Ex-Grünen-Stadtrat Wolfgang Hawel wechselt zu den Freien Wählern

Hawel will kein Grüner mehr sein

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MdB Bernhard Pohl (links), der Vorsitzende der Freien Wähler Kaufbeuren, heißt Wolfgang Hawel willkommen.

Kaufbeuren – Die Überraschung des Abends bei der kürzlichen Mitgliederversammlung der Freien Wähler Kaufbeuren war die Absichtserklärung des ehemaligen Grünen-Stadtrates Wolfgang Hawel, den Freien Wählern wieder beizutreten, deren Mitglied er vor vielen Jahren schon einmal war.

Nachdem sich die Anwesenden zu Beginn erhoben hatten, um der 2014 verstorbenen Mitglieder – Edgar Gailhofer und Gründungsmitglied Dr. Gertrud Zasche – zu gedenken, berichtete der zweite Vorsitzende Wolfgang Müller von den Aktivitäten des vergangenen Jahres. Die FW-Stadträte Ottmar Maier, Richard Drexl, Karl Eichinger und Dr. Ulrike Höhne-Wachter informierten über ihre Arbeit im Stadtrat und in den Ausschüssen. Danach wählte die Versammlung Ingrid Zasche einstimmig als Nachfolgerin von Beisitzer Edgar Gailhofer in den Vorstand. 

Zentrales Thema des Abends war der Vortrag von Susen Knabner, Vorstandsmitglied der Freien Wähler sowie der Wirtschaftsjunioren Kaufbeuren-Ostallgäu, über die Notwendigkeit, den Zuzug nach Kaufbeuren für Pendler aus dem Großraum München attraktiv zu machen und zu fördern. 

Auf der Grundlage von Hochrechnungen skizzierte sie für Kaufbeuren bis 2030 dramatisch sinkende Bevölkerungszahlen bei gleichzeitiger Überalterung. Durch die Verringerung vor allem der erwerbsfähigen Bevölkerung wäre demnach eine Abnahme der Kaufkraft die Folge. Nur der Sozial- und Gesundheitsbereich werde anwachsen. 

Eine Möglichkeit, dieser Abwärtsspirale zu entkommen, sei aber heute bereits erkennbar. Gemäß einer Statistik seien 2014 über 450 Personen aus dem Großraum München nach Kaufbeuren gezogen, und diese Entwicklung werde laut Knabner in den nächsten Jahren anhalten. Auch ein noch nicht veröffentlichtes Gutachten der IHK Schwaben zusammen mit der IHK München bestätige diese Tendenz. Immerhin werde darin die Wertachstadt inzwischen von der IHK München nicht mehr nur als Teil des Lechrains und damit als „Vorort von Landsberg“ wahrgenommen, so Knabner.

 Ausgesprochen kontraproduktiv sei hier aber, wenn Kaufbeuren selbst zum Beispiel auf der Internetseite der Metropolregion München als einzigen Aktivposten die Altstadt nennt und sich so lediglich als „hübschen Bahnhof mit Zugang zu Münchens Freizeitpark“ präsentiere. „Wir machen uns dadurch selber klein“, erklärte der erste Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl. 

Eine neue Kommunikationslinie in der Außenwerbung Kaufbeurens, vor allem auch im Großraum München, müsse rasch auf den Weg gebracht werden. Das wäre laut Pohl ein wichtiger Schritt, um Pendler in die Wertachstadt zu ziehen. Sollte sich hier jedoch nichts ändern, werde die Stadt unvermeidbar schrumpfen, und dies zu verhindern sei das Gebot der Stunde. 

„Wenn wir untätig die Hände in den Schoß legen und uns darauf berufen, dass zuerst Infrastrukturprojekte wie der Ausbau der B12 umgesetzt werden müssen, werden wir diese Umsetzung in Zukunft gar nicht mehr brauchen“, prophezeihte Pohl.

"Keine Lust mehr auf Blockadehaltung" 

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war wohl auch die Absichtserklärung des langjährigen Grünen-Stadtrates Wolfgang Hawel, zu den Freien Wählern zu wechseln. Dieser Schritt ist Hawel nicht leicht gefallen, jedoch könne er sich sowohl bundes- als auch kommunalpolitisch nicht mehr so sehr mit der Ideologie der Grünen identifizieren. 

Mit Blick auf Kaufbeuren hätte ihn die „Blockadehaltung beim vierspurigen Ausbau der B12 sowie die Ablehnung der Grünen bezüglich eines Profi-Eisstadions gestört. Bei den Freien Wählern finde er nun genügend Positionen, die sich mit denen der Grünen decken. „Hier kann ich aber größere Schritte machen, ohne ideologische Fußfesseln“, betonte Hawe. Speziell Kaufbeuren brauche für seine Entwicklung „mehr Bewegungsfreiheit“. 

Dennoch wolle er jetzt keine Oppositionshaltung zu den Grünen einnehmen. Seine Austrittserklärung bei den Grünen hatte Hawel bei der Freien Wähler-Versammlung zwar noch nicht verschickt, wollte dies aber nach eigenen Aussagen am vergangenen Donnerstag tun (nach Redaktionsschluss). 

Um so überraschter zeigten sich die Kaufbeurer Grünen nach der FW-Sitzung von der Nachricht, doch bringe die Zeit immer Veränderung mit sich. „Es ist sehr bedauerlich, dass wir Wolfgang Hawel als tatkräftiges Mitglied verlieren. Doch Veränderungen im Leben sind normal“, so Ulrike Seifert und Martin Sirch, die beiden Sprecher des Ortsvorstand in Kaufbeuren. „Wir danken ihm ganz herzlich für sein langjähriges Engagement. Wir wünschen ihm alles Gute und weiterhin viel Kraft und Erfolg für seine vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben.“

Wolfgang Hawel war bereits vor 18 Jahren für zwei Jahre bei den FW. Von 2007 bis 2014 vertrat er die Grünen im Kaufbeuren Stadtrat. Er war unter anderem Fraktions-Chef. 

von Ingrid Zasche und Kai Lorenz

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