Was tut sich im Hebel-Biotop?

Landschaftspflegeverband ist um die ehemalige Kiesgrube bemüht

Weißes Galloway-Rind
+
Galloway-Rinder pflegen das Hebel-Biotop in Germaringen.

Landkreis/Germaringen – Rund elf Hektar Fläche werden täglich in ganz Bayern für Gewerbe und Wohnungsbau, Verkehr und Erholungsflächen bereit gestellt, was in etwa 15 Fußballfeldern entspricht. Aus der Perspektive des Naturschutzes ist die Versiegelung der vormals fruchtbaren Ackerböden und natürlichen Flächen in der Landschaft jedoch höchst problematisch. Wie gut, dass die Kiesgrube Germaringen nach ihrer Stilllegung und der Übernahme durch die Werner Josef Hebel Stiftung wirkungsvoll renaturiert werden konnte. So entstanden rund elf Hektar Fläche für den Landschafts- und Naturschutz.

Nathalie Lanz, Mitarbeiterin im Landschaftspflegeverband Ostallgäu, berichtete auf der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren von den Problemen bei der Pflege und Entwicklung des Hebel-Biotops. Weil in den 1960er-Jahren Hybridpappeln gepflanzt wurden, habe das herunterfallende Laub zur Verschlammung der Teiche geführt – was sich als trübes Wasser, giftige Algenblüten, Sauerstoffmangel und Verlust der Artenvielfalt bemerkbar machte. Weitere Folgen: Der Fischbesatz ging zurück und die Goldrute breitete sich übermäßig aus.

So sieht das Hebel-Biotop, das einst eine Kiesgrube war, heute aus: drei Teiche, Streuobstwiesen und Rinderweiden.

Daher sahen die ersten Maßnahmen des Landschaftspflegeverband Ostallgäu 2019 vor, 30 Bäume zu fällen, einen isolierten Tümpel zu entschlammen und Streuobstwiesen zu schaffen. Ein Jahr später folgte die Beweidung durch Galloway-Rinder in zwei Weidedurchgängen für jeweils drei bis vier Wochen. Die Idee dabei: mit dem verteilten Samen Landschaftsvielfalt schaffen, wo zuvor Monokultur regierte. Denn die Vegetation gilt mit ihrer langjährigen Beschattung Lanz zufolge bislang als „einfältig“: 90 Prozent Gräser, zehn Prozent Blütenblumen, wie Glockenblume, Hahnenfuß oder Märzenbecher. Zusätzlich sei die Goldrute, die überhand genommen hatte, per Hand entfernt worden. Nathalie Lanz betonte, dass es sich um keinen „Kahlschlag, sondern um eine dezente Entfernung“ gehandelt habe.

Als besonders bemerkenswert auf dem Hebel-Biotop sind zwei große Seen mit drei Hektar Wasserfläche zu nennen. Sie werden direkt aus dem darunter liegenden Grundwasser gespeist, sodass permanent sieben bis acht Grad Celsius zu messen sind – zu kalt für Rotauge, Rotfeder, Karpfen, Graskarpfen und Hecht. Die Gelbbauchunke sei stark gefährdet, betonte die Naturschutzexpertin. Hier habe der Landschaftspflegeverband „Pionierarbeit geleistet“, indem die Beeinträchtigungen für den Froschlurch, wie zum Beispiel Beschattung und Verkrautung, beseitigt wurden. Auch für den Kammmolch konnte mit „Tagesverstecken an Land“ viel zu seiner Erhaltung beigetragen werden. Ebenso befänden sich Edel- und Flusskrebs, Ringelnatter, Heidelibelle und Eisvogel im Hebel-Biotop. Für das nächste Jahr, ergänzte Lanz, seien Maßnahmen wie die erneute Beweidung mit Galloways, die Mahd von Gras und Herkulesstaude und das Zupfen der Goldrute geplant.

Zugvögeln auf dem Weg nach Süden helfen

Vielleicht könnten die elf Bio-Hektar bald um weitere 20 erweitert werden, mutmaßte Josef Kreuzer, Vorsitzender der Kreisgruppe Ostallgäu-Kauf­beuren. Nämlich dann, wenn die stillgelegte Kiesgrube der Firma Dachser in direkter Nachbarschaft in den Naturschutz überginge. Auf über 30 Hektar Naturfläche hätten Zugvögel auf dem Weg in den Süden dann die Möglichkeit, Rast in Germaringen zu halten.

Stefan Raab

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bessere medizinische Betreuung für junge Patienten sicherstellen
Kaufbeuren
Bessere medizinische Betreuung für junge Patienten sicherstellen
Bessere medizinische Betreuung für junge Patienten sicherstellen
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenz im Landkreis über 700
Kaufbeuren
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenz im Landkreis über 700
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Inzidenz im Landkreis über 700
Die Innenstadt von Kaufbeuren wird sich verändern
Kaufbeuren
Die Innenstadt von Kaufbeuren wird sich verändern
Die Innenstadt von Kaufbeuren wird sich verändern
Kaufbeurer Parkhäuser mit Elektroladeplätzen gut bestückt
Kaufbeuren
Kaufbeurer Parkhäuser mit Elektroladeplätzen gut bestückt
Kaufbeurer Parkhäuser mit Elektroladeplätzen gut bestückt

Kommentare