Erster Mobilitätsdialog im Ostallgäu

Wann die Regiobahn am Zug ist

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Im Marktoberdorfer Bahnhof fährt der Zug nach München ein. Ab Dezember 2018 übernimmt die Bayerische Regiobahn den Zugverkehr auf der Strecke von Augsburg beziehungsweise München nach Füssen.

Marktoberdorf/Kaufbeuren – Noch neun Monate, dann ist die Bayerische Regiobahn am Zug. Die BRB, wie das Unternehmen abgekürzt wird, übernimmt im Dezember den Verkehr auf den Schienenstrecken zwischen München und Füssen, zwischen Augsburg und Füssen sowie zwischen Augsburg und Landsberg. Dafür beschafft sie 28 neue Züge vom Hersteller Lint. Auch wird die BRB zusätzlich zum bestehenden Servicecenter in Augsburg noch zwei Dienststellen in Kaufbeuren und Füssen eröffnen.

Beim Mobilitätsdialog, zu dem Landrätin Rita Maria Zinnecker in das Landratsamt Ostallgäu gerufen hatte, berichtete BRB-Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch über die Vorbereitungen, die der Betreiberwechsel mit sich bringen wird. Die ersten Lint-Fahrzeuge werden im April geliefert. Im Sommer soll die Flotte vollständig sein.

Zunächst Testfahrten

Erste Testfahrten mit den neuen Zügen unternimmt die BRB ab Herbst auf einer Strecke, wo die BRB schon seit 2008 unterwegs ist. Gemeint ist die knapp 200 Kilometer lange Trasse, die von Schongau über Weilheim und Geltendorf nach Augsburg und von dort weiter nach Ingolstadt und Eichstätt führt. Im November werden diese Züge „erstmals hier“ auftauchen, kündigte Rosenbusch auf einer Pressekonferenz im Nachgang zum Marktoberdorfer Mobilitätsdialog an.

Wie im Kreisbote berichtet, wird die BRB auf der Trasse von München bzw. von Augsburg über Buchloe nach Füssen künftig den Verkehr übernehmen. Bis Dezember sind auf diesen Strecken noch Fahrzeuge der DB Regio unterwegs. Die BRB hatte nach einer Ausschreibung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) den Zuschlag bekommen.

Zuwachs bei Fahrgästen

Prokurist Andreas Schulz von der BEG erwähnte beim Mobilitätsdialog in Marktoberdorf, dass zwischen 2003 und 2015 die Fahrgastzahlen auf dem Abschnitt zwischen Marktoberdorf und Buchloe um 55 Prozent gestiegen seien; zwischen der Kreisstadt und Füssen seien es sogar 72 Prozent gewesen. Mit der „Stationsoffensive“ Bayern käme es zu vier weiteren Bahnhalten zwischen Buchloe und Füssen.

Als erster Halt wird Kaufbeuren-Neugablonz fertig. Die Inbetriebnahme soll laut BEG-Prokurist Schulz 2020 erfolgen. Es werden – voraussichtlich im Jahr 2022 – weitere Bahnhalte im Norden von Kaufbeuren, im Norden Markt­oberdorfs und im Westen Füssens geschaffen. Zur kontrovers diskutierten Frage, ob ein zweiter Bahnhalt in Kaufbeuren im Haken (an der Kolberger Straße) entstehen soll oder ein Standort an der Neugablonzer Straße untersucht werden soll, bekundete Andreas Schulz von der BEG: „In Kaufbeu­ren ist es etwas komplizierter.“

Informierten beim Dialog zur Mobilität: Markus Kreitmeier (v. li.), Leiter des Staatlichen Bauamtes Kempten, Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch von der Regiobahn, Prokurist Andreas Schulz von der BEG, Landrätin Maria Rita Zinnecker und Bärbel Fuchs, Geschäftsleiterin bei der DB Regio Allgäu Schwaben.

Die BEG stünde beiden Varianten offen gegenüber, werde sich aber nicht aufzwingen. Die Prognose ergebe für einen Bahnhalt im Norden der kreisfreien Stadt bis zu 480 Fahrgäste. Von allen vier neuen Halten zwischen Neugablonz und Füssen verspricht sich die BEG 1200 Fahrgäste am Tag. Marktoberdorf soll nach 2020 pro Tag ein Aufkommen von knapp 4000 Zugpassagieren haben. Zum Vergleich: Am Bahnhof Buchloe steigen täglich 8000 bis 9000 zu oder aus.

Laut Schulz hat die künftige Elektrifizierung der Strecke München – Zürich (über Memmingen und Lindau) Auswirkungen auf den Bahnhof in Markt­oberdorf. Es kommt zu einem Fahrplanwechsel mit der Folge, dass sich in Marktoberdorf Züge begegnen. Um zum Gleis drei zu gelangen, ist eine Unterführung notwendig. Diese fällt in die Baulast der Stadt.

Für Bahnsteig, Treppen und Aufzüge ist die Bahn zuständig. Der Ausbau des Bahnhofs soll im Dezember 2020 abgeschlossen sein.

„Bei Laune halten“

Bärbel Fuchs von der DB Regio Allgäu-Schwaben blickte voraus, dass in Pfronten ebenso wie in Bad Wörishofen ein Video-Reisezentrum installiert wird. Was die sechsmonatige Sperrung auf der Strecke von Buchloe bis Memmingen betrifft, so wolle das Unternehmen Express-Busse einsetzen, die nur an den Bahnhöfen entlang der Strecke halten. Die DB Regio sei bemüht, die Kunden „bei Laune zu halten“ – u.a. damit, dass an Abo-Kunden ein Gutschein für die Therme Bad Wörishofen ausgegeben werde.

Politischer Vorstoß

Landrätin Maria Rita Zinnecker brachte die politische Forderung vor, das Thema der Elektrifizierung im Allgäu weiterzuverfolgen. Zudem verwies sie darauf, dass man sich für die Strecke Augsburg-Buchloe – Füssen für ein Pilotprojekt des Bundes angemeldet habe, das wasserstoffbetriebene Züge zum Ziel hat.

jj

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