Wahlkampf in Buchloe: Schwerpunkt liegt auf Klimawandel

"Vernunft auf Grüner Seite"

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Es gab viel zu diskutieren bei den Grünen. Den Fragen aus dem Publikum stellten sich die Buchloer Stadträtin Elfriede Klein (v. li.), Bundestagsabgeordneter Dieter Jenecek, Grünen-Sprecherin Gerti Kustermann und der Bundestagskandidat Dr. Günter Räder.

Buchloe – „Die Grünen müssen mehr aufklären“, forderte Thomas Kramer aus Irsee bei einer Wahlkampfveranstaltung von Bündnis90/Grüne im Gasthof Eichel in Buchloe. Damit stieß er beim Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek und dem Direktkandidaten für den Wahlkreis, Dr. Günter Räder auf offene Ohren. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Elfriede Klein, grüne Stadträtin in Buchloe, empfand, in unserer komplexen Welt seien viele Menschen durch die Informationsflut abgestumpft.

Der Diskussionsabend beleuchtete in einer Art Rundumschlag die verschiedensten Aspekte grüner Politik. Ein Schwerpunkt war naturgemäß der Klimawandel. „Wir müssen weg von der Kohle“, war eine der Forderungen von Dieter Jenecek. Außerdem müsse man den Wandel zur Elektromobilität viel schneller umsetzen.

Jenecek arbeitet im Digitalisierungsausschuss des Bundestages mit. Sein Urteil war gelinde gesagt vernichtend. „Wir sind nirgends richtig gut“. Zwar sei noch nichts verloren, aber je länger man warte, umso mehr werde man abgekoppelt. Das gelte vor allem für die Anbindung an das schnelle Internet im ländlichen Raum. Es könne nicht angehen, dass Firmen, die mit großen Datenmengen arbeiten, diese Daten auf einen Stick ziehen und mit dem Auto irgendwohin fahren müssen, wo eine Breitbandversorgung den Transfer der Daten gewährleistet. Das Ziel von 50 Mbit, wie es in Deutschland definiert ist, sei „lächerlich“, sagte Jenecek. „Wir brauchen erheblich mehr“, forderte Jenecek.

Der Bundestagsabgeordnete stellte klar, dass unsere Zukunft auch davon abhinge, den Anschluss in der Digitalisierung nicht zu verlieren. „Wir sind ein Maschinenbauland.“ Die Zukunft liege aber in der Kombination von Hardware und intelligenter Software. Der amerikanische Autobauer Tesla mache das vor.

Für Jenecek liegt die Zukunft des Automobils im Elektroantrieb. Allerdings ergebe es wenig Sinn, die gegenwärtig 45 Millionen Autos mit Verbrennungsmotor eins zu eins durch Elektroautos zu ersetzen. Vielmehr müsse man über Modelle wie Carsharing die Zahl der Autos insgesamt senken. Vor allem die Bewohner in Ballungszentren könnten davon profitieren, wenn sie Autos teilten. Entgegen oft anderslautender Thesen werde das Elektroauto günstiger. Ziel müsse es sein, Elektrofahrzeuge mit erneuerbarer Energie zu betreiben. „Und wir müssen heute damit beginnen, nicht erst im Jahre 2030“, forderte Jenecek.

„Es geht um die Wurst. Bio soll sie sein“. Mit diesem Slogan wirbt Dr. Günter Räder aus Ebersbach um den Einzug als Direktkandidat für den Bundestag. „Das Plakat muss zur Person passen“, sagte der studierte und promovierte Agraringenieur. Seine Schwerpunkte will Räder im Bereich Landwirtschaft setzen. Er fordert von der Landwirtschaft mehr Rücksichtnahme auf das Grundwasser und die Artenvielfalt. Seine Forderung an die Politik ist, den Umstieg in den ökologischen Landbau zu beschleunigen. „Das ist der Königsweg“. Räder kritisierte in der Diskussion den ungezügelten Flächenverbrauch in Bayern.

Ein krasses Regierungsversagen beim Diesel brandmarkte Bundestagskandidat Räder. Die Regierung habe es den Betrügern in der Automobilindustrie leicht gemacht, betonte Räder. Verkehrs­politisch sei es sinnvoll, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern.

Kritische Anmerkungen zu allen Politikbereichen kamen aus dem Publikum und wurden diskutiert. Zu kleine Renten, zu hohe Strahlenbelastung durch Handys, zu viel Glyphosat in der Landwirtschaft und menschenverachtende Tierhaltung waren einige der Themen. Räder betonte, die Halteverordnung der industriellen Tierhaltung an das Tierwohl anzupassen, werde kein Spaziergang. „Wir haben harte Gegner vor uns.“

„Die Vernunft ist auf Seiten der Grünen“, gab Besucher Thomas Kramer den Politikern mit auf den Weg. „Wir leben in Zeiten, wo nur krasses Auftreten hilft. Ihr müsst aufklären“.

von Siegfried Spörer

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