Weihnachtstrucker sind unterwegs

Der Nikolaus ist 47 Jahre alt, er hat vier Kinder, er kommt aus Unterthingau. Zurzeit ist er viel unterwegs, im ganzen Ostallgäu. Tonnenweise Geschenke hat er im Gepäck. Der Nikolaus? "Ich fühl mich wie der Nikolaus in anderer Uniform", erklärt Michael Struck lachend. Doch die Uniform macht ihn zum Johanniter, sein Schlitten ist ein großer LKW ohne Rentiere, seine fleißigen Wichtel sind viele Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene aus dem Ostallgäu.

Er verteilt nämlich keine Geschenke in der Region, sondern sammelt sie ein für den ANTENNE BAYERN Weihnachtstrucker, der am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Hilfsbedürftigen nach Osteuropa startet. Am Donnerstagvormittag legt Michael Struck einen kurzen Zwischenstopp im Marktoberdorfer Gymnasium ein. Die Schulsanitäter von den Johannitern stehen bereit, in der Ecke sind viele Pakete gestapelt, Anspannung liegt in der Luft. Um kurz nach neun Uhr trifft der LKW ein, Michael Struck steigt mit seiner Frau Petra aus: "Das Einsammeln macht uns Freude", erklärt sie. Er ist seit Montag dauernd auf Achse, "aber auch unsere kleinen achtjährigen Zwillinge sind eingebunden". Die Familie hält zusammen. Jetzt packen die Eltern gemeinsam mit der Tochter Ann-Marie, die als Schulsanitäterin aktiv ist, an, verladen mit der Johanniter-Jugend 69 Pakete auf den LKW. "Es sind 69 plus x", weiß Michael Struck. Ein paar Schüler haben ihre Lebensmittel für die klassenweise gepackten Weihnachtsgeschenke für Osteuropa noch nicht mitgebracht, oder die Schüler sind krank. Ann-Marie versichert schon vorher ihren Mitschülern, die die Pakete noch nicht dabei haben: "Das ist kein Problem, ich kenn' den Fahrer gut", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Der fehlende Liter Öl, die zwei Kartons, die noch kommen sollen. Alles kein Problem. Der Ostallgäuer Johanniter-Nikolaus für Osteuropa kommt wieder, "ich kümmer mich drum", für Michael Struck gibt es keine Probleme. Er holt die Päckchen gern, ist von der Aktion überzeugt. In diesem Jahr sammelt der Unterthingauer vorerst nur die Päckchen hier in der Heimat, um sie dann seinen Kollegen der Johanniter-Auslandshilfe für den Transport nach Albanien, Bosnien, Mazedonien und Moldawien zu übergeben. Aber er spielt schon mit dem Gedanken, beim nächsten ANTENNE BAYERN Weihnachtstrucker selbst mitzufahren. Hier will er auch seine Kompetenzen einbringen, die er bei der Bundeswehr gesammelt hat. "Ich finde das super", meint seine Frau Petra dazu, "Heiligabend wäre nicht so schön", aber mit der Abfahrt am zweiten Weihnachtsfeiertag hätte sie "überhaupt kein Problem". Im Gegenteil: Für sie ist Michael Strucks Engagement auch vorbildlich für die Kinder. "Selbst Dreijährige sind interessiert und begeistert." Das Erzählen in den Kindergärten macht Spaß, die Uniform des Johanniter-Nikolaus ist spannend. "Wie wird verteilt, wo kommen die Pakete hin", erklärt Michael Struck, "das sind die bewegenden Fragen. Direkt zu den Hilfsbedürftigen." Bei dieser Antwort machen die Kleinen große Augen und lassen sich noch detaillierter sagen, was mit ihren Weihnachtsgeschenken für arme Kinder und Familien passiert. So erzählt Michael Struck viel, verlädt tonnenweise Pakete, ist dauernd unterwegs. Seit Montag hat er über 600 Pakete gesammelt, am Donnerstag und Freitag sollen noch viele weitere kommen. Am Schluss werden allein aus dem Ostallgäu weit über 1.000 Pakete nach Osteuropa unterwegs sein, fast ein ganzer LKW voll. Michael Struck verlässt das Marktoberdorfer Gymnasium wieder, es geht weiter zu anderen Schulen und privaten Sammelstellen, erst Richtung Füssen, morgen wieder gen Norden. Und wie er und seine Frau auf den LKW steigen, ist man sich doch nicht sicher: Ist es nicht der Nikolaus, mit so vielen Geschenken, mit versteckten Rentieren, mit einem modernen Schlitten - und da blinkt ein Lichtlein an der Straße. Ist es nur der LKW, oder nicht doch eher das Leuchten und Funkeln eines Nikolaus-Schlittens zur Weihnachtszeit? kb

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