„Die reißen uns den Kopf ab“

Was passiert mit dem bisherigen Kindergartengebäude?

Gebäude an der Eberle-Kögl-Straße in Marktoberdorf
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Noch Kindergarten, bald Baubüro und Zwischenlager: das Gebäude an der Eberle-Kögl-Straße in Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Mit Unverständnis reagierte Stadträtin Andrea Guggenmos (CSU) auf das Ansinnen mancher Ratskollegen, das alte Gebäude des St. Martin Kindergartens in der Eberle-Kögl-Straße abbrechen zu wollen. „Wenn wir das tun, reißen die Bürger Marktoberdorfs uns die Köpfe ab“, warf sie in die Diskussion um Erhalt, Umnutzung und Abriss des Gebäudes ein. Viele Marktoberdorfer hätten ihr den Erhalt des historischen Stadtgebäudes ans Herz gelegt.

Auch andere Gründe, wie der Schallschutz für dahinter liegende Bauten oder voraussichtliche Kostenersparnis, hatten die Stadtverwaltung veranlasst, dem Stadtrat Vorschläge für eine mögliche Nachnutzung des Gebäudes vorzustellen. Nach Umzug der Kindergartengruppen in das neue Gebäude in der Saliterstraße soll, so Abteilungsleiter Rupert Filser, das Haus in der Eberle-Kögl-Straße zunächst als Baubüro für den Schulneubau sowie als Zwischenlager für Gegenstände und Mobiliar der Grundschule genutzt werden. Einstimmig beschloss der Stadtrat diese Interimslösung.

Für eine langfristige Nutzung – auch nach Abschluss der Baumaßnahmen – konnte sich das Gremium jedoch nicht entscheiden. Filser brachte im Namen der Verwaltung die Einrichtung eines Depots für die städtischen Museen ins Spiel. Die bisherige Lagerung der Exponate, die sich nicht unmittelbar in den Ausstellungen befinden, sei unzureichend, so der Leiter des Haupt- und Kulturamts. Bisher werden nicht genutzte Ausstellungsgegenstände im Dachgeschoss des Martinsheims und Sanitärbereich des Paul-Röder-Museums gelagert. Diese Räumlichkeiten seien jedoch aus konservatorischer Sicht nicht geeignet und die Stadt daher auf der Suche nach einer alternativen und verbindlichen Unterbringung.

Die Räume des bisherigen Kindergartens bringen viele Vorteile mit, wie Filser aufzählte. Das massiv gebaute Haus sei museumsnah, trocken, brandschutztechnisch aufgerüstet und verfüge über eine Heizung, so dass Feuchtigkeit und Schädlinge nicht zu befürchten seien. „Das historische Gebäude bietet die perfekte Möglichkeit, mit überschaubarem Aufwand ein Depot einzurichten“, warb Filser für eine derartige Nachnutzung. Lediglich Steckregale und ein UV-Schutz durch lichtundurchlässige Vorhänge sei nötig.

Auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell unterstützte den Vorschlag. Er sprach sich ebenso für den Erhalt eines ortsbildprägenden, traditionsreichen Gebäudes aus. Auch das Bauamt bestätigte, dass bei einem Abriss mit erheblichen Mehrkosten beispielsweise für Umplanungen, den Bau einer Lärmschutzwand und den Umbau der Fernwärmeleitung zu rechnen sei. Wie viel die Umnutzung zum Museumsdepot die Stadt jedoch tatsächlich kosten könne, dazu konnte die Verwaltung derzeit keine Angaben machen.

Das störte Grünen-Stadtrat Georg Martin in der Tat so sehr, dass er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf die Depot-Lösung festlegen wollte. Martin beantragte vielmehr, die langfristige Nutzung des Gebäudes offen zu lassen. Eine knappe Mehrheit des Stadtrates folgte seiner Meinung. Was also nach der Bauzeit der Martinsschule und der Nutzung des bisherigen Kindergartens als Baubüro mit dem historischen Gebäude passieren wird, bleibt derzeit ungewiss.

Angelika Hirschberg

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