Herzstück Parkstadion soll bleiben

Warum sich Vereine gegen einen Campus an ihrer Sportstätte in Kaufbeuren aussprechen

+
Das Trainingsareal in der Turnerstraße in Neugablonz ist für Vereine und Sportler keine echte Alternative.

Kaufbeuren – Der Freistaat Bayern gab schon einmal grünes Licht für einen Campus der Hochschule für Öffentliche Finanzen in Kaufbeuren (wir berichteten). Die entscheidende Frage dürfte sein, wo das neue Areal entstehen soll: Auf der Moserwiese beim Finanzamt oder auf dem Areal des Parkstadions?

Gerade die Sportvereine verfolgen mit Argusaugen die aktuelle Diskussion.

Ohne Wenn und Aber: Ein Campus dieser Größenordnung würde die Hochschulstadt Kaufbeuren enorm aufwerten. Zwei bis drei Hektar Grund sind allerdings Voraussetzung für diesen Bau. Das lässt sich der Freistaat ordentlich was kosten. Eine Investitionssumme von 50 bis 100 Millionen Euro steht hier im Raum. Das Areal am Kaiserweiher hochzuziehen, wo schon das Lehrgebäude steht, scheidet momentan aus. 

In die engere Auswahl kommt dann schon eher das Parkstadion. Ohnehin wird dort ein Neubau der Außenstelle der Staatskanzlei entstehen. „Das bietet sich doch geradezu an, an diesem Standort noch etwas dazu zu bauen“, begründet Bernhard Pohl, haushaltspolitischer Sprecher der FW-Landtagsfraktion, auf Anfrage. Seit über einem Jahrzehnt sehe er das Parkstadion als wertvolle innerstädtische Fläche. Würde man also die Bereiche Bahnhofsgebäude, altes Eisstadion, ehemaliges Gasthaus Bad und das Parkstadion zusammenaddieren, kommt man auf rund 21.000 Quadratmeter Fläche.

Allerdings gibt Oberbürgermeister Stefan Bosse zu bedenken, dass es hier kaum Erweiterungsmöglichkeiten gebe. Auch müsse das Grundwasserproblem behoben werden. Folgeinvestitionen für die Stadt seien daher unausweichlich, so Bosse.

Schon beim Gespräch mit Finanzminister Albert Füracker, an dem Bosse und Pohl in München teilnahmen (wir berichteten), brachte das Kaufbeurer Stadtoberhaupt die Moserwiese ins Spiel. „Ein Projekt dieser Größenordnung kann hier verwirklicht werden. Hier gibt es auch keine Probleme mit dem Grundwasser und auch keinerlei Erschwernisse“, argumentierte der OB. Weil die Eigentumsverhältnisse wegen eines Erb­rechtstreits noch nicht geklärt sind, steht die Moserwiese derzeit aber nicht zur Verfügung. „Das Parkstadion wäre sofort frei“, sagte Pohl.

Große Bedenken bei den betroffenen Vereinen

Doch hier haben die Leichtathleten des TV 1858 Kaufbeuren, der Kaufbeurer Leichtathletik-Club und die Fußballer der SpVgg Kaufbeuren ihr Zuhause. SVK-Jugendleiter Antonio Pisanu ist bereits in seinem achten Jahr in verantwortungsvoller Position. „Die Idee mit dem Campus finde ich großartig. Doch es ist keine gute Lösung, hierfür das Parkstadion zu opfern“, so Pisanu. „Warum baut man den Campus nicht auf dem Gelände der Bundeswehr?“, verweist er hier auf das Areal im Fliegerhorst in der Nähe des ehemaligen Tänzelfesthölzle. „Das Herzstück Parkstadion muss uns in dieser Form erhalten bleiben“, fordert der Jugendleiter.

