Staatssekretär kann Problematik „durchaus nachvollziehen“

Dynamik bei Bedarf für Kita-Plätze

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Die zwei großen Unterkünfte für Asylbewerber im Norden Markt­oberdorfs mit 215 Plätzen. Mit den Asylbewerbern, mit deren Anerkennung und mit dem Familiennachzug gibt es gravierende Auswirkungen auf den Bedarf an Kita-Plätzen.

Marktoberdorf – Welche Dynamik speziell in Marktoberdorf das Thema hat, dass wegen Asylbewerber-Kindern der Bedarf an Plätzen in Kindertagesstätten enorm zunimmt, hat Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in einem einstündigen Gespräch im bayerischen Sozialministerium verdeutlicht. Von dort kehrte er mit dem Eindruck zurück, dass Staatssekretär Johannes Hintersberger die Problematik „durchaus nachvollziehen“ konnte. Eine Antwort aus dem Ministerium in München folgt noch.

Wegen der Thematik, dass in der Ostallgäuer Kreisstadt zum September 2017 nach aktuellem Stand der Anmeldung bereits 94 Kinder von Flüchtlingen beziehungsweise anerkannten Asylbewerbern in den Kindertagesstätten betreut werden sollen, hatten sich die Stadträte – wie berichtet – mit einem offenen Brief zuvor schon an die Abgeordneten Angelika Schorer (CSU) und Dr. Paul Wengert (SPD) gewandt. Der MdL aus Füssen fragte deswegen beim Sozialministerium an.

Die Antwort der Staatsregierung sei freilich „enttäuschend“ und helfe der Stadt Marktoberdorf „keinen Millimeter weiter“, erklärte Wengert. Zur hohen finanziellen und organisatorischen Belastung in Marktoberdorf, die mit der zentralen Zusammenführung von bislang vielerorts untergebrachter Flüchtlinge in Markt­oberdorf verbunden sei, gebe es keinen Lösungsansatz.

Wengert sagte, wenn dem Freistaat schon nichts einfalle, wie er die betroffenen Städte wirklich wirkungsvoll unterstützen könne, dann sollte er schleunigst auf die zentrale Unterbringung verzichten. Eine dezentrale Lösung wie bisher wäre auch mit Blick auf eine gelingende Integration besser, so der SPD-Abgeordnete aus Füssen.

94 Kinder von Asylbewerbern

Der Kreisbote bringt Zahlen zu dem Thema. Im Mai 2015 waren in Marktoberdorf nur zwei Kinder von Asylbewerbern. Ein Jahr später waren es schon 48 Buben und Mädchen. Heuer im Mai war der Stand bei 80 Kindern; und zur Jahresmitte ist man bei 94 Buben und Mädchen angelangt, die von Flüchtlingen beziehungsweise anerkannten Asylbewerbern sind und die in den Kindertagesstätten betreut werden sollen.

Im Landkreis Ostallgäu, so stellt Bürgermeister Dr. Hell einen Vergleich an, sind es 103 Kinder von Flüchtlingen beziehungsweise von anerkannten Asylbewerbern. 33 davon, also ein Drittel, sind derzeit mit ihren Eltern in Marktoberdorf zu Hause. Zum Vergleich erwähnt Hell, dass es in Füssen und in Buchloe jeweils acht Buben seien.

Im Gespräch mit unserer Redaktion schildert der Rathauschef den Zwiespalt, dass die Kreisstadt einerseits vom Landratsamt zur Haushaltskonsolidierung gemahnt werde, andererseits aber wegen der rasch zunehmenden Zahlen bei der Unterbringung in Kitas deutlich steigende Ausgaben auf die Kommune zukämen. Zu bedenken gibt er, dass die Stadt für jeden Bub oder jedes Mädchen in einem Kindergarten neben den Elterngebühren und neben den staatlichen Zuwendungen pro Jahr immerhin 3100 Euro beisteuere. Bei 33 Asylbewerber-Kindern, die zwischen drei und sechs Jahre sind, kämen so 80.000 Euro zusammen.

Wie berichtet, soll zum September 2017 eine Notgruppe im Hort in Thalhofen eingerichtet werden, um dort wenigstens 25 weitere Kinder aufzunehmen. Dieser Hort ist erst seit 2015 in Betrieb. Auch investiere die Stadt in das Familienzentrum St. Mag­nus, das ab 2018 fünfgruppig geführt werde. Das Thema Asylbewerber und Kindertagesstätten habe eine eigene Dynamik, so Bürgermeister Hell. Er verweist auf den Familiennachzug bei anerkannten Asylbewerbern. Darum ist sein klares Plädoyer, dass Staat und Landratsamt das angekündigte Zusammenführen der Flüchtlinge auf wenige Standorte im Landkreis rückgängig machen und weiterhin eine dezentrale Unterbringung auch in kleineren Gemeinden ermöglichen.

jj

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