Viel Wirbel bei der SPD

Hannig ist neuer Vize-Landrat

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Ohne die Stimmen seiner Partei ist der Marktoberdorfer 2. Bürgermeister und SPD-Kreisrat, Wolfgang Hannig, zum neuen stellvertretenden Landrat gewählt worden.

Ostallgäu – Mit 33 von 57 Stimmen ist der Marktoberdorfer Kreisrat Wolfgang Hannig zum neuen weiteren Stellvertreter von Landrätin Maria Rita Zinnecker gewählt worden. Er tritt die Nachfolge des jüngst verstorbenen Dr. Hermann Seiderer (Bayernpartei) an. Ein klares Ergebnis und doch eine kuriose Abstimmung: SPD-Fraktionssprecher Hannig erhielt nämlich keine einzige Stimme aus der eigenen Partei.

Er wurde vornehmlich mit Stimmen aus der CSU zum Vize-Landrat gewählt. Hannig selbst war bei der Wahl am vergangenen Freitag nicht anwesend, hatte aber im Vorfeld seine Bereitschaft signalisiert, sich zur Wahl stellen zu wollen. Die SPD-Fraktion unterstützte im Kreistag dann aber Manfred Rinderle, Freier Wähler und früherer Bürgermeister von Seeg. Das wirft Fragen auf. 

Ein Geschmäckle 

Erklärungsversuche kommen am Montag aus den Reihen der SPD: „Wir waren völlig überrumpelt“, so der Füssener Landtagsabgeordnete und Kreisrat Dr. Paul Wengert. Auch Tage nach der Wahl herrscht in der Ostallgäuer SPD noch immer Fassungslosigkeit über die Wahl Hannigs durch die Fraktion der Christsozialen. „So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt!“, sagte Wengert im Gespräch mit demKreisboten und warf der CSU Stillosigkeit vor. „Man hätte erwarten können, dass mit unserer Fraktionsspitze Kontakt aufgenommen wird.“ So sei seine Fraktion von dem Vorgang völlig düpiert worden. „Das hat ein Geschmäckle.“ 

Zwar habe Hannig seine Fraktion von Mittwoch auf Donnerstag über eine mögliche Kandidatur informiert. „Das war aber nicht so ganz eindeutig“, so Wengert. Bis Donnerstag sei er deshalb davon ausgegangen, dass der am Montag zuvor mit den anderen Parteien ausgehandelte Kompromiss – eben Manfred Rinderle zu unterstützen – Bestand habe. 

Dem widerspricht Wolfgang Hannig energisch. „Herr Wengert war jederzeit über mein Vorhaben auf dem Laufenden, wie auch die anderen Mitglieder der SPD. Außerdem habe ich von Anfang an klar gemacht, dass die SPD als Traditionspartei einen eigenen, mehrheitsfähigen Kandidaten vorschlagen solle.“ Dieser sei dann in seiner Person gefunden worden, nachdem die CSU Hannig Unterstützung angeboten habe. Auch das sei kein Geheimnis gewesen, so der SPD- Fraktionssprecher. 

Die Kandidatur Hannigs und das Verhalten der CSU-Fraktion hatte die Sozialdemokraten derart kalt erwischt, dass sie zunächst eine Unterbrechung der Sitzung beantragten. Es habe laut Wengert zwei Optionen gegeben: Hannig zu unterstützen oder das gegebene Wort gegenüber den Grünen und anderen Fraktionen zu halten. „Wir haben uns für letzteres entschieden“, sagte Wengert. Das sei eine Frage des Stils gewesen. 

Was die weitere Zusammenarbeit mit Wolfgang Hannig angehe, soll zunächst abgewartet werden, wie sich der Fraktionssprecher nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub zu den Vorgängen erkläre. Allerdings könnten Hannigs Tage an der Spitze der Fraktion wohl gezählt sein. So will Wengert jetzt ein vorzeitiges Aufrücken der Füssener Kreisrätin Ilona Deckwerth an die Fraktionsspitze forcieren. 

Die Leitung der Fraktion und das neue Amt Hannigs sind nach Ansicht Wengerts nur schwer zu vereinen. Ursprünglich hatten sich die Ostallgäuer Sozialdemokraten darauf verständigt, dass Deckwerth erst im Mai kommenden Jahres an die Spitze der Fraktion rückt. „Das könnte jetzt vorgezogen werden“, erklärte Wengert. 

Persönlichkeitswahl 

Der CSU-Fraktionssprecher, Josef Schweinberger, kann die Aufregung hingegen nicht verstehen. Für ihn sei es eine „Persönlichkeitswahl“ gewesen. Er und die Landrätin seien am vergangenen Mittwoch darüber informiert worden, dass Hannig, sollte er als Stellvertreter vorgeschlagen werden und eine Mehrheit erhalten, das Amt auch annehmen werde. 

In Hannig hätte man auch bei der CSU den geeigneten Kandidaten gefunden, so Schweinberger. Immerhin habe sich Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (CSU) für seinen Zweiten Bürgermeister Hannig in der Fraktion stark gemacht. An den Diskussionen rund um die SPD-Querelen will sich Schweinberger nicht beteiligen – „aber es ist wohl Sand im Getriebe“. 

Das konstatiert auch Wolfgang Hannig, der jedoch zuversichtlich ist, die Wogen wieder zu glätten. „Immerhin stellt die SPD seit vielen Jahren wieder einen stellvertretenden Landrat. Ein Grund, sich zu freuen“, so der Marktoberdorfer Unternehmer. Er ist gewillt, sowohl das Vertrauen in der eigenen Partei als auch das Miteinander im Kreistag wieder aufzubauen.

von Angelika Hirschberg, Kai Lorenz und Matthias Matz

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