Mit dieser Aussage steht er nicht alleine da. Auch Andrea Stephan, Abteilungsleiterin der Leichtathleten des TV Kaufbeuren, schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir brauchen, um unseren Sport auszuüben, ein wettkampftaugliches Stadion.“

„Sonst können wir künftig keine Meisterschaften austragen.“

Immer wieder wird das Sportgelände an der Turnerstraße in Neugablonz als mögliche Alternative ins Gespräch gebracht. Mit diesem Gedanken kann sich die Leichtathletikchefin des TVK gar nicht anfreunden. „Viele unserer Kinder und Jugendlichen aus dem Stadtgebiet fahren mit dem Fahrrad oder kommen gar zu Fuß, da die Lage für das Parkstadion optimal ist.“ Nach Neugablonz dagegen müssten die Eltern ihre Sprösslinge fahren. Ein entscheidendes Argument ist auch, dass die Leichtathleten ein Stadion mit einer 400- Meter-Bahn benötigen. „Sonst können wir künftig keine Meisterschaften austragen.“

Jürgen Felker, Vorstand des KLC, kann aktuell nicht abschätzen und beurteilen, ob der Standort Neugablonz überhaupt geeignet sei. Doch macht er unmissverständlich deutlich, „dass acht Bahnen für die Leichtathleten Voraussetzung sind.“ Damit verbünden sich die Leichtathletik­abteilung des TVK und der KLC in dieser Angelegenheit. Felker geht davon aus, sollte man sich für den Standort Neugablonz entscheiden, „dass mit Sicherheit einige Mitglieder abspringen werden. Wenngleich eventuell auch Neuzugänge zu erwarten sind.“

Bedenken

Auch SVK-Jugendleiter Pisanu hat große Bedenken. Schließlich wird der Sportplatz an der Turnerstraße permanent von den Abteilungen des TV Neugablonz, den Fußballern des BSK und Türk Dostlukspor Kauf­beuren genutzt. „Wir hätten hier ein enormes Platz- und Zeitproblem, da noch drei weitere Vereine dazukommen würden.“

MdL Pohl bringt noch eine mögliche Lösung ins Spiel. „Die SVK und die Leichtathleten sollen ein schönes gleichwertiges Stadion an anderer Stelle erhalten. Keiner soll darunter leiden. Wenn etwas neu gebaut wird, kann der Sport auch davon profitierten“, so der Abgeordnete. Würde man beispielsweise den Standort Haken in Betracht ziehen, wäre das für die Spielvereinigung ein Gewinn. Doch wo könnte im Stadtgebiet Kauf­beuren sonst noch ein Neubau entstehen? Pohl setzt hier auf die Vorschläge der Stadtverwaltung. Für den Sportbeauftragten Pascal Lechler (SPD) sei das Parkstadion deshalb wichtig, weil es in Verbindung mit dem Bahnhof, Schwimmbad und Eisstadion stehe. „Wenn der Campus dort hinkommen sollte, müssen wird nach passenden Ausweichmöglichkeiten suchen.“

Freistaat und Kaufbeuren ohne Zeitdruck

Vertreter des Freistaats Bayern haben sich kürzlich alle zur Verfügung stehenden Flächen in Kaufbeuren angesehen. In einer Stellungnahme des Finanzministeriums heißt es dazu offiziell, dass „eine Standortentscheidung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht getroffen werden kann.“ Auch Bosse erklärte, dass die Stadt keinen Zeitdruck habe und abwarte, wie die Experten aus München die Lage nach dem Ortstermin bewerten. Bosse ließ aber durchblicken, dass den Münchnern die rund 70.000 Quadratmeter große Moserwiese beim Finanzamt gut gefallen habe.


Stefan Günter

Auch interessant

Meistgelesen

Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl feiert 30-jähriges Jubiläum
Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl feiert 30-jähriges Jubiläum
 „Die Lage ist verheerend“ – humedica entsendet zweites Team nach Beirut
 „Die Lage ist verheerend“ – humedica entsendet zweites Team nach Beirut
Renter aus Buchloe soll Buben Ohrfeigen verpasst haben
Renter aus Buchloe soll Buben Ohrfeigen verpasst haben
Betrüger ergaunert am Telefon über 7000 Euro von 19-Jähriger aus Biessenhofen
Betrüger ergaunert am Telefon über 7000 Euro von 19-Jähriger aus Biessenhofen

Kommentare