Auf knapp 500 Meter Länge – Mit Aushubmaterial aus dem Tunnel

Ein 2,5 Meter hoher Wall an der B 472

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Mit Latten, dünnen Pfählen und rot-weißen Bändern sind an der neuen B 472 Varianten zum möglichen Lärmschutzwall aufzeigt worden. Im Bild das Gerüst mit der Höhe von 2,5 Metern – bei einer steilen und einer flach verlaufenden Neigung. Hinten Häuser am Ortsrand von Hausen.

Bertoldshofen/Hausen – „Darauf wird’s hinauslaufen“, meinte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell: 2,5 Meter hoch und flach auslaufend mit einer Breite von 25 Metern soll ein Lärmschutzwall an der neuen B 472 zwischen den Ortschaften Bertoldshofen und Hausen aufgeschüttet werden. Verwendet wird dafür Material aus dem Aushub beim Tunnelbau.

Der Marktoberdorfer Stadtrat wird voraussichtlich in der Sitzung am Montag, 18. Februar, einen Beschluss fassen. Intensiv mit dem Thema befasst haben sich viele Räte bereits, als neulich ein Ortstermin an der neuen Brücke über die Geltnach anberaumt wurde, wozu auch zahlreiche Bürger gekommen waren. Dabei verschafften sie sich einen Eindruck über die Varianten zum Lärmschutzwall anhand von Gerüsten mit Pfählen und Latten, die von Bauhof-Mitarbeitern an der neuen Fahrbahn als Phantom erstellt wurden.

„Schön, dass so viel Interesse da war“, fasste Abteilungsleiter Ralf Eisele vom Staatlichen Kempten seine Eindrücke vom Ortstermin zusammen. Die Beiträge der Anwohner aus Hausen und Bertoldshofen seien allesamt sachlich gewesen.

Für und Wider

Bei der anschließenden Beratung im Marktoberdorfer Rathaus führte Bürgermeister Hell mit dem Satz in das Thema ein, dass es sich bei dem Lärmschutzwall um eine „rein freiwillige Maßnahme“ des Staatlichen Bauamtes Kempten handle. Es gebe dazu ein Für und Wider.

Ralf Eisele, in der Behörde für den Straßenbau im Ostallgäu, Unterallgäu, in Kaufbeuren und Memmingen zuständig, verwies noch einmal auf Prognosen zu Emissionen, wonach seitens der Anlieger in Hausen beziehungsweise in Bertoldshofen bei den gemessenen Werten (knapp unter 50 Dezibel) kein Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen besteht. Die Grenzwerte würden eingehalten – selbst bei der zu Grunde gelegten Verkehrszunahme bis ins Jahr 2025.

Dabei sei eine mögliche Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit (100 km/h für Autos, 80 km/h für Lkw) ebenso wenig berücksichtigt wie ein geräuschdämpfender Belag. Bei den Berechnungen aus dem Jahr 2011 sei die Variante Flüsterasphalt noch nicht untersucht worden.

180 Meter entfernt

Eisele wies auf eines besonders hin: Falls vor Ort eine Abschirmung aus „Überschussmasse“ gewünscht werde, die aus dem Tunnel komme, könne man dafür nur Flächen hernehmen, die freiwillig zur Verfügung gestellt werden. Dem Bund dürften dabei keine Kosten entstehen. Zwischen dem Tunnel und der neuen Geltnachbrücke beträgt der Abstand in der langgezogenen Kurve der B 472 zum Ortsrand von Hausen nur 180 Meter. Wenn der Damm nach außen zu den Feldern flach abfalle (im Verhältnis eins zu fünf), könne er landwirtschaftlich genutzt werden – sogar zum Mähen.

„Wir muten ihnen sehr viel zu“, meinte Grünen-Stadtrat Christian Vávra über die Bewohner von Hausen, die am meisten durch die B 472 neu beeinträchtigt würden. Darum sollte die Stadt wenigstens in einen ordentlichen Lärmschutz investieren. Vávra: „500 Meter Lärmschutz für 15.000 Euro – das ist gut angelegtes Geld.“

Georg Martin (Grüne) sprach gar von einer „historischen Chance“, so einen 2,5 Meter hohen und flach auslaufenden Lärmschutz zu bekommen, ohne dass landwirtschaftliche Flächen geopfert werden müssten. „Ich hoffe, dass es meine Kollegen im Geltnachtal genauso sehen“, fügte Martin hinzu, der selbst Landwirt ist.

Werner Moll (Stadtteile aktiv) erwähnte, bei einem Eigentümer könne es mit einem Aufschütten des Lärmschutzwalles zur B 472 hin „schwierig werden“. Ralf Eisele vom Bauamt antwortete, eine komplette Abschirmung vom nördlichen Tunnelende bis zur Geltnachbrücke im Westen sei „sinnig“. Der Effekt in der Lärmminderung (2,1 Dezibel weniger bei 2,5 Metern Höhe beziehungsweise 3,7 Dezibel weniger bei vier Metern Höhe) sei nicht so ausgeprägt, wenn der Wall nicht durchgängig sei.

Was der Abteilungschef des Bauamtes noch erwähnte: Für eine Aufschüttung bis vier Meter Höhe und flacher, 33 Meter breiter Böschung reiche das Material, das aus dem Tunnel heuer zwischen März und September herausgeholt werde, nicht aus. Ebenso sei diese Menge nicht ausreichend entlang der neuen B 16 westlich von Bertoldshofen. Eine solche Aufschüttung hatte Meinrad Seelos (Stadtteile aktiv) vorgeschlagen, falls ein Wall an der B 472 bei Hausen scheitert.

Kein „Aufputschen“

Christoph Knestel (CSU), ebenfalls Landwirt, war ein Aspekt wichtig. Er möchte nicht, dass sich da draußen die Stimmung gegen Eigentümer der Felder aufputsche. Diese seien jetzt vom Einschnitt durch die neue Bundesstraße ohnehin stark betroffen. Franz Barnsteiner (Freie Wähler) plädierte im Wirtschaftsausschuss dafür, „die Marschrichtung vorzugeben“ mit der Variante von 2,5 Meter Höhe, andererseits aber mit den betroffenen Landwirten nochmals zu reden.

jj

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