Der Weg, der kein leichter ist

Grundsätzlich ginge es um eine Verkehrsanbindung des Stadtteils Neugablonz, sagte Ernst Schönhaar (CSU) bei der jüngsten Kaufbeurer Stadtratssitzung. Mit der Verkehrsanbindung ist der umstrittene Reifträgerweg gemeint. Sechs Stimmen gegen den Bau des Weges gab es im Germaringer Gemeinderat und sieben im Kaufbeurer Stadtrat. Da die Mehrheit jeweils dafür stimmte, erfolgt nun die Änderung der Bebauungs- und Flächennutzungspläne Kaufbeurens und Germaringens. Die Pläne sollen demnächst in der Stadt und der Gemeinde ausgelegt werden.

Seit vielen Jahren beschäftigt die Planung der Umgehungsstraße die Räte schon. Jetzt ist wieder Bewegung in den Bau des Weges gekommen. Während sich Ottmar Maier (Freien Wähler) im Namen seiner Fraktion für „eine Ent- lastung für unsere Neugablonzer Bürger“ aussprach, gab es Kritik an dem Vorhaben vor allem aus den Reihen der SPD und des Bündnis 90/Die Grünen. Sicher müsse eine Entlastung der Neugablonzer Sudetenstraße her, doch bei dem Vorhaben „fehlt mir eine echte Begründung“, sagte Helga Ilgen- fritz (SPD). Sie gab auch zu bedenken, dass der Reifträgerweg durch die Gemarkung Germaringens führe und die Gemeinde den Bau eines zirka 30000 Quadratmeter großen Gewerbegebiets plane. Ilgenfritz befürchtet, dass die Gewerbetreibenden aus Kaufbeuren teils abwandern könnten. Dies sei „der Preis, den wir für die Entlastung zahlen müssen“, so Kaufbeurens Oberbürgermeis- ter Stefan Bosse (CSU). Dass die Kosten für die Instandhaltung der Straße die Kassen der Stadt Kaufbeuren belaste, während die Gewerbesteuer an Germaringen gehe, monierte Wolfgang Hawel von den Grünen. Für das entstehende Gewerbegebiet muss die Gemeinde Germaringen Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen. „Einen Großteil davon haben wir schon“, sagt Germaringens Bürgermeister Kaspar Rager (Freie Wählergemeinschaft) dem KREISBOTEN. Mit einem Baubeginn des Reifträgerweges rechnet er erst nächstes Jahr, denn „nur in den Wintermonaten kann gerodet werden und ob wir das dieses Jahr noch schaffen“ sei fraglich. Hans Häußler von der Kaufbeurer Initiative warf in Bezug auf die ewigen Diskussionen ein: „Wenn die Leute so lang gebraucht hätten Neugablonz aufzubauen wie wir für den Reifträgerweg, dann würde es den Stadtteil gar nicht geben.“ Und 2. Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) merkte an, dass der Reifträgerweg bereits zu 60 Prozent existiere. Zu Bedenken gab Catrin Riedl-Schmidt (SPD), dass laut einer Studie, 2025 der Verkehr nachlassen solle und die Räte müssten sich fragen, „ob wir eine Straße nur für 15 Jahre bauen wollen“. Mitte Dezember, vermutet Rager, liegen die beiden Bebauungs- und Flächennutzungspläne in den Rathäusern Germaringens und Kaufbeurens aus. Mit vielen Einwänden rechnet er aber nicht.

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