Hilferuf an Minister Söder

Warum Günter Sobeck vom Corona Kinoplex ein Schreiben mit gezeichnet hat

Corona-Chef Günter Sobeck mit Mitarbeiterin Tanja Possmann vor dem Aufsteller „Keine Zeit zu sterben“.
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Corona-Chef Günter Sobeck mit Mitarbeiterin Tanja Possmann vor dem Aufsteller „Keine Zeit zu sterben“. Wegen der Corona-Krise wurde der James Bond-Streifen nun erneut verschoben. Damit fehlen wichtige Einnahmen in der Kinokasse.

Kaufbeuren – Die Situation in der Kinobranche ist weiterhin sehr angespannt. Weil auch Günter Sobeck vom Corona Kinoplex Kaufbeuren um seine Existenz bangt, hat er einen von Florian Stiglhofer (Filmkunsttheater Oberstdorf) initiiertes Schreiben an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mitgezeichnet. „Der Brief ist ein Hilferuf“, sagt Sobeck deutlich. 

In einem gemeinsamen Schreiben fordern die Kinochefs den Mindestabstand von 1,50 auf einen Metern zu reduzieren. Die momentan geltende Abstandsregelung habe jedoch katastrophale Auswirkungen auf die Betriebe. Bisher kann nur jede zweite Reihe für die Besucher freigegeben werden. In dem Schreiben, das auch dem Kreisbote vorliegt, kritisieren die Betreiber auch die geringe Auslastung. Bis zu 200 Besucher sind bei großen Sälen derzeit erlaubt. Dem gegenüber steht allerdings ein Minusgeschäft bei jedem ­Filmeinsatz. Abstandsregeln können gefahrlos eingehalten werden.

Bayern als Flächenland habe bis heute eine der besten Kinostrukturen Deutschlands. Dennoch werde für 2021 ein beispielloses Kinosterben im Freistaat befürchtet, wenn die Betriebe nicht am Markt gehalten werden können, so der einhellige Tenor der Unternehmer. Weil Günter Sobeck eine finanzielle Unterstützung vom Freistaat Bayern und vom Bund erhielt, kann sich der 70-Jährige noch über Wasser halten. So gut die Hilfen auch sind, decken sie bei Weitem nicht alle Kosten ab. „Wenn ich die Fördertöpfe nicht abgegriffen und dadurch nichts bekommen hätte, hätte ich auch nicht aufgesperrt“, so Sobeck, der in der aktuellen Situation vieles nicht ganz nachvollziehen kann. „Wir Kinobesitzer fühlen uns zum Teil ungerecht behandelt und verstehen viele Regelungen nicht. Warum dürfen im Flugzeug viele Menschen ganz eng beisammensitzen und im Kino nicht?“, verweist er dabei auf das perfekt umgesetzte Hygienekonzept in seinem Hause.

Zig-tausende Euros habe er in neue Lüftungsanlagen gesteckt. Sämtliche von den Behörden auszuführende Vorschriften wurden umgesetzt. Zudem werden jeden Tag die Menschen nur mit Hiobsbotschaften konfrontiert. „Dann trauen sie sich nicht in die Kinos, obwohl es bei uns sicher ist.“ Und wenn sie dann doch den Weg ins Corona Kinoplex finden, ist es nicht garantiert, dass sie überhaupt ihren Lieblingsfilm anschauen können. „Da wir weiterhin die Kinosäle nur bis zu 25 Prozent auslasten dürfen, müssen wir Leute auch wieder wegschicken“, bedauert Mitarbeiterin Tanja Possmann und verweist auf ein neues System: Die Bildschirme weisen die Besucher auf die genaue Ausnutzung hin: Grauhinterlegt sind verkaufte Tickets, hellhinterlegt sind die Mindestabstände und leuchtet es grün auf, sind noch Plätze frei.

Die Kinobetreiber kämpfen in Corona-Zeiten nicht nur um jeden Gast, auch weitere Nackenschläge müssen sie in Kauf nehmen. Das fängt besonders bei den Blockbustern an, die heuer nicht gezeigt werden. Weil die Verleiher zu wenig Besucher an den Kinokassen fürchten, wurden die für dieses Jahr geplanten Streifen „Keine Zeit zu sterben“ (James Bond) und „Top Gun 2“ auf Frühjahr beziehungsweise Sommer 2021 verschoben. Einen kleinen Lichtblick gibt es beim „Kaiserschmarrn Drama“: Der neue Eberhofer startet am 12. November. „Der Boandlkramer und die ewige Liebe!“ wird ebenfalls Ende des Jahres gezeigt. Vorwiegend deutsche Produktionen sollen das wohl schlechteste Jahr in der Kinogeschichte noch einigermaßen retten. „Hätten wir keine Corona-Krise, wäre es das Jahr der Super-Blockbuster gewesen“, blickt Sobeck beispielsweise auf die Filme „Mulan“ oder auch „Fast and the Furios“, die nun im kommenden Jahr gezeigt werden.

Stefan Günter

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