicht“ habe ich auf unsere Lebenssituation bezogen. Wenn es immer nur um mehr Wachstum, mehr Reichtum geht, dann werden wir irgendwann mal in den Abgrund stürzen. Wir vergessen viel zu oft, wie gut es uns eigentlich geht. Es ist eine Gnade, in diesem Land geboren zu sein. Schauen wir mal nach Afrika, wo Menschen in großer Armut leben. Denken wir an Lampedusa und die vielen Flüchtlinge, die unter erbärmlichen Bedingungen übers Meer kommen – wir sollten uns wieder eine gewisse kollektive Bescheidenheit anerziehen. 

Sie sind in diesem Jahr 60 geworden... 

Fendrich: Ja, diese Erfahrung ist wunderbar und ich kann sie nur vielen Menschen empfehlen. 

Mit 60 hätten Sie eine Tournee, die sicherlich ihre Anstrengungen mit sich bringt, doch gar nicht mehr nötig? 

Fendrich: Wissen Sie, nötig hätte ich vieles nicht mehr. Aber die Kunst lässt einen einfach nicht los. Ich liebe es, vor Publikum aufzutreten, und so lange mir der liebe Gott die Gesundheit dazu schenkt, werde ich das auch mit großer Freude tun! 

Bei einem runden Geburtstag kommt man nicht umhin, das kommende Jahrzehnt in Augenschein zu nehmen. Was haben Sie für die Zeit geplant, in der andere in Ruhenstand gehen? 

Fendrich: Ich werde nur noch die Dinge tun, die mir Spaß und Freude machen. Dazu gehört auch das Konzert in Benediktbeuern – wir sind ja nicht zum ersten Mal dort und ich habe sehr schöne Erinnerungen an die Menschen und die Location. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Angelika Hirschberg

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