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Festzug mit Hindernissen

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Kaufbeuren – Heutzutage ist wohl fast jeder Kaufbeurer ohne Ansehen von Herkunft, Stand, Glaubenszugehörigkeit oder Hautfarbe wenigstens einmal in seinem Leben beim Tänzelfest mitgelaufen und verbindet heimatliche Erinnerungen damit.

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Das war jedoch nicht immer selbstverständlich. Anfangs durften ausschließlich evangelische Kinder mitmachen, und noch Mitte des 20. Jahrhunderts musste sich Walter Werz energisch dafür einsetzen, dass auch die „Huraflichtlingskinder“ aus Neugablonz zugelassen werden. Inzwischen sieht man das nicht mehr so eng, Kinder aus sämtlichen umliegenden Gemeinden feiern ebenso Tänzelfest wie Kinder mit Migrationshintergrund, die dann wie im Eröffnungsspiel selbstbewusst erklären: „Ich bin zwar jetzt ein richtiges Kaufbeu­rerkind – aber meine Eltern stammen aus Russland (oder Italien oder Indonesien oder, oder, oder...)“. Dazu kommt, dass offenbar viel mehr Mädchen als Buben Lust auf die Tänze im Tänzelfestrondell haben und deshalb in so manchem Knabenkostüm ein Mädchen steckt. So ändern sich die Zeiten.

Manchmal ändern sie sich auch zurück: Wie Festzug-Moderator Dr. Rochus Höhne anmerkte, ist der Zustand der Straße in der Fußgängerzone derzeit wieder „mittelalterlich“. Die Bauarbeiten in der Fußgängerzone sind auch für die geänderte Zugroute mit nur einem anstelle von zwei Durchläufen verantwortlich. Wer also vorhatte, seine Tänzelfestkinder zu fotografieren, der musste zusehen, sie gleich beim ersten Mal ordentlich auf die Platte zu bannen, da es dieses Jahr keine zweite Chance gab.

Aber wenigstens erstrahlte das Rathaus in ganz neuem Schmuck: Stefan Geyrhalter hatte 60 Meter Stoff und 30 Meter Fransen verarbeitet und die gesamte Rathaus-Dekoration erneuert. „Einmal alle 50 Jahre kann man sich das leisten“, hatte es bei der Jahreshauptversammlung des Tänzelfestvereins geheißen.

Wieder einmal zog Kaiser Maximilian I. in Kaufbeuren ein und musste sich bei mageren Tributzahlungen erneut den schon oft wiederholten Satz „Buron ist klein und arm“ anhören. Des Kaisers „lustiger Rat“, der aus Kaufbeuren gebürtige Kunz von der Rosen, wollte diese Worte jedoch nicht als „geizig“, sondern als „umsichtig“ interpretiert wissen. Zudem demonstrierte Kunz schlitzohrig-überzeugend am jugendlichen Sieger des Adlerschießens, dass blinder Gehorsam nichts tauge. „Ein sehender Verstand tut not zur Wohlfahrt des Reiches“. Gnädig begnügte sich der Kaiser mit normalem Gehorsam. Er stiftete dem kleinen Schützenkönig „Sechs Ellen Stoff auf eine Hose“ und verfügte, dass man solches Schießtraining künftig alljährlich wiederhole.

Mit „Frohsinn, Herzlichkeit und ein wenig (!) Übermut“ solle dieser Tag noch lange im Gedächtnis bleiben. Zwar laufen der Einzug des Kaisers ebenso wie der Festzug mit seinen Musikkapellen, mit den Fahnenschwingern, den Edelleuten und Bürgern, den Bauern und Zünften aus allen Jahrhunderten immer ungefähr gleich ab. Aber weil die von den Kindern gespielte Geschichte ja weitergeht, kommt fast jedes Jahr ein neuer Wagen oder eine neue Gruppe hinzu und so bleibt der Festzug auch für alteingesessene Kaufbeurer interessant. 2017 entstanden gleich zwei bildschöne neue Gruppen: Für Mädchen die Töchter der Renaissance-Bürger und für Buben die Feuerwehrleute vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die vom neuen Feuerwehrmuseum gleich auch noch eine von Ponys gezogene Feuerspritze dazu bekommen haben.

von Ingrid Zasche

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